FC Bayern mit der großen Trainer-Wende? Das wären die vier Verlierer, sollte Thomas Tuchel in München bleiben
Eurosport bei GoogleBeim FC Bayern ist das zuletzt Undenkbare plötzlich sehr wohl wieder denkbar: Trainer Thomas Tuchel, der am Saisonende eigentlich seinen Hut nehmen sollte, könnte nun doch in München weitermachen. Während eine derartige Entscheidung einigen Spielern entgegenkäme, würden auf der anderen Seite vor allem vier Stars nicht von einer Fortsetzung des Tuchel-Engagements profitieren.
Tuchel erklärt: Darum bin ich nicht zu den Fans in die Kurve gegangen
Quelle: Perform
Der FC Bayern befindet sich mittlerweile seit 85 Tagen auf der Suche nach einem Trainer. Nun kristallisiert sich das lange Undenkbare heraus: Der neue Coach könnte der alte, längst geschasste sein: Thomas Tuchel.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge befinden sich die Klub-Verantwortlichen mit Tuchel derzeit in Gesprächen, um eine mögliche Weiterbeschäftigung auszuloten. Laut "Bild"-Zeitung steht sogar eine Verlängerung des ursprünglich bis 2025 gültigen Arbeitspapiers zur Debatte.
Die Bayern hatten Ende Februar bekanntgegeben, dass der Verein und Tuchel am Saisonende getrennte Wege gehen. Seitdem handelte sich der deutsche Rekordmeister von einigen potenziellen Nachfolgern, namentlich Xabi Alonso, Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick, aber Absage um Absage ein.
Klar ist: Neu-Sportchef Max Eberl, der im April einen neuen Übungsleiter präsentieren wollte, ist mächtig unter Zugzwang. Ohne Klarheit auf dem Trainerstuhl keine konkreten Kaderplanungen für die kommende Saison.
Die große Ungewissheit scheint auch einigen Führungsspielern sauer aufzustoßen, eine namhafte Gruppe um die beiden Routiniers Manuel Neuer und Thomas Müller sollen sich in der Chefetage für Tuchel starkgemacht haben.
Doch nicht allen Stars käme entgegen, sollte es mit dem 50-Jährigen überraschenderweise in die neue Spielzeit gehen. Eurosport zeigt vier mögliche Bayern-Verlierer.
Dayot Upamecano
Als Tuchel Ende März vergangenen Jahres das Zepter von Nagelsmann übernahm, änderte sich für Upamecano erst einmal nicht viel. Der Franzose war, sofern nicht verletzt, auch unter dem neuen Coach monatelang gesetzt.
Das änderte sich schlagartig innerhalb einer tragischen Woche im Februar dieses Jahres. Beim richtungsweisenden Spitzenspiel in Leverkusen (0:3) gab Upamecano keine gute Figur ab. Wenige Tage später verursachte er im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Lazio Rom mit einem Foul an Gustav Isaksen den Elfmeter zum entscheidenden 0:1 und stellte sich dabei so unglücklich an, dass er obendrein die Rote Karte sah.
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Schiedsrichter Francois Letexier zeigt Dayot Upamecano (FC Bayern) gegen Lazio Rom die Rote Karte
Fotocredit: Getty Images
Ein ähnliches Schicksal ereilte den ehemaligen Leipziger am darauffolgenden Wochenende in Bochum. Wieder foulte er elfmeterreif, erneut wurde er des Feldes verwiesen. Zwei Rote Karten in zwei Spielen hintereinander - das war noch keinem Bayern-Spieler zuvor "gelungen".
"Das waren leider zwei sehr folgenreiche Fouls, die er sich geleistet hat. Das ist zweimal zu ungestüm, zweimal zu aggressiv. Leider, denn er macht sich damit seine eigenen Leistungen kaputt", monierte Tuchel damals. Weil Matthijs de Ligt während Upamecanos Sperre glänzte, blieb für Upamecano fortan oftmals nur noch der Platz auf der Bank.
Wenn er dann mal ins Team rotiert wurde, leistete er sich teils haarsträubende Fehler. Fehler, die nicht selten zu Gegentoren führten. "Upamecano war zuletzt an zu vielen Toren direkt beteiligt", kritisierte Tuchel nach einem Upa-Bock gegen den 1. FC Köln vor einigen Wochen.
Er ergänzte: "Natürlich sind das im Moment zu viele große individuelle Fehler, die entscheiden auf dem höchsten Niveau die Spiele." Unter Tuchel stünden die Chancen auf einen Stammplatz in naher Zukunft also nicht allzu gut.
Min-Jae Kim
Kim, der für die beträchtliche Summe von 50 Millionen Euro als Ersatz für den gen Paris abgewanderten Lucas Hernández aus Neapel gekommen war, zeigte zu Saisonbeginn vielversprechende Ansätze und entlockte Tuchel sogar ein Liebesbekenntnis.
Doch mit der Zeit baute er sukzessive ab, vor allem, als die Saison ihre wichtigste Phase erreichte.
In gleichermaßen frischer wie düsterer Erinnerung dürfte den meisten Bayern-Fans Kims Auftritt im Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen Real Madrid (2:2) vor drei Wochen in der Allianz Arena geblieben sein.
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Min-Jae Kim patzte gegen Real Madrid
Fotocredit: Eurosport
Der Südkoreaner war an gleich beiden Gegentoren durch Vinícus Júnior entscheidend beteiligt, beim zwischenzeitlichen 0:1 ließ Kim sich vom trickreichen Brasilianer aus der Kette ziehen, zudem zeichnete er mit einem Foul an Rodrygo für den Strafstoß zum 2:2 verantwortlich.
"Beim ersten Gegentor darf er die Gegenbewegung nicht mitgehen, das geht nicht", haderte Tuchel im Nachgang.
Er schob nach: "Beim Elfmeter gibt er ohne Not die innere Bahn frei und gibt Rodrygo den Raum. Er steht die ganze Zeit richtig und dann im entscheidenden Moment falsch. Boah, ey. Das ist zu gierig! Wenn das schon passiert, dann bleib auf den Füßen. Klar, das nimmst du dann dankend an. Da waren wir nicht clever genug heute. Er ist zweimal zu gierig."
Es wäre freilich vermessen, Kim aufgrund einer schwachen Partie als Verlierer zu deklarieren. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass der 27-Jährige viel zu inkonstant agierte, um sich nachhaltig bei den Bayern zu empfehlen.
Schon im November befand Rekord-Nationalspieler und "Sky"-Experte Lothar Matthäus: "Kim ist noch nicht so weit, wie man gehofft hatte. Er ist ein Unsicherheitsfaktor für den FC Bayern."
Tuchel sah das irgendwann ganz ähnlich. Nachdem der eigentlich als Notnagel verpflichtete Eric Dier mit guten Leistungen überzeugt hatte, büßte Kim seinen Stammplatz ein.
Joshua Kimmich
Schon im Sommer setzte es für Kimmich den ersten Tuchel-Nackenschlag. Der Trainer sprach dem Nationalspieler die Qualitäten auf dessen Lieblingsposition als Sechser ab.
Kimmich, so Tuchel, sei ein "Stratege, der alles gerne macht und alles kann", aber es sei in seiner "DNA hat ein Sechser zu sein". Kimmichs Antwort einige Tage später: "Ich bin ein Sechser." Das schien Tuchel nicht zu überzeugen, statt Kimmich sein Vertrauen auszusprechen, forderte der Ex-Dortmunder regelmäßig die Verpflichtung eines defensiven Mittelfeldspielers.
Weil der Verein Tuchels Wunsch nicht nach kam, war Kimmich über weite Strecken dennoch auf der Sechs gesetzt. In wichtigen Spielen, zum Beispiel in Leverkusen, saß er jedoch auf der Bank.
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Joshua Kimmich wurde in Bochum ausgewechselt
Fotocredit: Getty Images
Beim blamablen Bayern-Auftritt in Bochum. Beim Stand von 1:2 aus Bayern-Sicht wechselte Tuchel den 29-Jährigen in der 63. Minute aus. Eine Entscheidung, die bei Kimmich auf wenig Gegenliebe stieß.
"Wie könnt Ihr mich rausnehmen", habe er laut "Bild" gerufen, nach Abpfiff geriet der aufgebrachte Kimmich noch heftig mit Co-Trainer Zsolt Löw aneinander. Tuchel spielte den Vorfall zwar herunter, insgesamt stand die Szene aber einigermaßen sinnbildlich. Das Verhältnis zwischen Trainer und Kimmich galt durchweg als belastet.
Nach dem Vorfall in Bochum hatte Kimmich unter Tuchel als Sechser ausgedient, seit Ende Februar kommt er dauerhaft als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Eine Position, die er zwar mannschaftsdienlich annimmt, die aber nicht seiner Wunschvorstellung entspricht.
Zwischenzeitlich machten Meldungen die Runde, wonach Kimmich gar mit einem Wechsel ins Ausland liebäugeln soll. Er wolle bezüglich seiner Zukunft zuerst mit den Bayern reden, machte er in einem Interview mit der "as" deutlich. Für ihn sei der Trainer nicht der ausschlaggebende Punkt, aber dennoch ein wichtiger Aspekt.
"Für mich ist der Verein das Wichtigste, nicht nur der Trainer. Aber natürlich ist es auch wichtig zu wissen, was der Trainer über dich und die Mannschaft denkt", sagte er der spanischen Sportzeitung.
Was Tuchel über ihn denkt, weiß Kimmich bestens.
Leon Goretzka
Goretzkas Formkurve zeigte nach einer mäßigen Phase zuletzt wieder nach oben.
Dennoch baute Tuchel in den wichtigsten Spielen der Saison - gegen Real Madrid - lieber auf andere Spieler. Im Hinspiel berief der Coach den gebürtigen Bochumer zwar in die Startelf, nach nur einer Halbzeit hatte Tuchel aber offenbar genug gesehen.
Zur zweiten Hälfte kam Raphael Guerreiro ins Spiel, eine Woche später verzichtete Tuchel im zweiten Duell gänzlich auf Goretzka. Stattdessen setzte er auf Youngster Aleksandar Pavlovic.
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FC Bayern: Leon Goretzka war restlos bedient
Fotocredit: Imago
"Ich glaube, dass Pavlo sein Selbstvertrauen aus seiner Art zu spielen bezieht. Ab dem ersten Tag, als er von der zweiten Mannschaft zu uns kam, hat er genau gleich gespielt - vom ersten bis zu seinem bisher letzten Training", lobte Tuchel bei "DAZN": "Wir brauchen heute viel Mut, vor allem im zentralen Mittelfeld, das ist genau seine Charakteristik."
Heißt im Umkehrschluss: Goretzka fehlt der Mut aus Tuchels Sicht augenscheinlich. Aktuell erlebt der frühere Schalker nicht die leichteste Zeit seiner Karriere. Nach der Nichtberücksichtigung im Champions-League-Kracher steht Goretzka der nächste Rückschlag, nämlich ein Sommer ohne EM-Teilnahme, bevor.
Ein Tuchel-Verbleib dürfte die Laune nicht zwingend steigern.
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Bayer-Legende Ballack: Darum ist Leverkusen keine Eintagsfliege
Quelle: Perform
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