Der LIGAstheniker: Gladbach in der Krise - wickelt sich da gerade ein Kultklub ab?

Der LIGAstheniker blickt nach dem 25. Bundesliga-Spieltag auf einen Kultklub in der Krise - wickelt sich Borussia Mönchengladbach gerade etwa selbst ab? Die Reaktionen auf die Pleite gegen den VfB Stuttgart, die ernüchternden Auftritte der letzten Wochen und das dabei fehlende echte Krisenmanagement lassen ein Ende der Negativserie kaum in Sicht kommen. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

Borussia Mönchengladbach rutscht immer tiefer in die Krise

Fotocredit: Getty Images

Liebe FußballfreundInnen, es ist natürlich doof für einen Bundesligaklub, wenn man in eine Krise schlittert und dann feststellt, dass man nicht nur Fußballprofis beschäftigt, sondern auch Fußballkritiker.
Jedenfalls fällt am aktuellen Beispiel der Gladbacher Borussia auf, dass es gerade die einfachen Angestellten (ergo Spieler) sind, die nun die Notrufe absetzen, Ursachenforschung betreiben, den Finger in die Wunde legen – und nicht Trainer oder Vorstand, die sich seit Beginn der Krise in Durchhalteparolen üben.
Yann Sommer sprach nach dem peinlich vergeigten 2:3 in Stuttgart davon, dass man "vorgeführt" worden und "ein bisschen auseinandergefallen" sei. Der Torhüter darf das sagen, er war wieder einmal der beste Mann bei den "Fohlen", das sagt im Fußball immer recht viel.
Und Christoph Kramer, der sich während der Fußball-EM zu einer Art Kritikerkönig des heimischen Fußballs hervortat, meinte, es gebe "tausend Baustellen", jetzt könne nur noch der "liebe Gott" helfen. Und offenbar nicht der liebe Adi Hütter, immerhin Cheftrainer der Borussia und zweitteuerster Fußballtrainer in Deutschland.
Das, was Hütter nach den Spielen so analysiert, klingt rat-, mut- und ideenlos. Natürlich schaue man auf die Tabelle, deshalb wären die Punkte heute "wahnsinnig wichtig" gewesen. So O-Ton Hütter. Ach, nee. Nach Spieltag 25 steht Gladbach auf Platz 13, noch sind es fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Wenn es so weitergeht, sind es schon nächste Woche noch weniger.

Borussia scheitert an ihren Ansprüchen

Dabei war das mal ganz anders gedacht, wie in den letzten Tagen publik wurde. Mit großen Transfer-, Investment- und Ambitions-Versprechungen hatte Ex-Manager Max Eberl Adi Hütter, noch dazu mit steiler Ablöse (7,5 Mio. Euro), von Frankfurt nach Gladbach gelotst.
Das Ziel war, dauerhaft in Europa mitzuspielen. Auf den vierten Champions League-Platz wollte man sich gar ein Abonnementanrecht sichern.
Davon ist wenig bis nichts geblieben, das hat Hütter auch schon selbst so oder ähnlich geäußert. Es wird, mindestens in dieser Spielzeit, auch nicht dazu kommen.

Gladbach hat null Bock auf Abstiegskampf

Die Wunschspieler des Trainers Hütter konnten auch deshalb nicht geholt werden, weil die geplanten Schnellverkäufe von Matthias Ginter, Denis Zakaria und Alassane Pléa nicht funktionierten und ergo kein Geld da war. Ginter und Pléa sind immer noch da.
Der andere bei den Fohlen ausgebildete Chefkritiker des deutschen Fußballs, Lothar Matthäus, sprach nach dem Stuttgart-Spiel von einer "bodenlosen Frechheit" gegenüber Mannschaft und Fans und meinte die Lustlosigkeit und Leidenschaftslosigkeit gerade der großen Namen im Team, allen voran Marcus Thuram, Pléa oder Breel Embolo, die - ganz offenbar zu Höherem berufen - sich für den Abstiegskampf nicht motivieren können.
Warum sie dennoch spielen? Gute Frage. Hütter fragen!

Fazit: Gladbach kann Krise nicht

Keine Frage, es ist eine denkwürdige Saison für Gladbach. Nicht nur tabellarisch, sondern auch nach dem melodramatischen Abgang ihres Masterminds und Langzeitmanagers Max Eberl. Wenn man sportlich wie personell so daneben liegt, dann ist das mit Pech oder unglücklichen Sternekonstellationen allein nicht mehr zu erklären. Dann stimmt in der Binnenführung des Klubs etwas nicht, auf den Entscheidungsebenen, in der Monokultur des "Das haben wir immer schon so gemacht", in der mangelnden Durchlüftung durch Außen.
In der Krise ist ein mutiges Krisenmanagement gefordert, nur: Gladbach kann nicht Krise. Das ist in den letzten Wochen mehr als klar geworden. Beim 0:6 in Dortmund im Februar war Gladbach am Ende fast acht Kilometer weniger gelaufen, nur: Fußball ist Laufsport. Und wer muss ihnen das laufen beibringen? Klar, der Trainer. Der steht, so Sportdirektor Roland Virkus am Wochenende, nicht zur Disposition.
Nicht Hütter, die Spieler sollen sich an die Nase fassen, so Virkus. Ein ziemlich unglücklich formulierter Ratschlag für die eigenen lustlosen Borussenkicker: Wenn Thuram & Co. sich die Nase zuhalten, laufen sie aus Angst vor Atemnot gar nicht mehr.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform

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