So ungefähr hatte sich Youssoufa Moukoko das vorgestellt.
Nur eine Minute brauchte das Dortmunder Ausnahmetalent, um nach seiner Einwechslung in der 83. Minute am letzten Bundesligaspieltag gegen Hertha BSC den entscheidenden Treffer zum 2:1 zu erzielen, das Stadion in Ekstase zu versetzen und Hertha in die Relegation zu schicken.
Ein Treffer, dessen befreiende Wirkung der anschließende Jubel eindrucksvoll untermauerte. Mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen drehte Moukoko unter dem Getöse der 80.000 im ausverkauften Signal Iduna Park ab in Richtung Trainerbank, um dort in die Arme eines langjährigen Weggefährten zu springen.
U21-EM 2023 - Quali
Doppelpack von Moukoko: U21 gelingt Revanche gegen Polen
07/06/2022 UM 18:28
"Herr Zorc ist den Weg mit mir seit der U15 gegangen. Als ich das Tor geschossen habe, wollte ich ihm einfach ein Geschenk machen", sagte der U21-Nationalspieler im Anschluss an das Spiel, das den Schlussstrich unter eine für ihn verkorkste Spielzeit zog.
Er habe "natürlich an die vergangene Saison" gedacht, beschrieb Moukoko seine Gefühlswelt während seines Jubellaufs. Verständlich, denn das Selbstverständnis seines Treffers, den er mit dem ersten Ballkontakt erzielte, war in der 2021/22er-Saison ansonsten komplett abhandengekommen.

Ein verlorenes Jahr für Moukoko?

Man muss dennoch vorsichtig sein, wenn man bei Moukoko im Hinblick auf die abgelaufene Spielzeit von einem verlorenen Jahr spricht.
Sicherlich hatte sich der Youngster mehr als 16 Einsätze in der Bundesliga (nur einer von Beginn an), zwei Tore und zwei Assists versprochen. Auf der anderen Seite startete Moukoko auch sein zweites Jahr bei den Profis im zarten Alter von nur 16, wird erst in der Winterpause der kommenden Spielzeit die Volljährigkeit erreichen.
Was also ist überhaupt zu erwarten?
Ist es nicht vielmehr bemerkenswert, in solch jungen Jahren schon vollwertiger Teil eines Klubs wie Borussia Dortmund zu sein? Sollte dieser Fakt nicht bei aller Enttäuschung über begrenzte Spielzeit oder vermeintlich mangelndem Vertrauen der Verantwortlichen überwiegen und den persönlichen Frust in Grenzen halten?

Youssoufa Moukoko wird mit einem Wechsel in Verbindung gebracht

Fotocredit: Imago

Wie auch immer: Das vergangene Jahr hat Spuren hinterlassen. Die Gespräche um eine vorzeitige Verlängerung des 2023 auslaufenden Vertrags stocken jedenfalls seit Monaten. "Es ist kein Selbstgänger, dass Youssoufa beim BVB verlängert", drohte Berater Patrick Williams, früher selbst in Regional- und Oberliga als Spieler tätig, schon Anfang des Jahres gegenüber der "Bild".
"Ja, er ist durch Verletzungen in dieser Saison immer wieder ein bisschen zurückgeworfen worden. Ja, die Konkurrenz beim BVB ist natürlich groß. Aber die Spielzeit, die er in der jetzigen Phase seiner Karriere braucht, bekommt er in Dortmund derzeit kaum. Da machen wir uns natürlich Gedanken, was das Beste für die Zukunft ist", führte Williams damals aus.

Terzic statt Rose: Faustpfand im Buhlen und Moukoko?

Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung beim BVB, verwies damals bereits auf intensive Gespräche zwischen Verein und Profi und versicherte und sprach von weiterhin "hoher Wertschätzung". Moukokos Situation unter Rose veränderte sich jedoch auch in der Rückrunde nicht zum Besseren, das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer galt daher als belastet - folglich nahmen die Abwanderungsgerüchte weiter Fahrt auf.
Dass mit Edin Terzic etwas überraschend ein großer Fürsprecher des Youngsters den Posten des Cheftrainers beim BVB übernommen hat, könnte die Verhandlungen maßgeblich beeinflussen. Unter Terzic gab Moukoko sein Startelf-Debüt in der Bundesliga, durfte auch als Einwechselspieler meist eine gute halbe Stunde auf den Rasen und zahlte das mit drei Treffern in zehn Spielen zurück.

BVB trifft auf die Bremse: "Moukoko braucht Zeit"

Zuletzt zeigte sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gegenüber den "Ruhr Nachrichten" bereits vorsichtig optimistisch. Es gebe eine "ordentliche Chance" auf eine Verlängerung, so der 62-Jährige, die finale Entscheidung werde aber Moukoko selbst treffen.
Der 17-Jährige lässt sich weiterhin nicht in die Karten schauen. "Dazu möchte ich nichts sagen", entgegnete das Juwel kürzlich am Rande der EM-Qualifikationsspiele mit der U21.

Moukoko: Seitenhieb gegen Rose?

Dort präsentierte sich Moukoko in Topform und machte so Werbung in eigener Sache. Beim 4:0-Heimsieg gegen Ungarn eröffnete er den Torreigen, beim 2:1-Auswärtssieg in Polen schnürte er gar einen Doppelpack und ließ anschließend einen Instagram-Post folgen, den einige als Seitenhieb gegen Ex-Trainer Rose werteten.

Youssoufa Moukoko

Fotocredit: Getty Images

Ein Bild, das ihn auf dem Boden kniend in Jubelpose zeigte, versah er mit dem Hashtag #Vertrauenistalles.
Später erklärte das Toptalent gegenüber dem "Kicker": "Meine Rolle ist, Tore zu schießen. Hier bekomme ich das Vertrauen vom Trainer. Er (U21-Coach Antonio Di Salvo, Anm. d. Red.) hat mir von Anfang an mitgeteilt: 'Ich setze auf dich.' Das hat mir enorm Selbstvertrauen gegeben."
Insgesamt sechs Tore in vier Spielen in der U21 zeugen in der Tat von gesteigertem Selbstvertrauen und erinnern an Quoten, wie sie Moukoko in allen Altersklassen der BVB-Junioren durchgehend auflegte.

Moukoko: Größere Rolle in Dortmund?

Dass diese Quoten auch in der Bundesliga möglich sind, muss der Youngster erst noch beweisen.
Mit Erling Haaland (Manchester City) und Steffen Tigges (1. FC Köln) haben die zwei einzigen echten Mittelstürmer den Verein im Sommer verlassen. Der Weg zu einer Hauptrolle im Sturmzentrum ist also frei, auch wenn der BVB auf der Neunerposition noch einmal nachlegen will und wird.
Sasa Kalajdzic und Sébastien Haller gelten als Topfavoriten auf den Job des Haaland-Nachfolgers - die Rolle des Backups/Herausforderers könnte dann Moukoko gehören.
Zwar können sowohl Donyell Malen als auch Neuzugang Karim Adeyemi oder Kapitän Marco Reus im Sturmzentrum spielen, alle drei haben ihre Stärken jedoch auf anderen Positionen.
Moukoko dürfte unter Terzic einen Vertrauensvorschuss haben, den es aber zurückzuzahlen gilt.
Die Vorzeichen stimmen, die Tür für den nächsten Schritt ist weit offen: Moukoko muss sich "nur" noch entscheiden, hindurchzugehen.
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