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FC Bayern - Kommentar: Die Krise des Thomas Müller - eine Fußball-Legende am Scheideweg
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Publiziert 20/03/2023 um 11:14 GMT+1 Uhr
Wenige Tage nach seiner erneuten Ausbootung in der Nationalmannschaft musste Thomas Müller einen weiteren Dämpfer hinnehmen. Beim 1:2 des FC Bayern in Leverkusen machte Müller keine Müller-Dinge. Im Gegenteil: Der 33-Jährige wirkte wie in Fremdkörper in jener Mannschaft, in der er seit 15 Jahren spielt. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath über eine Fußball-Legende am Scheideweg.
Nagelsmann bedient aber einsichtig: "Haben verdient verloren"
Quelle: Perform
Liebe FußballfreundInnen,
Thomas Müller ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball, da sind wir uns einig. Aber vielleicht muss man sagen: er war es. Mit elf Deutschen Meistertiteln, als Champions League-Sieger und Weltmeister der erfolgreichste deutsche Kicker seiner Generation.
Mit seinem Schalk und seinem Schmäh ein Karl Valentin des Fußballs, der bestverdienende Werbeträger des Business mit zahlreichen Sponsorenverträgen, Liebling der Massen und der Medien und immer Anführer und Leader seiner Teams.
Dort wo Müller war, da war oben, so war das vom Gefühl her in den letzten zehn Jahren, aber so wird es nicht mehr sein, das kann schon mal prophezeien, auch ohne Wahrsager-Diplom. In der Lektüre des gestrigen Spiels der Bayern in Leverkusen findet man ausreichend Indizien dafür, dass der 33-Jährige allein nicht mehr die Lösung ist.
Gegen Leverkusen war der Bayern-Kapitän im Doppelsturm mit Sadio Mané ein Ausfall. Man könnte "unglücklich" sagen, so wie die "Abendzeitung" schrieb und ihm die Note 5 gab, aber das trifft es nicht. Unglücklich ist man, wenn einen die Freundin verlässt, nicht wenn man die Laufwege nicht findet, das Tempo aus dem eigenen Spiel nimmt, es statisch macht.
Die Auswechslung zur Halbzeit folgerichtig. Der Leader Müller wirkte wie ein Fremdkörper in der Mannschaft, in der er seit 15 Jahren spielt. Dazu passt, dass er nach dem Spiel in seiner flockigen Art vor allem die Kunst des Gegners pries, ihn selbst gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Leverkusen war "einfach galliger", merkte Müller an.
Dabei ist "gallig" das typische Adjektiv eines perfekten Müller-Spiels. Die Rheinländer haben ihn in seinem eigenen Feld geschlagen.
Müller ist kein Medium für Erfolg mehr
Es drängt sich die bittere Erkenntnis auf, dass der Kapitän nicht mehr als Medium, als Sehnsuchtsspiegel taugt für die ganz großen Fußballerfolge. Nicht bei den Bayern und schon gar nicht bei der Nationalmannschaft. Als Ex-Bundestrainer Jogi Löw Müller im Mai 2021 nach gut zweijähriger Pause in die DFB-Auswahl zurückholte, war damit für die Öffentlichkeit ein Erfolgsversprechen verbunden, das sich danach nicht einlöste.
Die peinlichen Auftritte bei der EM 2021 (Achtelfinale) und der Weltmeisterschaft 2022 (Vorrundenaus) konnte der erste Hierarch der deutschen Elf nicht nur nicht verhindern, sein Leadership war auf und abseits des Feldes nicht zu sehen. Und selbst in der Debatte um die "One Love"-Binde spielte Müller keine Rolle. Er wirkte kleinlaut und farblos in und außerhalb des Spiels.
In Zukunft nur noch Notnagel?
Dass er nach dem Ausscheiden in Katar via TV-Interview seinen Abschied vom DFB andeutete, es dann aber nicht so gemeint haben wollte, verwirrte nicht nur Fans, sondern beschädigte auch seinen Nimbus als Charakterkopf der Mannschaft. Wie sehr zeigte sich diese Woche, als der neue Bundestrainer seinen Kader für den Neuaufbau bekannt gab und Müller fehlte.
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Thomas Müller und Bayern-Trainer Julian Nagelsmann
Fotocredit: Getty Images
Ein Leader, der erst mal nicht nominiert wird, ist ein verzichtbarer Leader. Offenbar will Flick den Fehler kein zweites Mal machen, um Müller herum eine neue Mannschaft zu entwickeln, die womöglich wieder nicht funktioniert. Sollte Müller bei der Euromeisterschaft 2024 im Kader stehen, dann nur, weil der Aufbau nicht geklappt hat. Also als Notnagel, anders ist seine aktuelle Nichtberücksichtigung nicht zu deuten.
Müller ist am Zenit seines Schaffens angelangt
Thomas Müller ist, so wirkt es in diesen Tagen, am Zenit seines Schaffens angelangt und vermutlich längst darüber hinaus. Dass er dennoch keinen klaren Schnitt machen will beim DFB, so wie etwa Toni Kroos, der als Nicht-Nationalspieler mal eben noch mal die Champions League gewann, dass er sich alle Türen offen halten will, dass er offenbar seiner eigenen Hybris auf den Leim geht, ohne ihn ginge es nicht, beschädigt ihn mehr und mehr.
Als Müller von Flick diese Woche nicht nominiert wurde, stellten mehrere Zeitungen die These auf, die DFB-Abfuhr könne ein "Segen" sein für die Bayern. Das Leverkusen-Spiel zeigte deutlich: der Haussegen über ihn hängt schief.
Zur Person: Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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