So wie der FC Bayern München am Donnerstagabend im DFB-Pokal gegen den Fünftligist 1. FC Düren (ab 20:45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) auflaufen wird, wird man die Elf von Trainer Hans-Dieter Flick höchstwahrscheinlich nie wieder sehen.

Nur einen Tag nach dem Abschluss der Länderspielwoche kommt es in der Allianz Arena - beide Teams tauschten das Heimrecht - zum Nachholspiel der ersten Pokalrunde.

UEFA Nations League
Von wegen angeschlagen: Lewandowski glänzt für Polen
14/10/2020 AM 22:40

Flick machte am Mittwoch klar, dass er dabei auf alle seine Spieler, die unter der Woche im Dienste ihrer Länder eingesetzt wurden, verzichten werde. "Die Nationalspieler werden nicht spielen", stellte er klar.

So wird zum einen Alexander Nübel, Sommerneuzugang vom FC Schalke, zu seinem Pflichtspieldebüt im Bayern-Tor kommen.

Nübel im Bayern-Tor statt Neuer: Das sagt Flick

Zum anderen ergibt sich jedoch auch eine große Chance für die vier Herbstneuzugänge Marc Roca, Douglas Costa, Bouna Sarr und Eric Maxim Choupo-Moting.

Marc Roca mit schwieriger Aufgabe

"Alle Neuen werden zum Einsatz kommen", kündigte Flick an: "Das ist auch eine Chance, sich zu zeigen."

Choupo-Moting wird also seiner Backup-Rolle für Robert Lewandowski nachkommen, Sarr statt Benjamin Pavard den Rechtsverteidiger mimen und Costa wahrscheinlich auf dem linken Flügel statt Kingsley Coman zum Einsatz kommen - wobei Flick sich bei den am Mittwoch in Kroatien nicht eingesetzten französischen Nationalspielern ein kleines Hintertürchen offen ließ.

Salihamidzic schwärmt von Costa und Roca: "Machen uns unberechenbar"

In Abwesenheit von Joshua Kimmich und Leon Goretzka wird Roca mutmaßlich der schwierigste Job aller Neuen zufallen - nämlich in einer zusammengewürfelten Elf das Mittelfeld zu organisieren.

Salihamidzic und Rubi schwärmen von Roca

Wenn man so will ist Roca, 23, ohnehin der vielleicht interessanteste Neuzugang der Bayern. Schon 2019 hatten sich die Münchner intensiv mit dem Mittelfeldspieler von Espanyol Barcelona befasst. Ein Transfer ließ sich jedoch erst jetzt realisieren - neun Millionen Euro plus bis zu sechs Millionen an Boni soll Roca gekostet haben.

Entsprechend begeistert äußerte sich Salihamidzic am Dienstag. "Schon 2019 in Gesprächen hat mir Marc sehr gut als Typ gefallen", sagte der Sportvorstand und bestätigte damit dessen ehemaligen Trainer Joan Frances Ferrer, genannt Rubi: "Abgesehen von seinen fußballerischen Möglichkeiten hat er einen sehr gut möblierten Kopf", hatte der der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Für Rubi habe Roca "eine großartige Zukunft vor sich".

Auch für die Bayern liegen Rocas Vorzüge auf der Hand. "Seine fußballerischen Fähigkeiten, besonders seine Technik, sein Spielverständnis und sein vertikales Spiel wird uns bereichern", so Salihamidzic. Roca sei "ein richtig guter Junge. Er passt mit seiner Mentalität richtig gut in unsere Mannschaft."

Roca bleibt reserviert

Der Spieler selbst blieb bei seiner Vorstellung zurückhaltend. Er wolle lernen bei Bayern, sagte er immer wieder. Für Schmunzeln sorgte seine Antwort auf die Frage, wie er, der Ex-Espanyol-Spieler denn die Champions-League-Bestrafung der Bayern für Espanyols Erzrivalen FC Barcelona gesehen habe.

Marc Roca im Bayern-Training

Fotocredit: Getty Images

"Ich war natürlich sehr froh darüber, dass Bayern 8:2 gegen Barça gewonnen hat", sagte Roca, ganz "Periquito" (deutsch: Wellensittich), wie Espanyol von der Anhängerschaft gerufen wird. "Wie der FC Bayern sie überrollt hat, war zweifellos beeindruckend."

Beeindruckend dürften für ihn auch die ersten Tage an der Säbener Straße gewesen sein. Als junger Spieler wird er sich in der Kabine erstmal unterordnen müssen - auch wenn er selbst schon etwas vorzuweisen hat. Wie Javi Martínez 2012 und Thiago 2013 kommt auch Roca mit der Empfehlung eines U21-Europameistertitels zu Bayern.

Roca hat Xabi Alonso als Vorbild

Besonders angetan hat es ihm ein anderer spanischer Ex-Bayer. "Xabi Alonso ist eins meiner großen Idole", sagte er am Dienstag auf Eurosport-Nachfrage. Es gibt wahrlich schlechtere Vorbilder als den spanischen Strategen, der mit dem FC Liverpool (2004-2009) und Real Madrid (2009-2014) sowie der spanischen Nationalmannschaft (2003-2014) quasi alles im Weltfußball gewonnen hat, und seine Karriere zwischen 2014 und 2017 beim FC Bayern ausklingen ließ.

"Ich habe mich schon immer an ihm orientiert und seine Spielweise studiert", fuhr Roca fort. Er selbst sei "ein Spieler, der wachsen möchte, der sich entwickeln möchte. Ich will die große Chance nutzen, die mir der FC Bayern gegeben hat. Mein Ziel ist, zu den Besten zu gehören."

Ein ambitioniertes Ziel, doch die Anlagen sind da. "Er ist ein typischer Mittelfeldspieler spanischer Schule - einer, den Guardiola lieben würde", analysiert Félix Martín von Eurosport Spanien. Der 23-Jährige könne gut auf der Sechs oder der Acht spielen und sei vom Spielertyp her eine gute Ergänzung zu Kimmich und Goretzka.

"Roca hat seine Stärken vor allem in der Defensive, ist aber auch sehr gut im Spielaufbau zu gebrauchen, weil er technisch überdurchschnittlich stark ist. Bei der U21-EM in Italien war er ein Schlüsselspieler für Spanien auf dem Weg zum Titel", so Martín über Roca, der immerhin schon 103 La-Liga-Einsätze (drei Tore) vorzuweisen hat.

Roca muss sich hinten anstellen

Am Donnerstag wird Roca die Möglichkeit haben, sich erstmals im Bayern-Trikot zu zeigen. "Ich habe wirklich viel Lust zu spielen, ich sehne es förmlich herbei, die neuen Teamkollegen auf dem Platz kennenzulernen", sagte er. Sein Trainer wird genau hinsehen. "Ich erhoffe mir, dass er das, was er kann, zu hundert Prozent abruft", sagte Flick.

FC Bayern: Hansi Flick mit den Neuzugängen Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr, Tiago Dantas und Marc Roca

Fotocredit: Getty Images

Abgesehen vom Pokalauftakt wird sich Roca in der Mittelfeldhackordnung der Bayern aber erstmal hinten anstellen müssen. Das machte der Bayern-Trainer am Mittwoch auch deutlich.

"Er wird hoffentlich immer wieder mal für den ein oder anderen einspringen und dann auch seine Leistung abrufen können", sagte Flick auf Eurosport-Nachfrage. Was nicht nach oberstem Regalbrett klang. Roca werde "ein bisschen brauchen, bis er unsere Idee, Fußball zu spielen, verinnerlicht hat. Das ist ein bisschen was anderes als wie er es bis jetzt gespielt hat."

Roca hat noch Luft nach oben

Zumal er bei Absteiger Espanyol zu Saisonbeginn gar nicht mehr gesetzt war. Roca sei für ihn schon "ein Spieler, der eine gute Balance und Ballsicherheit ins Spiel bringen kann", sagte Flick. Bis sich Roca im neuen Klub zurechtgefunden habe, werde man jedoch Geduld aufbringen müssen.

"Er hatte zuletzt wenig Spielpraxis", sagt auch Experte Martín von Eurosport Spanien: "Es wird außerdem spannend zu sehen sein, ob er sich in der physisch stärkeren Bundesliga behaupten kann. Vielleicht sollte er sich ein Vorbild an Goretzka nehmen. Generell sollte man die Erwartungen doch etwas zurückschrauben: Er ist noch ein junger Spieler und muss sicherlich noch viel lernen."

Roca selbst scheint das ähnlich zu sehen. "Es ist eine große Chance für mich, mir hier von den Besten was abzuschauen", sagte er bei seiner Vorstellung.

Die Aufgabe Bayern gehe er aber "mit viel Selbstvertrauen und Engagement" an.

"Ich hoffe, dass ich das Beste rausholen kann."

Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Notbesetzung: FC Bayern geht auf dem Zahnfleisch

"Du bist nicht ganz dicht!" Elber über alte und neue Bayern-Gier

Bundesliga
Transfer-Erfolg erklärt: Bayern arbeitet mit "Schattenteams"
14/10/2020 AM 09:09
Champions League
Drei Dinge, die auffielen: Neuer top, Abwehr auf dem Zahnfleisch
25/11/2020 AM 23:44