FC Bayern - Leroy Sané feiert verspäteten Durchbruch: Wie Thomas Tuchel den DFB-Star in die Spur bringt
Leroy Sané geht in seine vierte Saison mit dem FC Bayern. In den ersten drei Spielzeiten sah sich der Edeltechniker häufig mit Kritik konfrontiert, vor allem mangelnde Einstellung und Konstanz wurden Sané vorgeworfen. Dieser Tage hagelt es jedoch Lobpreisungen von allen Seiten. Auch, weil Thomas Tuchel offensichtlich den richtigen Zugang zu dem sensiblen Künstler gefunden hat.
Leroy Sané (FC Bayern)
Fotocredit: Getty Images
Thomas Müller, seines Zeichens bajuwarischer Bajazzo und Ersatzkapitän des FC Bayern in Personalunion, war wieder einmal zu Späßen aufgelegt, nachdem die Münchner erstmals seit vier Jahren wieder im gefürchteten Borussia Park zu Mönchengladbach (2:1) gewonnen hatten.
Auf den vor allem für Trainer Thomas Tuchel unzufriedenstellenden Deadline-Day angesprochen, gab Müller zu verstehen, dass er sich zum Zeitpunkt des geplatzten Wechsels von Tuchels Wunschspieler João Palhinha auf dem Weg in Richtung Niederrhein befunden habe. Allerdings nicht im gleichen Flieger wie sein enttäuschter Coach.
Tuchel habe laut Müller ausreichend Zeit zur Wutbewältigung gehabt, ehe er schließlich zur Mannschaft gestoßen sei. "Da konnte er schon mal in den Sitz beißen", stichelte der Ur-Bayer im Gespräch mit "Sky".
Nachdem das Dauerthema namens fehlende Kaderbreite abgeschlossen war, wurde über das vorhandene Personal gesprochen. Schnell rückte ein Spieler in den Fokus, der aktuell zu begeistern weiß: Leroy Sané.
Müller über Sané: "Eine Augenweide"
Der deutsche Nationalspieler hatte zuvor gegen die Fohlen nicht bloß sein drittes Tor im dritten Bundesliga-Spiel der noch frischen Saison beigesteuert, sondern war darüber hinaus mit Abstand auffälligste Offensivkraft bei den Münchnern. "Er macht jedes Spiel ein Tor, das ist schon mal sehr gut", sagte Müller und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Da können wir ein paar Floskeln rausholen. Hermann Gerland hat gesagt: 'Wer am Wochenende zwei Tore macht, kann unter der Woche machen, was er will.' Aber Leroy trainiert sogar sehr gut."
Müller weiter: "Man sieht, dass Leroy Spaß hat. Wir haben einen sehr engen Draht auf und um den Platz herum. Es ist teilweise eine Augenweide, ihn spielen zu sehen. Die guten Aktionen von ihm sind zum Zungeschnalzen – und mittlerweile hat er sehr viele davon im Spiel." Die Betonung liegt auf mittlerweile.
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Leroy Sané und Thomas Müller (r.)
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Sanés Potenzial war stets unbestritten, der gebürtige Essener verfügt über eine herausragende Technik und bringt enormes Tempo auf den Platz. Seit seinem Wechsel von Manchester City an die Isar aber eben nicht verlässlich. Bei Sané wechselten sich regelmäßig ansprechende Auftritte mit unerklärlich tristen Darbietungen ab. Der 27-Jährige war bei den Bayern eher Teilzeit-Künstler denn konstanter Leistungsträger.
Das brachte ihm in der Vergangenheit immer wieder Kritik ein. Vor zwei Jahren wurde er nach einem phlegmatischen Auftritt sogar von den eigenen Fans mit Pfiffen und höhnischem Applaus verspottet, in der abgelaufenen Transferperiode stand sogar ein Abgang zur Disposition. Alles passé, Sané ist in dieser Saison bisher der konstanteste FCB-Spieler.
Lobeshymnen für Sané
Neben den meisten Toren (gemeinsam mit Harry Kane, je drei) steht bei Sané in puncto erfolgreiche Dribblings ebenfalls der Bayern-Bestwert zu Buche (14). Zudem gewann der ehemalige Schalker im Durchschnitt knapp 60 Prozent seiner Zweikämpfe.
"Leroy ist ein Unterschiedspieler! Wenn er sein Potenzial abruft, ist er fast nicht zu halten, das macht er in den vergangenen Wochen hervorragend", schwärmte Torhüter Sven Ulreich. "Wir freuen uns, dass er gerade die Leistung so abruft, mit großem Vertrauen auftritt. Es ist wichtig, dass wir so einen Spieler in unseren Reihen haben."
Vertrauen ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort. Trainer Tuchel scheint bedingungslos auf seine Nummer 10 zu setzen – und hat im Gegensatz zu Vorgänger Julian Nagelsmann und auch Ex-Sportvorstand Hasan Salihamidzic ganz offensichtlich den richtigen Zugang zu dem sensiblen Edeltechniker gefunden.
Tuchels Arschtritt mit Wirkung
"Leroy hat alle Möglichkeiten, vor allem auch körperlich, die Liga und die Gegner zu dominieren", sagte Tuchel im Vorfeld der neuen Saison. Seine Forderung an Sané: "Da gibt es auf jeden Fall was draufzulegen. Es liegt nur an ihm." Passenderweise hatte Tuchel Sané im Rahmen seiner ersten Trainingseinheit als Bayern-Coach mit einem Tritt in den Hintern bedacht.
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Leroy Sané (l.) im Gespräch mit Thomas Tuchel
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Rückblickend ein symbolischer Arschtritt. Zuckerbrot und Peitsche als wirkungsvolle Maßnahmen.
Sané selbst bestätigte unlängst sein gutes Verhältnis zum Trainer: "Ich bin mir sicher, dass wir jetzt auf einem sehr guten Weg mit ihm sind und er genau der Richtige für den FC Bayern ist", erklärte er gegenüber der "Bild". Sané schob nach: "Ich spreche sehr viel mit ihm. Er gibt mir ein sehr gutes Gefühl und ich spüre großes Vertrauen."
Tuchels Glaube versetzt bei Sané augenscheinlich Berge. Das zeigt sich nicht nur im Spiel nach vorne, besonders Sanés Bereitschaft, die unliebsamen Wege nach hinten zu gehen, ist auffällig.
"Leroy ist mit sich selbst zufrieden. Und wenn er mit sich im Reinen ist, kann er einer sein, der den Unterschied ausmacht", sagte Tuchel vor dem Duell mit Gladbach. Sanés Selbstzufriedenheit, nicht zu verwechseln mit Selbstgefälligkeit, ist dieser Tage greifbar.
Bleibt aus seiner Sicht zu hoffen, dass sie ihm nicht wieder entgleitet.
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Quelle: Perform
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