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Long COVID: Experten warnen bei Kimmich, Choupo-Moting und Co. - "Wird Karrieren beenden"
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Publiziert 10/12/2021 um 16:56 GMT+1 Uhr
Auch Hochleistungssportler wie Joshua Kimmich oder Eric Maxim Choupo-Moting haben mit den Folgen einer Corona-Infektion zu kämpfen. Die beiden Bayern-Stars werden trotz negativer Tests und beendeter Quarantäne bis zum Jahresende ausfallen, weil die Lunge Probleme macht. Experten warnen schon vor dem Problem Long COVID im Sport und prognostizieren: "Long COVID wird Karrieren beenden."
Joshua Kimmich fällt in der Champions League aus
Fotocredit: Getty Images
Joshua Kimmich ist heiß, heiß auf sein Comeback nach Corona. "Ich brenne darauf, wieder richtig loszulegen", schrieb der Mittelfeldstar von Bayern München bei Instagram.
Allerdings wird Kimmich von den Folgen seiner Infektion erst einmal bis ins nächste Jahr ausgebremst, die Lunge macht ihm zu schaffen. Er müsse sich "noch ein bisschen gedulden", so Kimmich.
Fußballer, Handballer, Basketballer, Formel-1-Fahrer, Triathleten, junge, fitte Athleten - Corona kann jeden treffen. Mit unabsehbaren Folgen.
"Mein Rat: Wenn Sportler an COVID erkranken, müssen sie sich vorsichtig zurück an die alten Belastungen herantasten, um die Gefahr von Long COVID zu reduzieren", sagte Sportmediziner Professor Wilhelm Bloch dem SID.
Long COVID: "Ein Blumenstrauß von Symptomen"
Long COVID. Kein ganz neues, aber immer noch ziemlich unterschätztes Problem unter Sportlern. Umso eindringlicher warnt Bloch. "Wir müssen das Thema sehr ernst nehmen. Long COVID wird Karrieren beenden - wann und wie oft, wird man sehen", sagte der Experte von der Deutschen Sporthochschule in Köln: "Irgendwann kommen die Betroffenen an den Punkt und sagen: 'Ich schaffe das nicht mehr.'"
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Nagelsmann ohne Sorge bei Kimmich: "Nicht so dramatisch"
Quelle: Eurosport
Zwischen zehn und 15 Prozent der mit Corona Infizierten würden ein Long-COVID-Syndrom entwickeln, sagte Bloch: "Es tritt ein Blumenstrauß von Symptomen auf, etwa 200. Die häufigsten sind chronische Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Störungen beim Herzschlag und Beeinträchtigungen bei der Konzentration."
Julian Nagelsmann glaubt fest an eine erfolgreiche Genesung von Kimmich. "Ich mache mir keine Sorgen", sagte der Bayern-Trainer am Freitag. Kimmich dürfe wegen der leichten Infiltration seiner Lunge noch zehn Tage keiner großen Belastung ausgesetzt werden, dies sei aber eine "reine Vorsichtsmaßnahme".
Long COVID: Zahlreiche Spitzensportler schon betroffen
Doch zahlreiche Spitzensportler hat Long COVID schon getroffen: Jonathan Schmid vom SC Freiburg und Rune Jarstein von Hertha BSC etwa, oder Kanutin Steffi Kriegerstein und Ringer Frank Stäbler. Der dreimalige Weltmeister litt lange, lange Zeit, quälte sich mühsam zurück und holte tatsächlich Olympia-Bronze. Seine Warnung an Kimmich: "Es wird ein steiniger Weg zum Comeback."
Joshua Kimmich habe jetzt etwas, "was er noch nie hatte. Und das sehr schwierig einzuschätzen ist, weil medizinische Langzeitstudien fehlen", sagte Stäbler, der zwischenzeitlich 20 Prozent seines Lungenvolumens verloren hatte, dem Nachrichtenportal t-online. Wie Bloch rät auch Stäbler Athleten, die sich mit Corona infiziert haben, sich die nötige Zeit zu nehmen. "In diesem Fall gilt: Viel hilft nicht viel", sagte er: "Man braucht einfach eine Menge Geduld."
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Nagelsmann: Auch Choupo-Moting hat Infiltrationen in der Lunge
Quelle: Eurosport
Denn es gibt viele Fälle, bei denen etwa der Ruhepuls auch nach zwei, drei Monaten mehr als fünf Schläge erhöht ist im Vergleich zum Zustand vor der Corona-Erkrankung. "Nach ein paar Metern rast der Puls. Die Regeneration nach der Belastung ist eingeschränkt. Das ist für einen Sportler natürlich noch sehr viel einschneidender als für den Ottonormalverbraucher", sagte Bloch.
Wie man sich schützen kann? Impfen!
Untersuchungen hätten außerdem ergeben, dass manchmal auch Monate nach einer Infektion noch Veränderungen der roten Blutkörperchen zu erkennen sind. Die roten Blutkörperchen sorgen für den Sauerstofftransport in die Zellen und somit in die Muskeln, entscheiden für die Leistung auf dem Platz oder in der Halle.
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Joshua Kimmich (l.) und Eric Maxim Choupo-Moting
Fotocredit: Getty Images
Wie man sich schützen kann? Impfen, sagt der Experte. "Es gibt ja auch unter Sportlern immer noch Impfskeptiker und denen sage ich, dass COVID eine schwere Erkrankung ist, dass keiner davor geschützt ist", sagte Bloch: "Die Impfung ist nicht ohne Nebenwirkungen, aber im Verhältnis zur Erkrankung viel, viel unproblematischer. Und das Risiko als Geimpfter an Long COVID zu erkranken, ist signifikant reduziert."
Long COVID: Wen es schon getroffen hat
Rune JARSTEIN (Fußball): Der Norweger erkrankte im April. Eine Herzmuskelentzündung musste im Krankenhaus behandelt werden und es dauerte fast ein halbes Jahr, ehe der Torwart beim Bundesligisten Hertha BSC wieder ins Training einsteigen konnte. "An den ersten Tagen konnte ich nicht einmal Fußball auf dem iPad schauen. Ich war ganze zweimal an der Luft und musste dabei im Rollstuhl sitzen", erinnerte sich der Keeper später.
Jonathan SCHMID (Fußball): Für seinen Trainer Christian Streich ist der Franzose frühestens im Januar wieder eine Option. Der 31 Jahre alte Profi des Bundesligisten SC Freiburg infizierte sich Ende August mit dem Coronavirus. Streich will und kann seinen Schützling nur langsam auf dem Weg zum Comeback begleiten: "Es sieht alles danach aus, dass er sich zu hundert Prozent erholt. Aber wir müssen aufpassen, dass wir Jonathan angemessen heranführen, da er körperlich doch ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde."
Hee-Chan HWANG (Fußball): Schon Mitte November 2020 erkrankte Stürmer Hee-Chan Hwang nach einer Länderspielreise mit der Nationalmannschaft Südkoreas schwer. Erst nach mehr als acht Wochen kehrte der Stürmer im Trikot von RB Leipzig wieder auf den Platz zurück. Derzeit ist der 25-Jährige an die Wolverhampton Wanderers ausgeliehen. Die Infektion belastete auch Hwangs damaligen Trainer Julian Nagelsmann. "Es ging ihm nicht gut und er sagte mir: 'Ich war die ersten sieben Tage fast tot'", berichtete der aktuelle Bayern-Coach seinerzeit.
Frank STÄBLER (Ringen): Der dreimalige Weltmeister verlor nach einer Erkrankung im Herbst 2020 20 Prozent seines Lungenvolumens. Auch mit Hilfe einer ausgeklügelten Atemtrainings gelang dem 32-Jährigen noch die Olympia-Qualifikation für Tokio, dort gewann er die Bronzemedaille. Den nun ebenfalls unter Folgeerscheinungen leidenden Kimmich warnt Stäbler bei "t-online" vor einem Frühstart: "Viel hilft nicht viel. Man braucht einfach eine Menge Geduld. Es wird ein steiniger Weg zum Comeback."
Steffi KRIEGERSTEIN (Kanu): Die Dresdnerin infizierte sich vor ziemlich genau einem Jahr, seither hat die 29-Jährige keinen Wettkampf mehr bestritten. Auch Olympia in Tokio fiel für sie flach, 2016 in Rio de Janeiro hatte sie noch die Silbermedaille im Kajak-Vierer geholt. Die Wassersportlerin hat ganz ähnliche Erfahrungen wie Stäbler gemacht: "Ich fühle mich soweit ganz gut, aber es wird noch ein langer Weg bleiben." Um den Kontakt zu ihrem Sport nicht gänzlich zu verlieren, betätigte sich Kriegerstein im vergangenen Sommer bei ihrem Heimatklub KC Dresden als Übungsleiterin.
Janik MÖSER (Eishockey): Nach einer schweren Coronavirus-Infektion wurde bei dem DEL-Profi der Grizzlys Wolfsburg 2020 eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Der Verteidiger fiel mehrere Monate aus. Danach aber fand der 25-Jährige zu alter Leistungsstärke zurück, sogar sein Vertrag bei den Niedersachsen wurde im August vorzeitig um ein weiteres Jahr bis 2024 verlängert. "Es war für Janik keine einfache Saison. Aber er hat sich trotz seines steinigen Weges zu einer Stütze der Mannschaft entwickelt", sagte Wolfsburgs Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf.
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(SID)
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Nagelsmann ohne Sorge bei Kimmich: "Nicht so dramatisch"
Quelle: Eurosport
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