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Fan-Blog zum Trainerbeben um Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel: Der FC Bayern fällt in alte Muster zurück
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Publiziert 25/03/2023 um 14:36 GMT+1 Uhr
Das Aus von Julian Nagelsmann als Trainer beim FC Bayern München kam ganz überraschend. Genau so wie die schnelle Verkündung des Nachfolgers Thomas Tuchel. Bei den Fans kam die Personalentscheidung der Bayern-Bosse geteilt an. Die einen sahen das Aus als logische Konsequenz, die anderen verstanden die Welt nicht mehr. Vor allem aber die Art und Weise der Freistellung traf auf Unverständnis.
FC Bayern: Oliver Kahn (li.) mit Julian Nagelsmann (re.)
Fotocredit: Getty Images
Ein Fan-Blog von Steffen Meyer
Es war ein chaotischer Freitag. Seit einem halben Tag diskutierte die halbe Welt die Freistellung von Julian Nagelsmann als Bayern-Trainer und die Entscheidung für Thomas Tuchel als Nachfolger. Erst am Nachmittag bestätigte der Club in einer offiziellen Pressemitteilung den Wechsel.
Garniert mit recht dünnen Worten zu fehlendem Vertrauen in eine sportliche Entwicklung unter Nagelsmann. Der FC Bayern, der seit einiger Zeit viel Wert darauf legt Personalentscheidungen seriös und im Stillen vorzubereiten, stand ziemlich blank da. Die Deutungshoheit hatten die Bayern-Bosse längst verloren. Es war ein Rückfall in alte Zeiten.
FC Hollywood und Grundgesetz-PK lassen grüßen.
Die Bayern-Fans spalteten sich am Freitag in zwei Lager. In diejenigen, die seit einiger Zeit Nagelsmann als Ursache für die fehlende Konstanz der Mannschaft auf dem Platz ausgemacht haben. Und in jene, die aus allen Wolken fielen und den plötzlichen Trainerwechsel nicht verstehen können. Ich zähle eindeutig zum zweiten Lager. Das liegt weniger an Thomas Tuchel. Ein Weltklasse-Coach, der seit Jahren bei Bayern im Gespräch war und dem sicherlich zuzutrauen ist, der Mannschaft neue Impulse zu geben.
Plan, welcher Plan?
Es ist der fehlende Plan der Bayern-Führung, der mich stört. Der FC Bayern kann im europäischen Fußball dauerhaft nicht allein mit Geld konkurrieren. Es gibt Konkurrenten, die sind finanziell so weit enteilt oder zumindest ohne Restriktionen, dass viele Spieler für den FC Bayern nicht mehr wirklich infrage kommen, ohne das eigene Gehaltsgefüge völlig zu sprengen.
Der FC Bayern muss deshalb andere Wege finden, um erfolgreich zu sein. Einen eigenen Weg gehen. Sicher auch mit teuren Stars, aber zudem mit einem Umfeld und einer Idee, die Spieler anzieht.
Es war deshalb ein mutiger und guter Schritt, dass der FC Bayern mit Julian Nagelsmann im Jahr 2021 sehr bewusst einen jungen Trainer sehr bewusst mit einem langjährigen Vertrag ausstattete. Der FC Bayern hatte seit Guardiola sechs Trainer in sieben Jahren. Das ist nicht ganz der HSV, aber nicht mehr weit weg. Der Entschluss für Nagelsmann war auch ein Signal, die Fluktuation in Zukunft zu verringern. Eine Ära zu prägen war das ausgesprochene Ziel.
Nagelsmann-Probleme absehbar
Es war klar, dass der junge Coach bei seinem ersten echten Topverein große Entwicklungsschritte vor sich hatte. Er hat noch nie mit Weltstars gearbeitet. Er hat keine großen Titel gewonnen, die natürliche Autorität ausstrahlen. Aber er ist ein guter Trainer. Einer, der wie gegen PSG eine besondere Idee entwickeln kann, die eine Mannschaft gegen Weltstars wie Messi und Mbappé zu klaren Siegen führt.
Es war zu erwarten und auch schon bei seiner Ankunft thematisiert worden, dass Nagelsmann zuvor vor allem mit jungen entwicklungsfähigen Spielern Erfolg hatte. Eine Mannschaft von Weltstars zu trainieren ist eine andere Sportart. All das wusste man und hätte es einpreisen müssen.
Nun heißt es, Nagelsmann sei an der Kabine gescheitert. Ähnliches hörte man zuvor bereits bei Carlo Ancelotti und Niko Kovac. Doch diese beiden Coaches hatten vor allem sportlich riesige Probleme. Die Mannschaft wurde sichtbar schwächer, ausrechenbarer. Das kann man über Nagelsmanns Zeit in München nun nicht wirklich sagen.
Was fehlte, ist die Konstanz. Das lag weniger an der Taktik, sondern auch immer wieder an Blackouts von einzelnen Spielern wie gegen Mönchengladbach, als der FC Bayern schon nach wenigen Minuten zu zehnt agieren musste.
Und was wäre eigentlich gewesen, wenn der FC Bayern am vergangenen Wochenende nicht ein sehr gewinnbares Spiel gegen Leverkusen verloren hätte? Hätte man Nagelsmann auch an Tabellenplatz eins entlassen, nur weil man Sorge hatte, dass sich die Chance auf Thomas Tuchel vielleicht bald erledigt?
Kommunikation des FC Bayern unterirdisch
Erklärt hat all das bisher niemand wirklich schlüssig. Im Gegenteil. Präsident Herbert Hainer lobte Nagelsmann noch vor wenigen Tagen im "Kicker" über den grünen Klee: "Wir planen mit ihm langfristig, haben das mit einem Fünf-Jahres-Vertrag dokumentiert, weil wir mit ihm etwas aufbauen wollen. Man erkennt einen deutlichen Fortschritt in diesen eineinhalb Jahren. Julian macht es sehr gut."
Nimmt man ihn beim Wort, hätte man die Schwierigkeiten in der Bundesliga, die manchmal überhebliche Außendarstellung von Nagelsmann oder ein Problem mit unzufriedenen Ersatzspielern locker wegmoderieren können.
Nun sollte man natürlich nicht immer zu 100 Prozent ernst nehmen, was Vereinsverantwortliche öffentlich sagen, aber das Bild, das entsteht, ist das Gegenteil von Strategie, Plan und Überzeugung. Es wirkt wieder erratisch beim FC Bayern. Die Teile passen nicht zusammen. Die Argumentation hat Lücken. Steht nun der Aufbau einer langfristigen Spielidee im Mittelpunkt oder der ganz kurzfristige Erfolg in der Liga? Soll ein Umbruch organisiert oder vor allem die Stars bei Laune gehalten werden?
Viele Fans dieses Vereins sind deutlich weniger anspruchsvoll, als es manchmal den Eindruck macht. Man würde einfach gerne verstehen, wo es hingehen soll. An diesen verrückten Tagen zwischen Nagelsmann und Tuchel scheint das unklarer denn je. Der FC Bayern fällt in alte Muster zurück. Das kann am Ende erfolgreich sein. Aber nachvollziehbar ist all das nicht.
Über den Autor Steffen Meyer
Seit mehr als zehn Jahren analysiert Bayern-Fan Steffen Meyer als freier Autor, Blogger und Podcaster Spiele, Transfers, Gerüchte und Hintergründe rund um den FC Bayern München. Als Gründungsmitglied des FC Bayern Blogs "Miasanrot.de" erhielt Meyer mit seinen Mitautoren in der Vergangenheit unter anderem den Goldenen Blogger Award für den Sportblog des Jahres und trat in zahlreichen Formaten (u.a. Web.de, Amazon Prime, Rasenfunk, Focus, Eurosport) als Experte auf.
Auf Twitter ist Steffen Meyer unter @derbayernblog zu finden.
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Quelle: Perform
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