FC Bayern München hat ein Kardinalproblem: Deadline-Schlappe um João Palhinha wirft Fragen auf

Mit dem 2:1 in Mönchengladbach schafft der FC Bayern München den Makel aus der Welt, im Borussia-Park nicht mehr gewinnen zu können. Vor der Länderspielpause und dem anschließenden Gipfeltreffen gegen Leverkusen begleitet den Rekordmeister aber vor allem auch das unerfreuliche Ende des Transfersommers, das im gescheiterten Wechsel des Portugiesen João Palhinha von Fulham nach München gipfelte.

Thomas Tuchel (l.) mit Matthijs de Ligt

Fotocredit: Getty Images

Thomas Tuchel war gerade in der Interview-Zone des Borussia-Parks angekommen und schnürte erst einmal in aller Ruhe die Bändel an seiner schwarzen Trainingshose zu.
Parallel dazu sprach der Cheftrainer des FC Bayern kurz über den 2:1-Erfolg seiner Mannschaft in Gladbach - jenen Angstgegner der Münchner, bei dem sie zuvor keines der letzten fünf Pflichtspiele hatten gewinnen können.
Diese Scharte war nach dem 0:1-Pausenrückstand dank der Treffer des extrem spielfreudigen Leroy Sané nach einer Stunde und des kurz zuvor eingewechselten Mathys Tel drei Minuten vor Schluss nun ausgewetzt.
Tuchel lobte also die "sehr gute zweite Halbzeit" seines Teams, die "gute Energie auf dem Platz und auf der Bank". Aber danach ging es auch sofort um das heikle Thema Transfersommer.

Tuchel benennt Kardinalproblem

Komplett glücklich mit seinem Kader ist der Bayern-Coach nicht, daraus hatte er zuletzt auch kein Hehl gemacht. Vor allem wünschte er sich einen großen, abwehrstarken Mann für das defensive Mittelfeld der Münchner - und hatte ihn in João Palhinha auch fast schon bekommen.
Doch dann platzte der Deal mit dem FC Fulham im letzten Moment, weil die Londoner keinen Ersatz für den 28 Jahre alten Portugiesen fanden. "Ein bisschen ungläubig" habe er dieses Szenario am Freitag um kurz vor 18:00 Uhr verfolgt, berichtete Tuchel. Denn: "Der Spieler war ja schon bei uns, er war ja schon in der Röhre."
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Thomas Tuchel ist beim FC Bayern nun gefordert

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Trotz des bereits absolvierten Medizinchecks an der Säbener Straße kickt der 1,90 Meter lange Palhinha nun aber erst mal weiter an der Themse.
"Das ist super, super schade. Aber es ist, wie es ist. Ich glaube zu wissen, was João uns hätte geben können. Er hat etwas, was wir noch nicht haben, angefangen bei der Körpergröße", seufzte Tuchel und benannte das aktuelle Kardinalproblem des FCB: "Wir haben sehr viele Offensivspieler. Aber in der Defensive sind wir dünn besetzt."

Goretzka: "Wir waren schon mal breiter besetzt"

Die Bayern-Profis waren bei der Anreise zum Ligaspiel in Gladbach am Freitag gerade aus dem Flugzeug gestiegen, als sie von den gescheiterten Transferbemühungen ihres Klubs erfuhren.
Die Personalie Palhinha stand dabei am Ende im Mittelpunkt. Doch auch Armel Bella-Kotchap (Southampton) und Trevoh Chalobah (Chelsea) fanden trotz der Avancen aus München nicht den Weg an die Isar.
Zudem hatte sich João Cancelo gegen eine weitere Schleife im Freistaat entschieden: Statt ein zweites Mal an die Bayern wird der portugiesische Außenverteidiger von Manchester City nun nach Barcelona entliehen. Darüber hinaus wechselt Mittelfeldakteur Ryan Gravenberch von München nach Liverpool.
Auch die Verteidiger Benjamin Pavard (Inter Mailand) und Josip Stanisic (Leverkusen) kehrten dem deutschen Abonnementmeister gerade den Rücken.
"Ich glaube, wir waren schon mal breiter besetzt. Es ist offensichtlich, dass das nicht so gelaufen ist, wie der Verein sich das vorgestellt hat", kommentierte Leon Goretzka, der in Gladbach neben dem doppelten Torvorlagengeber Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld spielte, die angespannte Lage.

Spitzenspiel gegen Transfermeister Leverkusen

"Wenn sich ein paar von uns verletzen, wird’s eng", ahnte Kimmich. "Ich glaube auch, dass der Deadline Day anders geplant war", sagte Offensivspieler Thomas Müller.
Und Bank-Chef Tuchel sprach im Borussia-Park immer wieder von der "zweiten Ebene", die es zu berücksichtigen gelte: Die Möglichkeit, einen überlasteten Spieler auch mal zu schonen, sei demnach eingeschränkt, argumentierte der 50-Jährige. Den vorhandenen Kader bezeichnete er als "auf manchen Positionen ein bisschen mutig" - und erklärte: "Hoffentlich kommen wir da mit ein bisschen Glück bis zur Winterpause."
Pikanter Ausblick: In der ersten Partie nach der Länderspielpause empfangen die Bayern die Leverkusener zum Gipfeltreffen.
Die Rheinländer haben einen perfekten Transfersommer hingelegt, stehen nach ebenfalls drei Siegen zum Auftakt momentan ein Tor besser da als das Ensemble des nörgelnden Herrn Tuchel - dem Vorstandschef Jan-Christian Dreesen nun seinerseits ausrichten ließ: "Thomas muss da jetzt kreativ sein, das ist ja auch sein Job."
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