FC Bayern - Julian Nagelsmann hegt trotz Corona-Chaos Revanche-Gelüste: "Scheiß auf die Umstände"

Der FC Bayern wurde von einer beispiellosen Corona-Welle getroffen. Gleich neun Profis fallen zum Rückrundenstart wegen positiver Covid-Tests aus, vier weitere fehlen verletzungsbedingt oder aufgrund des Afrika Cups. "Rumheulen" wolle Julian Nagelsmann aber nicht. Vielmehr brenne er nach der Pokal-Schmach auf eine Revanche gegen die Fohlen. Was dem Trainer trotz allem Hoffnung macht.

Rache gegen Gladbach für 0:5? Nagelsmann: "Scheiß auf Umstände"

Quelle: Perform

Julian Nagelsmann ist ein Mann deutlicher Worte. "Es gab sicherlich schon Klubs, die nach München gefahren sind und es unfair fanden, gegen diese Weltauswahl spielen zu müssen. Warum soll ich jetzt rumheulen, wenn es mal für uns schwierig ist?"
"Schwierig" ist eine durchaus wohlwollende Umschreibung der aktuellen Situation beim FC Bayern. Nagelsmann muss beim Rückrundenauftakt in der Allianz Arena gegen Borussia Mönchengladbach (Freitag, 20:45 Uhr im Liveticker) auf 13 Profis verzichten.
Neun Spieler, darunter Kapitän Manuel Neuer, Leroy Sané, Lucas Hernández und Alphonso Davies fallen aufgrund positiver Corona-Tests aus, zwei Akteure, namentlich Bouna Sarr (Senegal) und Eric Maxim Choupo-Moting (Kamerun) wurden für den Afrika Cup abgestellt, Leon Goretzka (Knieprobleme) und Josip Stanisic (Reha nach Muskelbündelriss) haben mit Verletzungen zu kämpfen.
Trotz der prekären Personallage brennt Nagelsmann auf eine Revanche für die 0:5-Pokal-Klatsche gegen die Fohlen. "Im Pokal haben sie sehr gut gespielt und wir sehr schlecht", sagte Nagelsmann. Er ergänzte: "Ich habe schon ein bisschen Revanche-Gedanken, da bin ich ganz ehrlich. Scheiß auf die Umstände, das sollte nicht so stehenbleiben."

Nagelsmann über Ulreich: "Herausragend gut trainiert"

Doch wie will der 34-Jährige im Duell mit der Elf vom Niederrhein bestehen? Für den coronainfizierten Neuer wird Ersatzkeeper Sven Ulreich zwischen den Pfosten stehen. "Er hat herausragend gut trainiert, ich war sehr zufrieden", lobte Nagelsmann und ergänzte: "Es ist keine leichte Situation, dass du auf einmal als Nummer eins gefragt bist. Das sage ich nicht, um ihn zu pushen, sondern, weil er das wirklich gut gemacht hat. Er ist erfahren genug und keine 21 Jahre alt. Daher bin ich guter Dinge."
Joshua Kimmich, der wegen Quarantäne und anschließender Corona-Erkrankung 47 Tage verhindert war, kehrte am Montag zurück auf den Trainingsplatz – und wird gegen Gladbach zwei Monate nach dem letzten Pflichtspieleinsatz sein Comeback geben. "Er macht einen sehr guten Eindruck und ist sehr, sehr fit. Wenn alle da wären, würde er trotzdem spielen, weil er gut drauf ist. Jetzt ist sowieso klar, dass er spielt. Wir sind alle froh, dass er wieder da ist."
Auf welcher Position der Nationalspieler zum Einsatz kommt, ließ Nagelsmann offen. Im zentralen Mittelfeld könnte er neben Marc Roca auflaufen, eine Rückkehr in seiner einstige Rolle als Rechtsverteidiger gilt ebenfalls als realistisches Szenario. In diesem Fall würde Marcel Sabitzer gemeinsam mit Roca die Doppel-Sechs geben.
Ansonsten stellt sich die Mannschaft weitestgehend von selbst auf: Niklas Süle, der zuletzt über Rückenbeschwerden klagte, nahm am Donnerstag am Mannschaftstraining teil und dürfte gemeinsam mit Benjamin Pavard die Innenverteidigung bilden. In der Offensive läuft alles auf eine Dreierreihe aus Jamal Musiala, Thomas Müller und Serge Gnabry hinaus, Goalgetter Robert Lewandowski wird wie gewohnt an vorderster Front wirbeln.

Nagelsmann hofft auf erste Elf

Eine schlagkräftige Truppe, die Nagelsmanns Hoffnungen auf eine Revanche nährt. "Wir haben immer noch eine erste Elf, die mit sehr vielen Weltklassespielern bestückt und sehr, sehr gut ist", erklärte Nagelsmann.
Doch dahinter, auf der Ersatzbank, wird es eng. Bundesligaerfahrung sucht man bei den mutmaßlichen Reservisten vergeblich. Mit Johannes Schenk (Tor), Bright Arrey-Mbi, Nicolas Feldhahn, Taylor Booth, Jamie Lawrence (Abwehr), Nemanja Motika, Lucas Copado, Arijon Ibrahimovic und Paul Wanner (Angriff) standen am Donnerstag neun Eigengewächse auf dem Trainingsplatz.
Kurios: Ibrahimovic und Wanner, beide erst 16 Jahre alt, wurden eigens für die Begegnung mit Mönchengladbach aus dem Trainingslager der deutschen U17-Nationalmannschaft im spanischen San Pedro del Pinatar ausgeflogen.
Nach "Sport1"-Informationen war kurzfristig kein Flug aus Andalusien zu organisieren, weshalb die beiden Youngster zunächst mit dem Auto nach Madrid gebracht werden mussten und ebenda im Hotel eine kurze Nacht verbrachten, ehe es weiter in die bayrische Landeshauptstadt ging. Am Flughafen München wartete ein Bayern-Van, der das Duo direkt an die Säbener Straße brachte.

Stressige Anreise? "Die werden überall hingefahren"

"Sie haben einen sehr guten Eindruck gemacht im Training", analysierte Nagelsmann und schob nach: "Körperlich sind sie noch nicht so weit entwickelt, aber jeder hat seine Qualitäten. Jede negative Seite hat auch immer eine positive – und jetzt ist es die Förderung dieser jungen Spieler."
Angesprochen auf die Reisestrapazen der Rohdiamanten, wurde Nagelsmann abermals deutlich: "Es war eine stressige Anreise, aber das kann man schon mal erwarten. Ich musste mir als Jugendlicher noch ein Monatsticket holen, das kennen die heutzutage gar nicht mehr. Die werden überall hingefahren." Bloß nicht rumheulen lautet auch in diesem Fall die Devise.
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Quelle: Eurosport

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