FC Bayern München: Manuel Neuer erleidet Schienbeinbruch - fünf Fragen und Antworten zum Verletzungsschock
Manuel Neuer bringt sich mit einem Freizeitunfall beim Skitourengehen um die restliche Saison beim FC Bayern München. Der Verein muss sich nun kurzfristig fragen, ob potenter Ersatz vonnöten ist und mittelfristig, ob man dem 37-Jährigen überhaupt noch zutraut, nach einem Schienbeinbruch wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Neuer-Schock.
Manuel Neuer spielt seit 2011 für den FC Bayern München
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Manuel Neuer wollte nach der verpatzten WM mit der deutschen Nationalmannschaft eigentlich nur "den Kopf freibekommen" - und landete im Krankenhaus.
Der Torwart des FC Bayern München zog sich am Freitag bei einem Ski-Unfall einen Schienbeinbruch zu und fällt mindestens bis Saison-Ende aus - ein Schock für den 36-Jährigen und seinen Klub.
Die Bayern müssen sich nun Gedanken machen, wie sich die Neuer-Verletzung auf die Triple-Chancen auswirken und ob gegebenenfalls Ersatz verpflichtet werden muss.
Neuer wiederum sieht einem langwierigen Reha-Prozess entgegen, verbunden mit der quälenden Frage - kommt er noch einmal zurück zu alter Stärke?
Die wichtigsten Fragen zum Neuer-Schock.
1.) Was genau ist Neuer eigentlich passiert?
Manuel Neuer hatte sich am Freitag bei knapp elf Zentimetern Neuschnee zu einer Skitour nahe seines Wohnorts aufgemacht und war dabei verunglückt. Neuer wollte mit Begleitern im Mangfallgebirge zwischen Schliersee und Rottach-Egern auf den Roßkopf (1580 Meter) hochsteigen und dann die Grünseeabfahrt in die Valepp nehmen - dort hatte Neuer vor Kurzem mit einem Geschäftspartner das "Forsthaus Valepp" übernommen.
Beim Aufstieg ging offenbar alles glatt, die Abfahrt jedoch kann nicht lange gedauert haben; nach "Bild"- und "Merkur"-Informationen stürzte Neuer am steilen, schneearmen sowie vereisten Südhang auf knapp 1400 Metern Höhe und zog sich so den Schienbeinbruch zu - eine Verletzung, die eine Hubschrauberrettung notwendig machte.
Lorenz Haberle von der Bergwacht Schliersee sagte zur "Bild": "Man kann immer Skitouren gehen. Aber man muss sich über das Gelände im Klaren sein. Es gibt grundsätzlich viele Kriterien, die man vorher abklären sollte. Er war auch nicht der erste Verletzte in der Woche."
Neuer wurde direkt in die BG Unfallklinik Murnau geflogen, dort wurde seine Schaftfraktur am rechten Schienbein von Sprunggelenk-Spezialist Dr. Johannes Gabel operiert. Dabei wurde ihm ein sogenannter Marknagel ins Schienbein geschlagen, um den Bruch zu stabilisieren. An der Bruchstelle wurde die Verletzung verschraubt. Das Metall bleibt voraussichtlich bis Neuers Karriereende im Bein.
Am Samstag informierte Neuer seine Fans dann über die Sozialen Medien. "Während ich meinen Kopf beim Skitourengehen freibekommen wollte, habe ich mir einen Unterschenkelbruch zugezogen", schrieb der 36-Jährige: Es schmerze "zu wissen, dass die aktuelle Saison für mich beendet ist". Erst danach verfasste auch der FC Bayern München eine Meldung.
2.) Wie reagieren die Bayern?
Zunächst mal bestürzt. "Die Nachricht von Manuels Verletzung hat uns alle schockiert", sagte Vorstandsboss Oliver Kahn, der am Freitag bei der WM in Katar weilte. "Dass Manuel so einen Unfall hatte, ist fürchterlich, und natürlich sind alle unsere Gedanken bei ihm", ergänzte Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic.
Die sportliche Führung der Bayern drückte allerdings auch ihre Zuversicht aus, dass Neuer zur neuen Saison wieder in gewohnter Form zur Verfügung stehe. "Wir werden ihm zur Seite stehen und ihn auf seinem Weg zu seinem Comeback begleiten. Er wird auch diese schwere Verletzung meistern und so stark wie zuvor auf den Platz zurückkehren", glaubt Kahn.
"Manuel wird jede Unterstützung erhalten", sagte Salihamidzic: "Er ist eine starke Persönlichkeit und wird zurückkommen. Ich wünsche ihm alles Gute, er kann sich auf den FC Bayern verlassen!"
Auch Bundestrainer Hansi Flick meldete sich: "Wir sind froh, dass die Operation gut verlaufen ist und wünschen Manu eine gute und schnelle Genesung. Das ist aktuell das Wichtigste."
Rechtliche Konsequenzen muss Neuer indes wohl nicht fürchten - egal wie fahrlässig er sich möglicherweise mit seinem risikohaften Ski-Ausflug verhalten hat. Eine entsprechende Klausel, die ihm solche Aktivitäten verbiete, gibt es im Vertragswerk nicht.
"Das wäre auch ein viel zu großer Eingriff ins Privatleben der Fußballprofis", erklärte der ehemalige Technische Direktor des FC Bayern, Michael Reschke, gegenüber "ran.de": "Wenn man Manuel Neuer jetzt als Beispiel nimmt, der seit seinem 18. Lebensjahr Profi ist, hätte man ihm bis zum heutigen Tag knapp 20 Jahre lang das Ski fahren verbieten müssen. Sowas geht in der heutigen Zeit nicht mehr. Jeder Profi ist da eigenverantwortlich gefragt."
Allerdings wird Profis nahegelegt, gefährliche Sportarten zu meiden. "Wir durften das am Ende zwar selbst entscheiden, aber der Verein hat uns immer davon abgeraten, solche Risikosportarten in unserer Freizeit auszuüben", erklärte Eurosport-Expertin Navina Omilade, die mit Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg die Champions League gewann: "Insofern war ich überrascht, dass er in einer solchen Phase auf die Piste gegangen ist. Im Nachhinein betrachtet ist das sehr unglücklich gelaufen."
3.) Droht Neuer das Karriere-Ende?
Aktuell nicht abzusehen. Prinzipiell ist eine Rückkehr zum Leistungssport mit einer vollständig ausgeheilten Unterschenkelfraktur gut möglich. Neuer wird im März allerdings schon 37.
Zuletzt häuften sich bei ihm die Verletzungen: Verpasste er zwischen 2011 und 2016 nicht mal zehn Spiele verletzungsbedingt, waren es in den letzten sechs Jahren 84 Partien - die ausstehenden mindestens 22 Spiele der Rückrunde noch nicht eingerechnet.
Insgesamt drei Mittelfußbrüche, eine Daumenverletzung, mehrere Kapselverletzung, eine Knie-Operation sowie zuletzt eine Schultereckgelenkssprengung haben Spuren hinterlassen. Dazu kam nun auch noch eine (frühzeitig entdeckte) Hautkrebserkrankung.
Nun steht für den Torwart erstmal ein langer Reha-Prozess an, bevor er zur neuen Saison wieder im Tor stehen will. "Es wird bis zu zwölf Wochen dauern, bis der Knochen fest ist, um von einer Teilbelastung auf eine Vollbelastung wie Lauftraining zu gehen. Vorher ist schon Wassertraining oder Fahrradfahren möglich", erklärte der Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla in der "Bild".
Stand jetzt würde Neuer auch gerne die Heim-EM 2024 spielen. Geht es nach ihm, würde er sogar gerne erst 2026 aufhören. Erstmal muss sich Bundestrainer Flick für die nächsten Länderspiele aber auf einen anderen Torhüter - vermutlich Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) - verlassen. Neuers Ausfall sei "auf jeden Fall eine Riesenchance für die Konkurrenz", meinte Eurosport-Expertin Navina Omilade.
"Wir können froh und stolz sein, dass wir ihn im deutschen Tor haben und hatten", sagte Stefan Effenberg am Sonntag im "Sport1-Doppelpass": "Er hat das Torwartspiel revolutioniert, den Fußball verändert und auch Zeichen gesetzt. Aber: Er hatte aber auch viele Verletzungen in der Vergangenheit, und da in diesem Alter immer wieder zurückzukommen, das ist nicht einfach."
4.) Wer ersetzt Neuer bei Bayern?
Zunächst mal steht Sven Ulreich bereit. Der 34-Jährige hatte Neuer schon in der Vergangenheit vertreten - so machte er zum Beispiel in der Saison 2017/18 gleich 47 Pflichtspiele für die Bayern, als Neuer wegen zweier Mittelfußbrüche fast ein Jahr außer Gefecht gesetzt war. In der Folgesaison waren es nochmal zwölf Spiele, als Neuer eine Fingerverletzung, Wadenprobleme und schließlich einen Muskelfaserriss auskurieren musste.
Ulreich spielte damals so gut, dass er sogar im Sommer 2019 für die deutsche Nationalmannschaft berufen wurde, in der EM-Qualifikation aber ohne Einsatz blieb. Den Bayern-Fans in Erinnerung blieb aber auch sein folgenschwerer Patzer aus dem Champions-League-Halbfinale 2017/18, als er in Koproduktion mit Corentin Tolisso auswärts bei Real Madrid Karim Benzema das Tor zum 2:1 ermöglichte (Endstand 2:2, Bayern schied nach dem 1:2 im Hinspiel aus).
Hinter Ulreich wird's dann aber dünn: Nachdem Ron-Thorben Hoffmann (23, Eintracht Braunschweig) und Christian Früchtl (22, Austria Wien) den Klub im Sommer verlassen haben, steht mit Johannes Schenk (19) nur noch ein Torwart mit Regionalliga-Erfahrung zur Verfügung. Die U23-Keeper Lukas Schneller (21) und Manuel Kainz (20) fallen schon seit mehreren Monaten aus.
Schon allein deshalb ist es gut möglich, dass Bayern im Winter einen weiteren Torhüter dazu holt.
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Sven Ulreich verlängert beim FC Bayern
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5.) Wen könnte Bayern als neuen Torwart holen?
Die naheliegendste Lösung wäre Alexander Nübel (26), der aktuell bis kommenden Sommer an die AS Monaco ausgeliehen ist. Die Sache hat allerdings zwei Haken: Erstens müsste man Monaco überzeugen, den Leihvertrag mitten in der Saison aufzulösen, die AS bräuchte dann ihrerseits schnell eine neue Nummer eins.
Zweitens hat Nübel bereits mehrfach betont, nicht wieder hinter Neuer auf der Bank sitzen zu wollen ("Auf keinen Fall kommt für mich infrage, dass ich zurückkomme, wenn Manu noch da ist. Das mache ich sicher nicht, das kann ich ausschließen") - das wäre dann aber die Perspektive für die kommende Saison.
Auch für andere Keeper, die Bayern ins Visier nehmen könnte, bleibt Neuer die große Ungewisse. Das Standing des Torhüters beim FC Bayern ist immerhin so groß, dass er sich bei entsprechender Fitness keinem Zweikampf stellen muss oder zumindest bisher nie musste.
Der Ex-Bayern-Verantwortliche Michael Reschke sah im Gespräch mit "ran.de" in einer Nübel-Rückkehr allerdings "die logische Entscheidung. Alex selbst wird bereit sein, wenn klar ist, dass er in der Rückrunde die Nummer eins sein wird. Für AS Monaco könnte dies ein Thema sein, wenn es eine sinnvolle wirtschaftliche Lösung gibt und der Klub seinerseits eine passende Lösung im Tor hat."
Als Kandidaten, die Bayern holen könnte, werden einige WM-Keeper diskutiert: Yann Sommer (33, Schweiz) steht bei Borussia Mönchengladbach nur noch bis Sommer unter Vertrag, Keylor Navas (35, Costa Rica) ist bei Paris Saint-Germain nur Dauerreservist. Dominik Livakovic (27, Kroatien) machte in Katar mit seinen Elfmeterparaden auf sich aufmerksam, steht aber noch bis 2024 bei Dinamo Zagreb unter Vertrag.
Teamkollege Mislav Orsic meinte schon gegenüber "Gol": "Ich werde sicher bei Dinamo bleiben, aber Livakovic werden wir verkaufen. Wenn wir ihn jetzt nicht verkaufen, dann nie."
Die "große" Lösung, sich also jetzt schon für einen legitimen Neuer-Nachfolger zu entscheiden, scheuen die Bayern aber aktuell noch.
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