Sie hängen monatelang wie kleine Damoklesschwerter über den Köpfen der Klubtrainer, wenn sie sich nähern, wachsen die Gedankenspiele, wenn sie schließlich da sind, hält das große Bangen Einzug: Länderspielpausen sorgen regelmäßig für Frust bei den Übungsleitern, immer wieder kehren wichtige Bausteine des eigenen Konstruktes mit Wehwehchen, sichtbaren Blessuren oder gar schwerwiegenden Verletzungen zurück von ihren jeweiligen Nationalmannschaften.
Die Zeit, die Betroffenen für den Liga-Betrieb rechtzeitig wieder fit zu bekommen, ist knapp. Doch auch die Spieler, die wohlauf zurückreisen, müssen kurzerhand wieder alltagstauglich gemacht werden. Ein Umstand, mit dem dieser Tage auch Julian Nagelsmann zurechtkommen muss. Erstmals macht der ehemalige Leipziger ebenjene Erfahrung als Trainer des FC Bayern – ein Klub, der gemeinhin besonders viele Akteure abstellen muss.
Im Vorfeld der Bundesliga-Begegnung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber am kommenden Samstagabend steht ein Gros des Stamms nicht zur Verfügung. Wie die "Bild-Zeitung" berichtet, bleibt dem gebürtigen Landsberger lediglich eine einzige Trainingseinheit mit der vollen Kapelle, um sich auf das Spitzenspiel bei den Sachsen vorzubereiten.
Bundesliga
Trotz Abgängen und Stotterstart: RB sieht sich gut gerüstet
08/09/2021 AM 09:04
Demnach stoßen die deutsche Nationalspieler Manuel Neuer, Serge Gnabry, Leroy Sané, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Niklas Süle und Jamal Musiala erst am Freitag zur Mannschaft, auch Robert Lewandowski, der am Mittwochabend mit Polen auf die Auswahl Englands trifft, zählt zu den Spät-Rückkehrern.

Nagelsmann und Bayern mit schleppender Vorbereitung

Ein schmaler Grat für Nagelsmann, dessen Mannschaft mit sieben Punkten einigermaßen zufriedenstellend in die Saison gestartet ist und zuletzt mit einem 5:0-Schützenfest gegen Hertha BSC zu gefallen wusste. Bislang hatte der 34-Jährige nur eingeschränkte Möglichkeiten, dem neuen Team seine Spielphilosophie näherzubringen.
Während der Sommervorbereitung arbeitete er lediglich mit einem Rumpfkader aus Reservisten, Jugendspielern und Dayot Upamecano, während die etlichen EM-Teilnehmer im wohlverdienten Urlaub weilten und einige andere mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Entsprechend schleppend verlief die Vermittlung der Ideen, entsprechend gering fielen die Erkenntnisgewinne in den Testspielen aus.

Marc Roca (M.) und Lucas Hernández stehen vor einem Comeback

Fotocredit: Imago

Großen Aufschluss wird auch die eine Trainingseinheit vor dem Spitzenspiel nicht geben, diejenigen, die für die Startelf vorgesehen sind, haben eine englische Woche in den Knochen. Bezüglich der Personalsituation gibt es indes Positives sowie Negatives zu vermelden. Mit Lucas Hernández, Benjamin Pavard und Marc Roca, die in der laufenden Saison aufgrund von Verletzungen noch nicht zum Einsatz gekommen waren, kehren auf der einen Seite drei Alternativen zurück. Allerdings verbuchte das Münchner Lazarett andererseits wieder einmal einige unerwünschte Neuzugänge.

Vor Duell mit Leipzig: Bangen um Quintett

Thomas Müller, Corentin Tolisso und Upamecano reisten bereits vor dem ersten von drei Länderspielen von ihren Nationalmannschaften ab und kehrten zu ihrem Verein zurück. Müller machten Adduktorenprobleme zu schaffen, Upamecano schlägt sich mit muskulären Problemen im Oberschenkel herum, bei Tolisso bereitet die Wade Sorgen.
Müller und Upamecano trainierten in den vergangenen Tagen individuell, ob sie für das Duell mit Leipzig infrage kommen, ist – Stand jetzt – allerdings noch völlig offen. "Die Probleme kamen aus dem Nichts", erklärte Müller im Gespräch mit der "Sport Bild". Er ergänzte: "Wir schauen von Tag zu Tag, es sieht nicht nach einer gravierenden Geschichte aus. Grundsätzlich bin ich guter Dinge!" Aussagen, die die FCB-Anhänger vorsichtig optimistisch stimmen dürfen.
Weniger Hoffnung besteht hingegen bei Kingsley Coman. Der Flügelspieler, der für Frankreich im Rahmen der Länderspielpause zweimal zum Einsatz gekommen war, verletzte sich an der Wade. Wie der französische Sender "RMC Sport" berichtete, dass der 25-Jährige mindestens für die Partie in Leipzig ausfalle, der Kracher gegen den FC Barcelona sei demnach ebenfalls in Gefahr.
Auch Alphonso Davies trat angeschlagen die Rückreise in die bayrische Landeshauptstadt an. Der Kanadier hatte am vergangenen Sonntag im Nachbarschafts-Duell mit den USA einen Schlag abbekommen und ist ebenfalls fraglich. Ein Trio vor dem Comeback und ein Fragezeichen-Quintett also – ein Schritt nach vorne, zwei zurück.

Debüt für Marcel Sabitzer?

Möglich, dass Neuzugang Marcel Sabitzer sofort gegen seinen Ex-Klub in die Bresche springen muss. Der Österreicher war kurz vor Ende der Transferperiode aus Leipzig an die Isar gewechselt, musste aber zunächst wegen leichter Adduktorenproblemen passen. Am Dienstag trainierte Sabitzer erstmals mit der Mannschaft, vor allem mit Blick auf die vielen Fragezeichen und etwaigen Ausfälle liegt ein Debüt des 27-Jährigen im Bayern-Dress durchaus im Bereich des Möglichen.
Am Mittwochabend dürften alle Klubtrainer erst einmal aufatmen, die Länderspielpause ist überstanden. Im Falle des deutschen Rekordmeisters brachte sie vor allem unglückliche Begleiterscheinungen mit sich. Bleibt aus Nagelsmanns Sicht zu hoffen, dass die kommende WM-Quali-Runde etwas glimpflicher abläuft. Sie wird nicht lange auf sich warten lassen, schon Anfang Oktober steht erneut eine Länderspielpause an.
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