Drei Dinge, die bei FC Bayern gegen VfB Stuttgart auffielen: Holding Six? Hold my Beer!
Der FC Bayern zeigte im Bundesliga-Kracher gegen den VfB Stuttgart sein bayerntypisches Topspiel-Gesicht. 3:0 hieß es am Ende aus Sicht des Rekordmeisters, der gegen die Überraschungsmannschaft der bisherigen Saison sogar höher hätte gewinnen können. Und das, obwohl die Münchner kurz vor der Partie noch eine Hiobsbotschaft verdauen mussten. Drei Dinge, die auffielen.
Aleksandar Pavlovic (r.) überzeugte im Topspiel
Fotocredit: Imago
Der 15. Bundesliga-Spieltag hielt sich sein Highlight für den Schluss auf. Am Sonntagabend stieg in der Allianz Arena der mit Spannung erwartete Südgipfel zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart.
Doch sonderlich mitreißend ging es im Duell der beiden Leverkusen-Verfolger nicht zu - weil die Münchner von Beginn an klarstellten, dass für die Gäste aus dem Schwabenland nicht viel zu holen sein würde. Harry Kane brachte die Gastgeber schon in der zweiten Minute in Führung, im Anschluss ließ der FCB hochklassige Chancen aus.
Nach dem Seitenwechsel ging es weiter nur in eine Richtung, abermals Kane (55.) und Min-Jae Kim (63.) erzielten die weiteren Treffer beim verdienten 3:0-Sieg. Ein souveräner Erfolg, obwohl sich mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka kurz vor der Partie zwei wichtige Mittelfeld-Eckpfeiler krank gemeldet hatten und das prall gefüllte FCB-Lazarett weiter anwachsen ließen.
Trainer Thomas Tuchel wählte einen für Bayern untypischen Ansatz, überließ dem Gegner den Ball und setzte auf eine kompakte Arbeit gegen die Kugel. Dabei stach neben den Offensivkräften besonders Kimmich-Ersatz Aleksandar Pavlovic heraus, zudem rehabilitierte sich Abwehr-Riese Kim für seinen schwarzen Samstag vor einer Woche beim 1:5 in Frankfurt.
Drei Dinge, die bei FC Bayern - VfB Stuttgart auffielen.
1.) Pavlovic überzeugt: Hold my Beer!
Es war das Thema zum Ende des Transferfensters im Sommer: Bayerns verpasste Verpflichtung einer sogenannten "Holding Six", sprich: eines klassischen Sechsers. Trainer Tuchel wollte ihn unbedingt, den Abräumer vor der Abwehr, er bekam ihn aber nicht.
In wenigen Tagen, wenn das Winter-Transferfenster öffnet, dürfte das Ganze medial erneut aufkochen. Bayerns Kader, das war gegen Stuttgart wieder ersichtlich, ist dünn besetzt, wenn einige Arrivierte ausfallen. An diesem vorweihnachtlichen Sonntag sprangen aber gleich mehrere Reservisten in die Bresche. Allen voran Eigengewächs Aleksandar Pavlovic.
Der 19-Jährige, der in dieser Saison schon einmal in der Startelf stand (beim 4:2 gegen Heidenheim), ersetzte den erkrankten Kimmich in beeindruckender Manier. Seelenruhig gab der gebürtige Münchner den Taktgeber, bestach außerdem mit einer ansprechenden Zweikampfführung.
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Aleksandar Pavlovic (l.) im Duell mit Deniz Undav
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60 Prozent seiner direkten Duelle entschied er für sich, am Ende standen sechs Balleroberungen (zweitbester Wert bei Bayern nach Alphonso Davies (8)).
Und: Pavlovic schoss ganz hervorragende Standardsituationen. Einen seiner Freistöße brachte Kim schon in der ersten Halbzeit im Kasten unter, das Tor wurde aber aufgrund einer knappen Abseitsstellung zurückgenommen. In der zweiten Hälfte gab der Youngster weitere punktgenaue Flanken. Das 2:0 durch Kane ging aus einem Pavlovic-Freistoß hervor, das 3:0 servierte Pavlovic Mitspieler Kim direkt von der Eckfahne.
"Wir haben heute bewiesen, dass wir ihm vertrauen", sagte Coach Tuchel auf der Pressekonferenz nach dem Spiel und setzte gleich zur Lobeshymne an: "Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er wurde - wie das ganze Team - ballsicherer, dominanter und war in die Standards involviert. Er trainiert gut und ist ein top Junge."
Pavlovic hielt es wie das berühmte Internet-Meme: Holding Six? Hold my Beer!
2.) Min-Jae Kim: Das Monster der Lüfte
Am vergangenen Samstag war er einer der Prügelknaben nach dem desolaten Auftritt in Frankfurt: Min-Jae Kim.
Doch der stets ausgeglichene Südkoreaner (Spitzname "Monster") ließ die Kritik einfach an sich abperlen und schüttelte die schwache Leistung gegen die SGE schon unter der Woche beim 1:0-Sieg in Manchester aus den Kleidern.
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Min-Jae Kim vom FC Bayern
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Im Aufeinandertreffen mit Stuttgart legte Kim noch einmal imposant nach - und machte deutlich, warum er in der Vorsaison zum besten Verteidiger der Serie A gewählt wurde. Sechs abgefangene Bälle, sechs klärende Aktionen waren einsame Spitzenwerte aufseiten der Bayern.
Ganz besonders ragte Kim in Luftzweikämpfen heraus, sprang in jedem Kopfballduell eine Etage höher als seine Kontrahenten. Und zwar hinten wie vorne. Einziger Wermutstropfen: Bei seinem Tor zum vermeintlichen 2:0 versagte die Technik im Kölner Keller, eine kalibrierte Linie, die Kim womöglich entlastet hätte, konnte nicht angelegt werden.
Dennoch eine vollumfänglich geglückte Rehabilitation.
3.) Das entzauberte Duo
Des einen Freud (Kim) ist des anderen Leid. Die beiden Stuttgarter Angreifer Serhou Guirassy (16 Tore) und Deniz Undav (acht Tore), die in dieser Spielzeit schon die eine oder andere Abwehrreihe zur Verzweiflung gebracht hatten, waren die Leidtragenden von Kims starker Leistung.
Das Zauber-Duo aus dem Ländle sah sowohl gegen Kim als auch gegen Dayot Upamecano kein Land, Guirassy und Undav kamen jeweils nur einmal zum Abschluss. Gefährlich wurde es für das Tor von Manuel Neuer aber nie.
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Serhou Guirassy im Duell mit Dayot Upamecano
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"Wir haben in keiner Phase das auf den Platz bekommen, was wir uns vorgenommen haben", sagte VfB-Coach Sebastian Hoeneß auf der Pressekonferenz. Guirassy und Undav standen dafür sinnbildlich. Auch, weil Tuchel seine Bayern nicht ins Pressing schickte, sondern tief in die eigene Hälfte rückte.
Dementsprechend ergaben sich für Guirassy und Undav keine Räume, Stuttgart hatte zwar mehr Ballbesitz als der deutsche Rekordmeister, vermochte aber, wie Hoeneß es treffend ausdrückte, "nichts damit anzufangen".
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Quelle: Perform
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