Drei Dinge, die bei der Bayern-Klatsche in Frankfurt auffielen: Tuchel verwirrt seine eigene Mannschaft

Krasse individuelle Fehler, viele einfache Ballverluste und eine schwache Chancenverwertung - der FC Bayern machte beim 1:5 (1:3) in Frankfurt praktisch alles falsch. Trainer Thomas Tuchel nahm die Klatsche auch auf seine Kappe, weil er seine Spieler kurz vor dem Anpfiff überfordert hatte. Zudem ließ er vier unterschiedliche Außenverteidiger gleich lang spielen - alle vier fielen durch.

Tuchel angefressen: "Niemand muss in den Arm genommen werden"

Quelle: Perform

Die Gastgeber erwischten einen echten Traumstart. Omar Marmoush brachte die Eintracht in der 12. Minute in Führung. Eine Reaktion des FC Bayern? Fehlanzeige! Vielmehr reihte sich Fehler an Fehler, sodass Eric Junior Dina Ebimbe (31.) und Hugo Larsson (36.) den Vorsprung auf 3:0 ausbauen konnten.
Joshua Kimmich hielt die Hoffnung des FC Bayern kurzzeitig am Leben, als ihm in der 44. Minute mit einem perfekt geschossenen Distanzschuss der Anschlusstreffer gelang. Diese wurde allerdings zunichtegemacht, als Ebimbe (50.) und Knauff (60.) mit zwei weiteren Treffern nachlegten.
"Einer geht noch, einer geht noch rein", sangen die Eintracht-Fans und legten kurz darauf nach mit: "Deutscher Meister, keiner weiß warum!" Die Demütigung der Bayern war spätestens zu diesem Zeitpunkt perfekt.
Drei Dinge, die beim Bayern-Debakel in Frankfurt auffielen:

1.) Thomas Tuchel verwirrt seine eigene Mannschaft

Der FC Bayern, der die Mehrfachbelastung mit zwei Pflichtspielen pro Woche gewohnt ist, hatte eine ungewohnt lange Pause. Aufgrund der witterungsbedingten Absage des Heimspiels gegen Union Berlin erlebten die Münchner neun spielfreie Tage. Trainer Thomas Tuchel hatte somit viel Zeit, um sich eine Strategie für das Spiel zu überlegen.
Dennoch ließ er sich von der gegnerischen Aufstellung irritieren, als diese knapp eine Stunde vor Spielbeginn bekanntgegeben wurde. "Wir hatten ursprünglich eine Viererkette erwartet“, sagte Tuchel, der aufgrund des Aufgebots der Eintracht dann aber mit einer Fünferkette rechnete. "Wir haben dann kurz vor dem Spiel noch einmal eine Variante durchgesprochen, falls Frankfurt mit einer Fünferkette spielt."
Das taten die Gastgeber jedoch nicht. Auf eine Dreier- bzw. Fünferkette wurde höchstens im Ballbesitz umgestellt, die Grundformation war eine Viererkette. Tuchel hatte seine Mannschaft mit der Umstellung offenbar verwirrt.
"Vielleicht war das ein Puzzleteil, das wir kurz vor dem Spiel noch einmal so viele Informationen weitergegeben haben. Da ist der Fokus abhanden gekommen. Wir wollten giftig sein. Das haben wir definitiv nicht auf den Platz gebracht", gab er zu.
Auffällig war jedenfalls, dass die Bayern von Anpfiff an völlig von der Rolle war. Sie fanden gegen das hohe Pressing der Eintracht keine Lösung, hatten zu viele Ballverluste und ließen sich ins eigene Drittel drängen. Die Folge: Drei Gegentreffer innerhalb von 36 Minuten.
Besonders bitter aus Sicht von Tuchel: Jedes Gegentor resultierte aus einem individuellen Fehler. Vor dem 0:1 bekam Noussair Mazraoui den Ball nicht geklärt und spielte diesen vor gegnerische Füße. Beim 0:2 wurde Min-Jae Kim, der nach seinen Hüftproblemen wieder zurückkehrte, schülerhaft ausgespielt, ehe auch Alphonso Davies und Dayot Upamecano keinen Zugriff bekamen.
Der Konter zum 0:3 resultierte aus einem fatalen Fehlpass im Mittelfeld von Joshua Kimmich, der Gegenangriff zum 1:4 aus einem Ballverlust von Upamecano. Und beim 1:5? Da wurde einfach die komplette Verteidigung des FC Bayern auseinandergenommen.
Ob Dino Toppmöller mit seiner Aufstellung bewusst Tuchel irritiert hat? "Nein, das wäre vermessen", antwortete er. "Ich glaube einfach, dass wir auf den Gegner sehr gut vorbereitet waren und das mit Leben gefüllt haben. Wir wollten Bayern bewusst ein bisschen ins Zentrum locken, damit die Flügelspieler weniger Bälle bekommen. Das haben die Jungs überragend gemacht."
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"Zu viele individuelle Fehler": Tuchel kritisiert Bayern-Spieler

Quelle: Perform

2.) Bayerns Außenverteidiger durchgefallen - alle vier

Die Außenverteidiger Mazraoui (rechts) und Davies (links) waren in der ersten Halbzeit Totalausfälle. Beide leisteten sich einfachste Ballverluste, kamen nie in die Zweikämpfe und leiteten je ein Gegentor ein. Kaum war der Halbzeitpfiff ertönt, schickte Tuchel die Ersatzleute Raphael Guerreiro und Konrad Laimer zum Aufwärmen auf den Rasen.
Für Mazraoui und Davies, Bayerns etatmäßigen Außenverteidigern, war in der Pause Schluss. "Wir haben in der Halbzeit den Spielaufbau umgestellt, wollten einen Spieler höher reinbringen und haben daher die Außenverteidiger ausgewechselt", erklärte er. "Wir sind ein bisschen mehr ins Risiko gegangen und hatten auch gleich eine große Chance. Doch mit dem nächsten Gegentreffer haben wir uns wieder selber bestraft."
Doch mit verändertem Personal wurde es auf den defensiven Außen nicht besser. Laimer gewann nur einen von sieben Zweikämpfen, während Guerreiro in fünf Duellen um den Ball jedes Mal den Kürzeren zog. Auch die Frankfurter Treffer voer und fünf wurde über die Flügel eingeleitet.

3.) Kimmich & Co: Das Zentrum als Unsicherheitszone

Dennoch wäre es falsch, die Schuld nur den Außenverteidigern zuzuschreiben. Das Zentrum mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka auf den Sechser-Positionen sowie Eric Maxim Choupo-Moting davor bekam nie Zugriff auf das Spiel.
"Wir hatten erwartet, dass Frankfurt uns hoch anläuft und hoch presst. Deshalb wollten wir uns mit langen Bällen über Choupo befreien", erläuterte Tuchel seinen gescheiterten Plan. "Wir haben heute wenig Argumente für das, was wir gemacht haben, weil es einfach nicht gut ausgesehen hat. Die Verantwortung dafür liegt bei mir, denn wir haben uns für diese Aufstellung entschieden."
Insbesondere Kimmich unterliefen ungewohnt viele Fehlpässe und Ballverluste, wie vor dem 0:3. "Wir haben nie die Kontrolle gehabt", gab Tuchel zu. "Wir haben auch nie Kontrolle über die Konter gehabt. Selbst wenn wir in Überzahl waren, sind wir nicht dazu in der Lage gewesen, die Konter und die Torchancen zu verhindern. Das ist heute eine große Mängelliste.“
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Quelle: Perform

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