Drei Dinge, die bei Hertha gegen Bayern auffielen: Choupo-Moting bringt Boateng zur Verzweiflung

Der FC Bayern München hat seine Erfolgsserie fortgesetzt und mit dem 3:2 bei Hertha BSC das siebte Pflichtspiel in Folge gewonnen. Der Rekordmeister musste allerdings nach zwei schnellen Gegentreffern vor der Pause um den Triumph zittern. Der Matchplan der Hertha wäre womöglich aufgegangen, würde Eric Maxim Choupo-Moting nicht gefühlt aus allen Situationen treffen. Drei Dinge, die auffielen.

"Der Beste der Welt": Neuer-Comeback verzückt Nagelsmann

Quelle: Perform

Aus dem Berliner Olympiastadion berichtet Oliver Jensen
Turbulente acht Minuten spielten sich zum Ende der ersten Halbzeit ab.
Nachdem der FC Bayern München durch den Führungstreffer von Jamal Musiala (12.) und den Doppelpack von Eric Maxim Choupo-Moting (37., 38.) mit 3:0 in Führung gegangen war, drehte Hertha BSC auf.
Erst traf Dodi Lukebakio in der 40. Minute zum 1:3, dann legte Davie Selke per Foulelfmeter (45.) mit dem 2:3 nach. Es roch nach Aufholjagd, nach Überraschung, nach dem Meister-Sturz.
In der zweiten Halbzeit aber hielt Manuel Neuer seinen Kasten sauber, der FC Bayern kämpfte und zitterte sich zum Sieg - und zumindest vorübergehend auf Tabellenplatz eins.
Drei Dinge, die auffielen.

Choupo-Moting mit Glück, gesundem Geist und gesunden Körper

Als Hertha-Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng kurz nach Abpfiff in der Mixed Zone stand und auf den Fernseher blickte, war er kurzzeitig fassungslos. "Oh mein Gott, wie macht er den denn? Bei dem klappt aber auch alles, leck mich am Arsch, ey", brach es aus dem Routinier heraus.
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FC Bayern: Jubel bei Musiala und Choupo-Moting

Fotocredit: Imago

Was er auf dem Bildschirm gerade gesehen hatte, war das 3:0 durch Choupo-Moting. Es war ein Treffer der verrückteren Art. Oder besser gesagt: Es war ein Tor, das nur einem Stürmer gelingt, der gerade einen Lauf hat. Der 33-Jährige grätschte den Ball aus kurzer Distanz in das Tor, ohne das runde Leder wirklich zu treffen. Genau genommen verfehlte er die Kugel sogar mit dem rechten Fuß, rutschte dafür aber mit dem linken Schienbein irgendwie noch in den Ball hinein, sodass dieser ins Tor gelangte. "Das Tor war wirklich skurril", sagt auch Trainer Julian Nagelsmann. Nur eine Minute zuvor hatte er ebenfalls getroffen, weil er (um es vereinfacht auszudrücken) einfach richtig stand.
Die Erfolgsserie des Stürmers wird langsam unheimlich: In den vergangenen sieben Pflichtspielen gelangen ihm neun Tore. "Unheimlich wird es mir nicht, ich freue mich nur", sagte Nagelsmann und lobte: "Er ist wichtig für uns als Zielspieler. Es war vorher klar, dass er Qualität hat. Er hatte aber lange gefehlt mit Corona, dem Afrika-Cup, Rückenproblemen und muskulären Verletzungen. In diesem Jahr ist er gesund. Und wenn er fit ist, wissen wir um seine außergewöhnliche Qualität. Das ist nicht überraschend, sondern die logische Konsequenz aus einem gesunden Geist und einem gesunden Körper."

Hertha irritiert den FC Bayern mit tiefen Bällen

Hertha BSC stellte den Rekordmeister vor echte Probleme und wusste die Defizite des Gegners zu nutzen. "Wir sind nach drei Gegentoren gegen den FC Bayern zurückgekommen und haben sie ein bisschen zum Zittern gekriegt. Das schaffen nicht viele", lobte Boateng und erklärte den Matchplan: "Wir haben Zweikämpfe gewonnen und mit dem ersten Ball gleich nach vorne gespielt. Dabei haben sie Probleme. Das hat man auch gesehen, bis sie es dann später gut gemacht haben."
Trainer Sandro Schwarz wählte somit grundsätzlich eine gute Strategie. Seine Mannschaft hatte zwar lediglich 27 Prozent Ballbesitz, brachte aber immerhin sieben Schüsse auf das Tor des FC Bayern und gewann 49 Prozent der Zweikämpfe. "Wir haben mit einem 4-4-2 gespielt mit Dodi (Lukebakio, Anm.d.Red.) als zentrale Spitze, sodass er mit seiner Geschwindigkeit den kürzeren Weg zum Tor hat", erklärte Schwarz auf Nachfrage von Eurosport. "Nach Balleroberungen hat man gegen Bayern nicht viel Zeit, um sauber und kurz wegzuspielen. Daher haben wir die Tiefe bedroht mit tiefen Läufen hinter die Kette." Dies wäre fast belohnt worden. "Wir hatten sie am Haken", so der Berliner Trainer. Boateng war um eine positive Sicht bemüht, denn klar sei gewesen: "Jeder hätte gedacht, dass wir das Spiel ganz klar verlieren."

Musiala und Neuer legen Finger in die Wunde

Fast hätte sich der FC Bayern zu früh gefreut. Zwischen dem 3:0 und dem Anschlusstreffer der Hertha zum 2:3 lagen lediglich fünf Minuten. "Nach dem dritten Tor war unser Kopf nicht direkt da. In so einem Spiel muss man immer zu 100 Prozent da sein", betonte Jamal Musiala. Torwart Manuel Neuer sah das genauso: "Die Gegentore waren ein bisschen unnötig. Gerade das erste Gegentor hat daran erinnert, wie es gegen Dortmund passierte, als Modeste am zweiten Pfosten das Tor reingemacht hat. Da hat mir ein bisschen die Mannbindung gefehlt."
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Nagelsmann hadert nach "wildem" Ritt in Berlin

Quelle: Perform

Genau genommen war es Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui, der dem Torschützen Lukebakio zu viel Platz und zum Abschluss kommen ließ. Allerdings machte die Abwehr des FC Bayern in dieser Phase insgesamt keinen sicheren Eindruck und wurde überrumpelt. Dies ging nicht spurlos an der Mannschaft vorüber. "Wir hatten bis zur Halbzeit damit zu kämpfen", sagt Neuer. "Aber in den ersten 25 Minuten nach der Halbzeit waren wir wieder sehr dominant und ballsicher. Das war entscheidend."
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