Drei Dinge, die bei Leverkusen gegen den FC Bayern auffielen: Der FCB hat ein Audio-Problem

Der FC Bayern München verliert bei Bayer Leverkusen Spiel (1:2) und Tabellenführung. Zwei kuriose Elfmeterentscheidungen kosten die Gäste verdient drei Punkte. Trainer Julian Nagelsmann dringt mit seinen taktischen Umstellungen nicht bis zu seinen Spielern vor und muss sich so vom Trainer-Novizen Xabi Alonso übertrumpfen lassen. Drei Dinge, die uns im Top-Spiel am Sonntag auffielen.

Nagelsmann bedient aber einsichtig: "Haben verdient verloren"

Quelle: Perform

Oliver Kahn rutschte mit wachsender Verzweiflung in seinem VIP-Sitz hin und her, Julian Nagelsmann schlug sich nach dem Abpfiff wütend mit der Hand gegen die Stirn - zum Entsetzen der Bosse hat der FC Bayern München im Titelrennen auf kuriose Weise gepatzt und ist ausgerechnet vor dem Ligagipfel krachend von der Tabellenspitze gestürzt.
Der Dauermeister verlor am Sonntag 1:2 (1:0) bei Bayer Leverkusen, gab eine Führung aus der Hand und liegt vor dem Spitzenspiel in zwei Wochen einen Punkt hinter Borussia Dortmund. Und plötzlich sind die Bayern Jäger. "Wir müssen auf jeden Fall gewinnen, sonst wird es schwierig, die Meisterschaft zu holen", sagte Trainer Nagelsmann.
"Leverkusen hat das sehr gut gemacht, sie waren giftig und unangenehm", stellte Thomas Müller bei "DAZN" mit grimmiger Miene fest: "Diese Niederlage ist leider verdient. Der FC Bayern steht nicht dort, wo er eigentlich stehen soll."
Drei Dinge, die in Leverkusen auffielen.

1.) Elfmeter-Durcheinander im Doppelpack

Die Leverkusener Elfmeter-Saga in dieser Saison war schon vor diesem Wochenende überaus reichhaltig: Bevor sie Ende Februar mit einer starken Strafstoß-Serie in Monaco das Ticket für das Achtelfinale in der Europa League lösten, hatten die Rheinländer sieben von acht Elfmetern verschossen.
Beim Besuch der Bayern folgte nun ein neues, spezielles Kapitel. In der 55. Minute unterstellte Referee Tobias Stieler Bayer-Angreifer Amine Adli zunächst eine Schwalbe, musste sein Urteil nach einem Hinweis des VAR aber revidieren: Benjamin Pavard war Adli hinten in die Hacken gelaufen.
Die Verwarnung gegen den Leverkusener wurde gestrichen, der fällige Elfmeter verhängt. So weit, so wirr – richtig bizarr wurde es aber, als sich das Schauspiel eine Viertelstunde später beinahe haargenau wiederholte.
Wieder zückte Stieler nach einem vermeintlich absichtlichen Sturz von Adli Gelb. Und erneut pfiff der VAR den Unparteiischen zurück. Diesmal lag ein strafbares Foulspiel von Dayot Upamecano vor: Wieder musste Stieler die Verwarnung gegen Adli einkassieren, und Palacios setzte auch seinen zweiten Elfmeter scharf und platziert ins linke Eck.
Und das alles mit dem Segen von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann, der zu dem wilden VAR-Doppel meinte: "Das war bitter heute, aber fair."

2.) Bayern hat ein Audio-Problem

Gerade mal fünf Minuten waren in der BayArena gespielt, da dämmerte Nagelsmann bereits, dass da einiges schief lief in der Münchner Defensive.
Der Bayern-Trainer zitierte Innenverteidiger Matthijs de Ligt zu sich, kurz darauf nahm er gegen furios startende Leverkusener eine taktische Umstellung vor: Viererkette statt Dreierkette, Winterneuzugang João Cancelo sollte eigentlich hochrutschen und einen "rechten Zehner" (Nagelsmann) geben.
Eine Rolle, in der er hätte "höher verteidigen müssen", wie der Übungsleiter später hinzufügte. Doch Cancelo verstand die Umstellung nicht, die Nachricht kam nicht richtig an.
Stattdessen füllte Leroy Sané eigenmächtig die Lücke auf rechts. "Aber so", seufzte Nagelsmann, "hatten wir auf der Sechser-Kontrolle gar keinen Spieler mehr. Dann war es relativ simpel, unser Pressing auszuspielen." Teilweise herrschte richtiggehend Chaos bei den Bayern. Der hohe Lärmpegel in der BayArena tat sein Übriges.
"Wir haben zu lange gebraucht, das umzusetzen. Wir hatten keine ruhige Minute, in der wir uns mal besprechen konnten", berichtete Angreifer Thomas Müller, der in der Halbzeit in der Kabine bleiben musste.
Wegen der Konfusion im Münchner Spiel nahm Nagelsmann zur Halbzeit gleich drei Akteure raus: Neben Cancelo und Müller auch den unsichtbaren Sadio Mané. Mit den neuen Offensivkräften Serge Gnabry, Kingsley Coman und Jamal Musiala gewann das Bayern-Spiel aber auch nicht an Statik - stattdessen drehte Bayer in Halbzeit zwei verdient das Ergebnis.

3.) Xabi Alonso düpiert die Ex

Als Xabi Alonso 20 Minuten vor dem Anpfiff sein TV-Interview beendet hatte, führte ihn sein Weg schnurstracks zur Bayern-Bank. In seinen drei Jahren bei den Münchnern zwischen 2014 und 2017 hatte der gebürtige Baske jeweils die Deutsche Meisterschaft und einmal den Pokal gewonnen.
Auf dem Weg in die Kabine klatschte Alonso nun den versammelten FCB-Staff ab und herzte auf dem Weg in die Kabine auch noch rasch den Kollegen Nagelsmann, ehe er seinen Ex-Klub mit der dritten Saisonpleite nach Hause schickte.
"Ich habe mir sehr viel überlegt", berichtete Alonso später über gedankliche Höchstarbeit vor der Partie – die unter anderem dazu führte, dass er den defensiven Mittelfeldspieler Robert Andrich quasi als Innenverteidiger auflaufen ließ. Ein Schachzug, der voll aufging.
Nur drei Tage nach dem Europacup-Spiel gegen Ferencvaros (2:0) wirkte Bayer trotz höherer Belastung im Vergleich zu den unter der Woche spielfreien Bayern frischer, agiler, willensstärker und verdienten sich den Sieg durch einen leidenschaftlichen Auftritt.
Fünf Siege in Serie haben die Rheinländer unter dem Taktik-Fuchs aus Spanien zuletzt eingefahren, stehen im Viertelfinale der Europa League und sind nach dem miserablen Saisonstart in der Liga nur noch drei Punkte von den internationalen Plätzen entfernt.
"Leverkusen hat", betonte Bayer-Coach Nagelsmann daher wenig überraschend, "eine gute Mannschaft. Und sie haben einen guten Trainer." Einer, der ihn diesmal auch in Sachen Taktik übertrumpfte.
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Alonso nach Sieg über FC Bayern: "War unglaublich für uns"

Quelle: Perform

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