Union Berlin vs. FC Bayern - Drei Dinge, die auffielen: Münchens Defensive bleibt löchrig
Der FC Bayern lässt beim 1:1 (0:1) bei Union Berlin erneut Punkte liegen und steht nun bei einem Sieg aus den vergangegen drei Bundesligaspielen. Der Rekordmeister offenbarte an der Alten Försterei erneut eklatante Mängel in der Defensive und brauchte eine Willensleistung seines derzeit besten Flügelstürmers, um zum Ausgleich zu kommen. Union feiert Standard-Gott Cristopher Trimmel. Was auffiel.
Grischa Prömel trifft zur Führung für Union Berlin gegen den FC Bayern
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Das Feuerwerk der sensationslüsternen Fans von Underdog Union Berlin kam in jeder Hinsicht zu früh und war womöglich nur Ansporn für Bayern München.
Weltfußballer-Kandidat Robert Lewandowski verhinderte nur kurze Zeit nach dem Abschuss von Silvesterraketen vor der Alten Försterei durch seinen Ausgleichstreffer (67.) eine böse Überraschung für den Triple-Gewinner im vorweihnachtlichen Bundesliga-Endspurt.
Als sich die Bayern nach dem Abpfiff routiniert abklatschten, war die Erleichterung über das glückliche Remis denn auch größer als die Freude über die wenigstens vorläufig noch behauptete Tabellenführung.
Was uns beim Remis des FC Bayern bei Union Berlin auffiel.
1. Bayerns Defensiv-Dilemma
Bereits nach 52 Sekunden wurde es zum ersten Mal brenzlig für den FC Bayern. Taiwo Awoniyi lief nach Steilpass von Christopher Trimmel alleine auf Manuel Neuer zu, scheiterte aber im Eins-gegen-Eins am deutschen Nationaltorwart. Knappe drei Minuten später war aber auch der seit Wochen in Topform befindliche Keeper chancenlos. Trimmels Eckball von der linken Seite verlängerte Grischa Prömel per Kopf am Fünfmeterraum ins lange Eck. Der FC Bayern lag damit auch im fünften Bundesligaspiel in Folge in Rückstand.
"Eine Niederlage wäre möglich gewesen", gestand Kapitän Neuer nach dem Spiel im "Sky"-Interview. Sein Kollege Thomas Müller meinte: "Wir müssen leider zuletzt nach Rückständen immer wieder Anlauf nehmen, dann reicht es eben manch mal nur zu einem Punkt, was sich für unsere Ansprüche als zu wenig anfühlt."
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Manuel Neuer dirigiert die Bayern-Abwehr bei einem Eckball gegen Union Berlin
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Die Münchner wackeln schon die komplette Saison im Defensivverbund. Die anstrengenden letzten Monate, die ohne Pause durchgespielt wurden, fordern ihren Tribut - und so muss Neuer dieser Tage häufiger ein- und gar hinter sich greifen, als ihm lieb ist. 17 Gegentore nach elf Spieltagen - ein untypischer Wert für den FCB, der sich jedoch aufgrund 35 eigens geschossener Treffer in der Tabelle noch vor den punktgleichen Leipzigern befindet.
"Wir hätten durch einen Lucky Punch auch gewinnen können", befand Neuer weiter, "aber wir haben wieder zu viele Konterchancen zugelassen, da müssen wir in den nächsten Spielen aufpassen. Wir dürfen nicht so viele einfache Fehler machen." Flick fasste den Auftritt kurz und knapp zusammen: "Wir können besser Fußball spielen."
Und meinte damit im Gesamtkontext sicher auch das Spiel gegen den Ball.
2. Bayern fehlt die geistige Frische
Der FC Bayern ist dieser Tage nun wirklich nicht zu beneiden. Seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach dem ersten Corona-Lockdown im Mai befinden sich die Münchner dauerhaft unter Strom. Nach Beendigung der Bundesliga ging es ohne Pause nach Lissabon, wo der Champions-League-Titel und damit das zweite Triple der Vereinsgeschichte perfekt gemacht wurde.
Während der Rest der Bundesliga-Konkurrenz, mit Ausnahme von CL-Halbfinalist RB Leipzig, vor Saisonbeginn eine knapp vierwöchige Vorbereitung einlegen konnte, hatten die Münchner kaum Zeit zum Durchschaufen. Der Übergang in die Spielzeit 2020/21 verlief annähernd fließend - und das spürt man nun.
"Den frischsten Eindruck machen wir aktuell nicht", stellte Flick daher treffend klar. Schaut man sich jedoch an, wie in ganz Europa diverse Spitzenteams aktuell ins Straucheln geraten und weit weg von ihren normalen Ansprüchen spielen, stehen die Münchner jedoch weiterhin als Tabellenführer phänomenal da.
Flicks Kritik am eigenen Spiel wirkt daher wie Meckern auf hohem Niveau - aber mei, das Selbstverständnis beim FC Bayern ist eben ein anderes: "Mit der Art und Weise aus der ersten Halbzeit können wir nicht zufrieden sein. In der zweiten Halbzeit waren wir besser", analysierte der ehemalige Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw. "Wir müssen von Anfang an konzentrierter sein und müssen besser Fußball spielen. Wir waren da nicht ganz so auf dem Platz. In der zweiten Halbzeit haben wir die Räume besser besetzt, aber es war schwer gegen diese Unioner Mannschaft."
Schwer werden auch die kommenden Spiele bis Weihnachten. Am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) empfangen die Münchner den noch immer ungeschlagenen VfL Wolfsburg, am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) müssen die Münchener zu Bayer Leverkusen, das ebenfalls noch ohne Niederlage ist.
Erst danach dürfen die Bayern durchpusten - ganze 15 Tage lang...
3. Eiserner Standard-Gott
Es war kein Zufall, dass die Vorlage in der vierten Spielminute zur Führung der Unioner nach einem Eckball fiel. Und es war ganz sicher kein Zufall, dass der Absender dieses Standards Christopher Trimmel hieß. Zum elften Mal seit Beginn der Saison 2019/20 legte Trimmel einen Treffer mit einem Standard auf. Das ist in diesem Zeitraum nicht nur Topwert in der Bundesliga, auch in den anderen europäischen Top-Ligen (England, Frankreich, Spanien, Italien) weist kein Profi einen besseren Wert auf.
"Wir haben das unter der Woche trainiert und Christopher Trimmel bringt die Bälle punktgenau", freute sich Nutznießer und Torschütze Prömel nach dem Spiel. Trimmel selbst sprach von Übungseinheiten "mindestens zwei Mal in der Woche". Das zahlte sich aus, auch wenn die Bayern laut Trainer Flick leicht mithalfen.
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Grischa Prömel (li.) und Christopher Trimmel (re.)
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"Wir haben die Standards des Gegners eigentlich genau analysiert", sagte der 55-Jährige. "Normalerweise haben wir in dieser Situation jemanden dort stehen, der den Ball blockt oder wegspielt. Aber in den ersten Minuten waren wir ohnehin nicht so auf dem Platz, wie wir uns das vorgenommen haben."
Gut für Trimmel, der so seinen fünften Assist im zehnten Saisonspiel einsammelte und ganz nebenbei mit vier Torschussvorlagen den Top-Wert auf dem Platz (zusammen mit Kingsley Coman) hatte.
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Quelle: Eurosport
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