FC Bayern München - trügerische Variabilität: Vermeintliche Stärke entpuppt sich als Schwäche

Der FC Bayern befindet sich pünktlich zum Wiesn-Start im Krisenmodus. Vier Spiele ohne Sieg lassen die Kritik an der Kaderzusammenstellung lauter werden. Mit Sadio Mané, Leroy Sané, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Jamal Musiala besitzt der FC Bayern ein Überangebot an quirrligen Offensivallroundern. Das Fehlen eines echten Neuners wiegt jedoch schwer - auch wenn es Nagelsmann (noch) nicht zugibt.

Verkatert auf die Wiesn: Bayern-Stars lächeln Krise auf

Quelle: Eurosport

Die Maß Bier, sie wog deutlich schwerer als gewohnt, das Lächeln wirkte aufgesetzt und gequält.
Wer will es den Profis und Verantwortlichen beim FC Bayern dieser Tage verdenken? Nach dem , der ersten Pleite der Saison und dem insgesamt vierten Bundesligaspiel in Serie ohne Sieg, ist beim Rekordmeister niemandem zum Feiern zumute.
Der Humpen Helles und die deftige Brotzeit im Scheinwerferlicht schmecken auf dem Oktoberfest als Spitzenreiter eben deutlich besser, als auf Platz fünf liegend.
Kurzum: Der Wiesn-Start ging für den Rekordmeister komplett in die Hose.

Zahnloser FC Bayern: Es fehlt der Biss

Der Trend heiße "nichts Gutes", kommentierte Trainer Julian Nagelsmann noch in den Augsburger Katakomben den fragwürdigen Auftritt seiner Mannschaft schmallippig. Die anstehende Länderspielphase dürfte ihm angesichts der immer neuen Probleme gerade recht kommen, gibt sie doch Zeit zur Besinnung und Neuausrichtung.
"Ich sortiere meine Gedanken", formulierte der sichtlich geknickte Coach seinen Plan für die spielfreie Zeit. Worüber er grübelt? "Über alles denke ich nach - über mich, über die Situation, über alles."
"Alles", das schließt selbstredend auch die Dinge ein, die Nagelsmann besonders nerven. Auf der Pressekonferenz in Augsburg war dies die leidige Frage, ob ihm ein Torgarant wie der nach Barcelona abgewanderte Robert Lewandowski fehle.
Fakt ist: Der letzte Biss vor dem Tor ist zuletzt abhanden gekommen. "Es fließen viele Chancen einfach so aus dem Stadion", analysierte Nagelsmann, "wir spielen es sehr laissez-faire im letzten Drittel". Das Passspiel sei zu "schlampig", die "Abschlusstechnik" ungenügend.
Und trotzdem wollte er auf der Pressekonferenz leicht angesäuert nicht darauf antworten, ob ihm ein Torgarant wie der nach Barcelona abgewanderte Robert Lewandowski fehle: "Wenn ich nein sage, sagt ihr, er erkennt die Probleme nicht. Wenn ich ja sage, heißt es, er vermisst Lewandowski. Es ist also Wurscht, was sich antworte."
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Nagelsmann genervt von Stürmerfrage: "Wurscht, was ich antworte"

Quelle: Perform

Mit seiner Schlussfolgerung, mag er recht haben. Kritik gibt es für einen Trainer des FC Bayern eben immer, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Dennoch - und das weiß auch Nagelsmann - ist die Frage nach einem "echten" Mittelstürmer die logische Konsequenz der vergangenen Wochen.

FC Bayern: Flügelspieler en masse

Über den Wert, den Robert Lewandowski für den FC Bayern in den vergangenen acht Jahren hatte, ist alles geschrieben. 238 Tore in 253 Bundesligaspielen erzielte der Pole für die Münchner - also fast eines pro Spiel (0,94 Tore/Spiel).
Dass diese Kaltschnäuzigkeit und Torgier nicht auf Anhieb zu ersetzen sein würde: logisch. Dass die Bayern in ihrer Spielidee 2022/23 den Part des gelernten Mittelstürmers nun aber komplett weglassen, scheint zumindest Teil des aktuellen Problems zu sein.
Kingsley Coman, Serge Gnabry, Leroy Sané und auch der als Lewandowski-Ersatz geholte Sadio Mané sind allesamt herausragende Offensivspieler, denen das Adelsprädikat "weltklasse" anheftet. Sie alle sind jedoch eher für ihr starkes Flügelspiel bekannt - als "echter" Neuner konnte sich noch keiner der genannten empfehlen.
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Sadio Mané vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Dabei machte eben genau diese Mischung aus Außenspielern und Mittelstürmer in den vergangenen Jahren den Erfolg des FC Bayern aus.
Lewandowskis band durch seine ständige Präsenz im Zentrum oft mehrere Verteidiger und riss so Lücken, in die seine Kollegen auf den Außen hineinstachen. Ob Arjen Robben, Franck Ribéry, Kingsley Coman, Serge Gnabry oder Leroy Sané - sie alle profitierten von der Strafraumpräsenz des Polen und konnten so ihr volles Potential entfalten.

Kompromisslose Teams tun Bayern weh

Freilich heißt das im Umkehrschluss nicht, dass Systeme ohne gelernte Neuner nicht funktionieren können. Auch die Bayern haben den Gegenbeweis zu Saisonbeginn ja schon angetreten. Der Kader ist jederzeit zu Kantersiegen fähig - vor allem dann, wenn Gegner versuchen, aktiv mitzuspielen. So gesehen im Supercup gegen RB Leipzig (5:3) oder zum Bundesligaauftakt gegen Eintracht Frankfurt (6:1).
Doch mittlerweile ist auch offensichtlich, wie man den Rekordmeister ärgern kann. "Wir haben brutale Probleme gegen Mannschaften, die gegen uns körperlich spielen und uns auf die Socken hauen", stellte Salihamidzic richtigerweise fest. Das lässt sich auch auf das Hauen und Stechen im gegnerischen Strafraum übertragen.
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Bayern München kassiert die erste Niederlage der Saison

Fotocredit: SID

Es ist schon von den körperlichen Voraussetzungen für jemanden wie Mané schwierig, im gegnerischen Sechzehner dagegenzuhalten. Bälle festmachen, mit zwei Innenverteidigern im Rücken - das gehörte zu Lewandowskis Stärken, nicht aber zu denen Manés.
Die Münchner umspielten den gegnerischen Strafraum daher zuletzt im Stile einer Handballmannschaft und scheiterten in den sich bietenden Momenten am fehlenden Killerinstinkt im Abschluss.

Lösungsansatz im Sturmzentrum: Warum nicht Tel?

Fakt ist: Nagelsmann wird kurzfristig keinen neuen Mittelstürmer bekommen - das Transferfenster ist geschlossen und Aktionismus ohnehin fehl am Platz. Zudem ist es nicht so, dass der Spielertyp Mittelstürmer im Bayern-Kader gänzlich fehlt.
Mit Eric Maxim Choupo-Moting und dem jungen Toptalent Mathys Tel gibt es deren zwei, die hier und da sicher weiterhelfen könnten. Vor allem der junge Franzose wusste in seinen bisherigen Auftritten durchaus zu überzeugen. Gegen Stuttgart stand er in der Startelf, erzielte, wenn auch als Rechtsaußen, sein erstes Bundesligator.
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Mathys Tel vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Die Kernkompetenz des 17-Jährigen liegt jedoch im Zentrum - und dort könnte er perspektivisch noch großen Wert für den Rekordmeister haben.
Nach dem Königstransfer von Mané lobten Verantwortliche wie Experten den FC Bayern für die neugewonnene Variabilität in der Offensive. Mittlerweile lässt sich feststellen, dass die Münchner ohne Mittelstürmer um eine Variante ärmer sind.
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Nagelsmann erklärt Manés Mini-Krise: "Das ist ganz normal"

Quelle: Perform

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