Manuel Neuer: Bayern-Keeper betrachtet Verletzung als Glücksbringer für die Weltmeisterschaft in Katar

18 Tage vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gab Manuel Neuer beim FC Bayern München sein Comeback und stellte klar, dass sich Fußball-Deutschland umsonst Sorgen um seinen Gesundheitszustand gemacht hat. Die 1 steht felsenfest zwischen den Pfosten - im Verein und auch im DFB-Team. Schon deutlich mehr Sorgen bereitet Neuer dagegen der Ausfall von Leipzig-Stürmer Timo Werner.

"Der Beste der Welt": Neuer-Comeback verzückt Nagelsmann

Quelle: Perform

Aus dem Berliner Olympiastadion berichtet Oliver Jensen
Er machte einen entspannten und fröhlichen Eindruck, als das Comeback beim 3:2 gegen Hertha BSC geglückt war. "Ich habe mich heute gut gefühlt", sagte Manuel Neuer auf Nachfrage von Eurosport.de. "Ich glaube, die Aktionen, die ich hatte, waren auch alle gut. Man ärgert sich immer über die Gegentore, das ist klar. Dennoch war es nicht anders als zuvor."
Damit war die Zeit vor der Verletzung gemeint. Sieben Pflichtspiele hatte der Torwart wegen einer Schultereckgelenksprellung verpasst.
Nicht nur der FC Bayern war besorgt, sondern auch ganz Fußball-Deutschland. Findet doch bereits in zweieinhalb Wochen, genauer gesagt am 23. November, das erste Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Katar gegen Japan statt. Noch vor wenigen Tagen konnte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann selber noch nicht prognostizieren, wann Neuer wieder im Tor stehen wird.

Neuer stellt klar: "Es gab gar keine Zweifel"

Neuer allerdings tat nach seiner Rückkehr zwischen die Pfosten gegen Hertha BSC so, als hätte das Risiko einer längeren Ausfallzeit nie bestanden. "Es gab die ganze Zeit gar keine Zweifel. Für mich war nur die Frage, wann ich mit dem fußballspezifischen Torwarttraining anfange. Ich musste der Schulter so lange wie möglich Ruhe geben. Daher habe ich mir die Zeit auch einfach genommen", verriet er.
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Nagelsmann hadert nach "wildem" Ritt in Berlin

Quelle: Perform

Es hätte auch überhaupt keine Dringlichkeit gegeben, überstürzt auf den Platz zurückzukehren. "Der Ulle (Sven Ulreich, Anm. d. Red.) hat super gehalten und mich super vertreten. Daher konnten wir den Zeitpunkt auch auswählen", sagte Neuer und fügte in Richtung seines Backups hinzu: "Wir sind ein super Team und profitieren voneinander."
Neuer erlebte indes kein ruhiges Comeback. Im Gegenteil: Bereits in der 4. Minute musste er einen gefährlichen Abschluss von Dodi Lukebakio parieren. "Ich glaube, es war ganz gut für mich, dass ich von Anfang an gefordert war und nicht lange warten musste, bis ich den ersten Ball bekommen habe. So war ich im Spiel, hatte sofort ein gutes Gefühl und keine Probleme", erzählt er und fügt hinzu: "Wichtig war für mich, dass ich nicht so wie früher unter Pep Guardiola lange warten musste und erst in der 80. Minute gefordert bin. Nach so einer Pause ist es immer blöd, wenn man so lange warten muss."

Neuer beweist fußballerische Finesse gegen Lukebakio

An den beiden Gegentoren war er schuldfrei. Lukebakio kam beim Anschlusstreffer zum 1:3 aus kurzer Distanz relativ frei zum Abschluss. Wenig später folgte der Elfmetertreffer durch Davie Selke. Fußballerisch ist Neuer ohnehin wieder ganz der Alte.
Ein Paradebeispiel dafür ergab sich in der 89. Minute: Obwohl die Hertha auf den Ausgleich drängte, behielt er unter Druck kühlen Kopf, kam bei einem langen Ball aus dem Strafraum heraus, lupfte das runde Leder über den heraneilenden Lukebakio in den Sechzehner und nahm diesen dann mit der Hand auf. "Ich wusste halt, dass ich direkt an der Box stehe. Der Weg war relativ kurz. In der B-Jugend habe ich das auch schon einmal gemacht", sagte er grinsend über diese kritische wie geniale Situation.
Nagelsmann freute sich über die gelungene Rückkehr seines Kapitäns: "Er ist sehr wichtig - sowohl außerhalb des Platzes wie auch auf dem Platz. Er ist nach wie vor der beste Torwart der Welt. Man sieht, dass er mit seiner Erfahrung sofort wieder da ist. Wir sind alle sehr froh." Mitspieler Jamal Musiala sah das genauso: "Ich denke, Manu ist einer der besten Torhüter der Welt. Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn Manu im Tor steht."

Vorfall beim Training löste kurz Sorgen aus

Auch wenn die Schulter die 90 Minuten in Berlin problemlos überstanden hat, ist Neuer vor einer erneuten Verletzung dieser Art nicht gefeit. "Das kann rechts wie links jederzeit passieren. Gestern im Training hatte ich eine ähnliche Situation wie bei dem Unfall vor dem Dortmund-Spiel, als ich mit der Schulter auf den Boden knallte", so Neuer, der sich daher am Freitag kurz Sorgen machte: "Aber nach einer Minute ging der Schmerz wieder weg. Und dann ging es weiter."
Ihm bleiben mit dem FC Bayern noch zwei Spiele, um vor der Weltmeisterschaft weiter Spielpraxis zu sammeln - erst am Dienstag gegen Werder Bremen, dann am Samstag beim FC Schalke 04.
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Bayern-Torwart Manuel Neuer

Fotocredit: SID

Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass sich der Torwart kurz vor einer WM eine Blessur zuzieht. Auch beim DFB-Pokalfinale im Jahre 2014, also im Vorfeld der siegreichen Weltmeisterschaft in Brasilien, hatte er sich an der Schulter verletzt. "Meine Schulterverletzung damals hat Glück gebracht", sagt er scherzhaft.
Während er sich um seinen eigenen Gesundheitszustand derzeit nicht sorgen muss, ist die Personallage bei der deutschen Nationalmannschaft angespannt. Stürmer Timo Werner wird die Weltmeisterschaft verpassen.
"Das ist natürlich ärgerlich. Timo ist mit seinem Speed und seinem Timing ein ganz wichtiger Spieler für unsere Mannschaft", sagt Neuer, bleibt aber dennoch positiv gestimmt: "Wir müssen eben mit den Spielern spielen, die zur Verfügung stehen. Da haben wir sehr gute Spieler. Ich bin optimistisch."
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