FC Bayern holt sich Packung beim Aufsteiger ab: VfL Bochum demontiert schwachen Rekordmeister

Was für ein Auftritt des Aufsteigers: Der VfL Bochum feierte am Samstagnachmittag gegen den FC Bayern einen deutlichen und verdienten 4:2-Erfolg. Vor heimischer Kulisse egalisierte Antwi-Adjei die Münchner Führung durch Lewandowski, Locadia, Gamboa und Holtmann brachten den furiosen VfL noch vor der Pause auf die Siegerstraße. Lewandowskis zweiter Treffer war nur noch Makulatur.

VfL Bochum - FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Beide Trainer mussten auf ihren jeweiligen etatmäßigen Stammkeeper verzichten. Manuel Riemann wurde Corona-positiv getestet, Manuel Neuer fällt nach seiner Meniskus-OP noch längere Zeit aus.
Der Aufsteiger wollte sich für die 0:7-Pleite aus dem Hinspiel revanchieren, Thomas Reis setzte dabei auf viel Tempo mit Christopher Antwi-Adjej (für Milos Pantovic) auf dem Flügel. Zudem kehrte Kapitän Anthony Losilla (für Robert Tesche) zurück und Patrick Osterhage ersetzte Takuma Asano.
Beim Rekordmeister nahm Julian Nagelsmann neben dem Torhüterwechsel eine weitere Änderung vor: So kam Dayot Upamecano für Corentin Tolisso (Bank) zum Einsatz. Die Bayern hatten im 4-1-4-1 von Anfang an die Spielkontrolle und suchten die Lücken in der Bochumer Defensive, die sich bis zur Mittellinie zurückfallen ließ. Die beiden Außenverteidiger Benjamin Pavard und Lucas Hernández rutschten bei Ballbesitz auf die Achter-Position, um so das Zentrum abzusichern.
Der VfL hielt mit viel Einsatz und Kompaktheit dagegen, hatte durch Antwi-Adjej und Gerrit Holtman sogar die ersten Abschlüsse. Doch der Rekordmeister ging mit der ersten gelungenen Aktion in Führung, als Robert Lewandowski eine feine Kombination über Thomas Müller und Kingsley Coman technisch stark zum 1:0 vollendete (9.). Bochum kam quasi im Gegenzug zum Ausgleich – und dieser Angriff war wohl so geplant: Jürgen Locadia schickte Holtmann links auf die Reise, der in die Mitte zu Antwi-Adjej gab und dieser traf – nicht attackiert von Niklas Süle – zum 1:1 (14.).
In der Folgezeit entwickelte sich eine hochinteressante Partie an der Castroper Straße, da beide Mannschaften Fußball spielen wollten und sich der Aufsteiger keineswegs versteckte. Lediglich bei der Suche nach spielerischen Lösungen aus der Abwehr heraus hatte der VfL gegen das hohe Pressing der Münchner Probleme.
Auf der Gegenseite sorgte der Matchplan der Bochumer stets für gefährliche Aktionen. Holtmann, Locadia und Antwi-Adjej brachten die Bayern-Abwehr, die nicht immer auf der Höhe war, in Verlegenheit. Insbesondere mit den beiden Außenspielern hatten Süle und Co. einige Hände voll zu tun.
So wurde die Bochumer Brust immer breiter – und breiter. Denn Jürgen Locadia traf per Handelfmeter (Upamecano) zum 2:1, wenig später nutzte Cristian Gamboa die Münchner Schwächephase und traf mit einem Traumtor zum 3:1 (40.). Das war aber längst nicht alles, denn dem Aufsteiger sollte nun alles gelingen: Holtmann schlenzte die Kugel in den rechten Winkel zum 4:1-Pausenstand (44.)
Die ersten Minuten im zweiten Durchgang gehörten nicht den Bayern, die weiterhin katastrophal verteidigten. So hatte der Rekordmeister Glück, dass die vermeintlichen Treffer durch Osterhage (47.) und Antwi-Adjej (49.) aufgrund einer jeweiligen Abseitsposition nicht zählten.
Nach diesem – aus Münchner Sicht – merkwürdigem Auftakt nahmen die Bayern das Heft in die Hand. Bella-Kotchap rettete kurz vor der Linie gegen Lewandowski (52.). Im weiteren Verlauf wurden die Bayern-Angriffe wütender, Lewandowski tauchte immer wieder in der Box auf. Doch Bochum ließ sich nicht nervös machen und sorgte stets für Entlastung. Dennoch kamen die Gäste per Lewandowski zum 4:2 (75.). Sollte das Spiel doch noch einmal spannend werden?
Nein, denn der Aufsteiger stellte sich nicht nur hinten rein, sorgte stattdessen immer wieder für Entlastung. So tickte die Uhr gnadenlos gegen die Bayern. Lewandowski sorgte erneut für Gefahr, doch der Pole traf per Freistoß nur das linke Lattenkreuz (86.). So blieb es beim verdienten 4:2-Erfolg für den Aufsteiger.
Durch diesen Sieg macht der VfL einen Riesenschritt im Abstiegskampf. Kommenden Samstag geht es zum Vorletzten nach Stuttgart. Die Bayern haben wenig Zeit zum Durchatmen, am Mittwoch sind sie bei Red Bull Salzburg in der Champions League gefordert. In der Bundesliga geht es nächsten Sonntag (15:30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Greuther Fürth weiter.

Die Stimmen:

Anthony Losilla (VfL Bochum): "Das war für uns ein geiles Spiel. Wir wussten, dass es gegen Bayern schwierig wird. Aber wir haben fantastisch zusammen gespielt und es hat alles geklappt. Ich habe relativ früh gemerkt, dass heute was geht. Wir haben gemerkt, dass wir sehr gut ins Spiel gekommen sind. Sie waren nicht so gefährlich, wir waren schon sehr griffig. Wir hatten Traumtore und Bayern hatte plötzlich die Luft auf Fußball verloren."
Cristian Gamboa (VfL Bochum): "Erstes Bundesligator, und das gegen die Bayern. Ein Traum. Ich bin glücklich für meine Familie und meine Frau. Es ist alles super bei uns."
Joshua Kimmich (FC Bayern): "Wir haben heute über das ganze Spiel hinweg gesehen unsere schlechteste Saisonleistung gezeigt. Wir haben alle Tugenden, die man braucht, um ein Spiel zu gewinnen, vermissen lassen. Wenn so etwas einmal in der Saison passiert, dann kann es mal passieren. Aber uns ist es nicht das erste Mal passiert, auch schon in Gladbach (0:5 im Pokal, Anm. d. Red.), von daher müssen wir schon aufpassen. Mit so einer Einstellung, solch einer Körperspannung. Das hat nichts mit Taktik oder einem Plan zu tun. Wir müssen uns hinterfragen und auch fragen, ob das die Mentalität ist, die der FC Bayern eigentlich verkörpert. Es passiert zu oft und so etwas kenne ich aus der Vergangenheit nicht. Zum Glück war es ein Bundesligaspiel und wir haben neun Punkte Vorsprung. Aber jetzt spielen wir unter der Woche in der Champions League. Das darf uns nicht passieren. Dennoch müssen wir anerkennen, dass es eine verdiente Niederlage war."

Das fiel auf: Bayern Abwehrprobleme bleiben – Upamecano wieder katastrophal

Julian Nagelsmann stellte gegen den VfL um auf Viererkette, um so die schnellen Außen des Aufsteigers in Schach zu halten. Doch Hernández und Pavard hatten mit den schnellen Antwi-Adjej und Holtmann Probleme, während das Abwehrzentrum ein Totalausfall war. Süle ließ Antwi-Adjej beim Ausgleich viel zu viel Platz, Upamecano agierte beim Handelfmeter zum 2:1 sowie Holtmann 4:1 viel zu ungestüm. Der hochveranlagte Innenverteidiger baute Fehler um Fehler und wurde folgerichtig zur Halbzeit ausgewechselt. Ersatzkeeper Sven Ulreich konnte einem wirklich leidtun an diesem Nachmittag.

Tweet zum Spiel

Nicht nur die Bochum-Fans, wohl alle Fußball-Fans dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Die erste Halbzeit des VfL war eine für die Geschichtsbücher. Der Aufsteiger spielte keineswegs wie ein Underdog und zauberte wie einst der große FC Barcelona unter Iniesta, Xavi und Co. Die Angriffe rollten in höchstem Tempo auf Bayerns Abwehr zu, dazu schossen Holtmann und Gamboa wunderschöne Tore. Dieser Tag wird man in Bochum nicht so schnell vergessen!

Die Zahl zum Spiel: 1

Es gibt sicherlich schlechtere Momente als gegen die Bayern sein erstes Tor zu schießen. Nachdem Antwi-Adjej mit seinem ersten Tor im VfL-Trikot den Ausgleich markierte, kam auch Winter-Neuzugang Jürgen Locadio zu seinem ersten Tor in der Bundesliga. Und auch Cristian Gamboa erzielte seinen ersten Treffer in der deutschen Beletage. Zuvor war der Rechtsverteidiger nur einmal in der 2. Liga erfolgreich.
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Rose spricht sich gegen Play-offs aus: "Fußball gut, wie er ist"

Quelle: Perform

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