FC Bayern - Uli Hoeneß schlägt beim FCB-Training auf: Eine Darbietung mit Symbolcharakter
Uli Hoeneß tauchte am Mittwoch überraschend im Training des FC Bayern auf und unterhielt sich angeregt mit Neu-Trainer Thomas Tuchel. Dass der Ehrenpräsident, die Lichtgestalt des Klubs, zu derart unkonventionellen Maßnahmen greift, sollte für die Vereinsspitze ein Warnsignal sein. Der Auftritt zeigte nämlich vor allem eines: Der Patriarch vom Tegernsee hält die Fäden noch immer in der Hand.
Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß
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Als Thomas Tuchel mit großem medialen Trara in der Allianz Arena vorgestellt wurde, bedankte er sich zuallererst für das Vertrauen, das ihm vonseiten des FC Bayern entgegengebracht wurde, für die Tatsache, dass das Wohl und Wehe des Vereins nun in seine Hände gelegt wurde.
"Mein ausdrücklicher Dank für das Vertrauen geht an Oli (Kahn, d. Red.), Brazzo (Salihamidzic, d. Red.), Herbert Hainer und Uli Hoeneß", sagte Tuchel. Dass er Kahn, den Vorstandschef, Salihamidzic, den Sportvorstand und Hainer, den amtierenden Präsidenten, auflistete, war erwartbar, dass Hoeneß' Name fiel, kam für die anwesenden Reporter aber einigermaßen überraschend - und ließ tief blicken.
"Mir war es ein hohes Anliegen, vor meiner Unterschrift mit ihm telefonisch zu sprechen. Ich wollte ihn wissen lassen, dass ich mein Bestes gebe, um gut auf seinen Klub aufzupassen", erklärte Tuchel weiter. Er ergänzte: "Der FC Bayern ist Uli Hoeneß. Uli Hoeneß ist der FC Bayern."
Die Lichtgestalt, derjenige, der den FCB zu einem Weltklub geformt hatte, ist auf dem Papier seit 2019 nicht mehr in leitender Funktion tätig, sondern fungiert seither als "einfaches Aufsichtsratmitglied", zudem trägt er neben Franz John, Siegfried Herrmann, Kurt Landauer, Wilhelm Neudecker und Franz Beckenbauer den Titel "Ehrenpräsident."
Hoeneß in entscheidende Prozesse involviert
Tuchels Dank offenbarte das, was die Spatzen ohnehin von den Münchner Dächern pfeifen: Hoeneß ist noch immer in entscheidende Prozesse involviert. Die Freistellung eines Trainers, in diesem Fall Julian Nagelsmann, und die Verpflichtung eines Nachfolgers zählt freilich zu derartigen Prozessen.
Hoeneß, der Adressat des Danks, zeigte sich kurz darauf begeistert von dem neuen Übungsleiter. "Seine Pressekonferenz war summa cum laude, eine druckreife Ausdrucksweise, das ist Bayern München", lobte Hoeneß und schob nach: "Er hat diesen Verein in zwei Tagen verinnerlicht, er ist die Ideallösung."
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Thomas Tuchel kassierte mit Bayern den nächsten Rückschlag
Fotocredit: Imago
Im Anschluss wurde es wieder ruhiger um Hoeneß. Allerdings nicht allzu lange. Denn: Seit die "Ideallösung" namens Tuchel das Trainer-Zepter schwingt, hat sich die sportliche Lage des deutschen Rekordmeisters dramatisch verschlechtert. Aus im DFB-Pokal, Aus in der Champions League, in der Bundesliga droht die erste meisterlose Saison seit elf Jahren.
Kahns Stuhl wackelt
Dies, da sind sich alle einig, ist Tuchel kaum anzulasten. Vielmehr stehen neben den Spielern vor allem Kahn und Salihamidzic mittlerweile im Zentrum der Kritik. Besonders Kahn ist nach übereinstimmenden Medienberichten angezählt. Informationen der "Bild-Zeitung" zufolge sei der ehemalige Torwart-Titan bereits vor der aktuellen Spielzeit zum Rapport gebeten worden sein.
Demnach habe Hoeneß gemeinsam mit Präsident Hainer gefordert, dass Kahn sein Auftreten ändern und kommunikativer werden müsse, zudem solle er mehr Empathie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen. Kahn habe sich einsichtig gezeigt.
Doch die Nagelsmann-Kündigung, die bislang keine Früchte trug und der Umstand, dass nach Robert Lewandowskis Abgang kein adäquater Ersatz verpflichtet wurde (was sich zuletzt auf besonders eklatante Art und Weise äußert), lassen Kahns Stuhl stärker wackeln als je zuvor.
Hoeneß taucht auf Trainingsplatz auf
Dabei scheint der Klub-Pate vom Tegernsee die treibende Kraft zu sein. Während Salihamidzic nach wie vor als Hoeneß-Protegé gilt, ist das Vertrauen in Kahn ganz offensichtlich gesunken. Am Mittwochmorgen manifestierte sich jener Eindruck.
Hoeneß tauchte vor Trainingsbeginn plötzlich auf dem Fußballplatz an der Säbener Straße auf. Fotos, die von der "Bild" veröffentlicht wurden, zeigen einen wild gestikulierenden Hoeneß im Gespräch mit Tuchel. Eine knappe Viertelstunde habe sich der 71-Jährige mit dem Coach unterhalten. Kahn war mit einer solchen Aktion bisher noch nie in Erscheinung getreten.
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Uli Hoeneß im Gespräch mit Thomas Tuchel
Fotocredit: Imago
Der Auftritt hatte Symbolcharakter und war gleichzeitig ein fatales Zeichen an Kahn. Hoeneß signalisierte: "Seht her, ich bin hier, wenn es brenzlig wird, ich bin nach wie vor der starke Mann beim FC Bayern und ich mache mir Sorgen um meinen Verein."
Vor sechs Jahren sollte Philipp Lahm den Job als Sportdirektor bei den Bayern übernehmen. Nachdem es doch nicht zum Engagement kam, teilte der Weltmeister von 2014 damals vielsagend mit: "Ich glaube, dass Uli Hoeneß noch zu tatkräftig ist, um loszulassen. Und das ist auch sein gutes Recht, er ist Aufsichtsratsvorsitzender und hat Unglaubliches für den Klub geleistet. Wir hatten verschiedene Vorstellungen von der Position, damit ist das Thema für mich abgehakt."
Hoeneß wirkt auf sein "Kind" ein
Die aktuellen Entwicklungen, die Tatsache, dass Hoeneß dieser Tage wieder vermehrt im Fokus steht, legt die Vermutung nahe, dass sich seit Lahms Aussagen nur wenig geändert hat. "Der FC Bayern ist das Kind von Uli Hoeneß", sagte Didi Hamann unlängst. "Wenn ein Kind 18 oder 19 ist und auf die schiefe Bahn gerät, versucht man entweder, einzuwirken, oder man sagt, das Kind ist alt genug."
Hoeneß entscheidet sich für die erste Variante, das Einwirken. Das hat der Überraschungsbesuch auf dem Trainingsplatz deutlich gemacht. Der Bayern-Macher zieht noch immer die Fäden - und das nicht einmal subtil.
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Titel-Dämpfer in Mainz: Tuchel legt den Finger in die Wunde
Quelle: Perform
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