FC Bayern: Vorstandsboss Dreesen steht zu Tuchel - doch Matthäus wittert "Sturmgefahr an der Säbener Straße"
Thomas Tuchel muss sich nach dem 0:3 (0:1) des FC Bayern München bei Bayer 04 Leverkusen am 21. Spieltag der Bundesliga wegen seiner Systemumstellung auf Dreierkette Kritik gefallen lassen. TV-Experte Lothar Matthäus prognostiziert stürmische Zeiten an der Säbener Straße. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen stellt sich zwar hinter Tuchel, verweist bei der Schuldfrage aber auch auf den Trainer.
Tuchel nach Pleite: "Übernehme Verantwortung für Taktik"
Quelle: Perform
Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, hat Trainer Thomas Tuchel unmittelbar nach der empfindlichen 0:3-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen im Spitzenspiel der Bundesliga das Vertrauen ausgesprochen.
"Da ändert sich gar nichts", sagte der Bayern-Boss am Samstagabend. Und auf Nachfrage nochmals: "Ich mag mich ungern wiederholen, es bleibt, wie ich es gerade gesagt habe."
Dreesen machte aber auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. "Es war das Spiel, auf das ganz Fußball-Deutschland seit Wochen hin gefiebert hat. Und wir haben verdient verloren - leider", sagte der 56-Jährige.
Dabei hätten die Bayern gut begonnen, das Spiel 15 Minuten lang in der Hand gehabt. "Dann haben wir den Faden verloren", sagte er. Woran das lag, wollte er jedoch nicht analysieren und verwies weiter: "Da gibt es einen Experten: Da müssen wir den Trainer fragen."
Dem Bayern-Boss war freilich nicht entgangen, dass sich Tuchel durch seine misslungene Taktik - Bayern spielte erstmals in dieser Saison mit einer Dreierkette - angreifbar gemacht hatte. Über die Aufstellung wollte Dreesen aber "gar nicht groß spekulieren. Leverkusen war einfach besser. Wir haben verdient verloren, das müssen wir einfach so akzeptieren."
Bayer gegen Bayern: Matthäus sieht Klassenunterschied
"Sky"-Experte Lothar Matthäus sah sogar "einen Klassenunterschied auf höchstem Niveau". Bayern sei "verdient mit 0:3 nach München zurückgeschickt worden".
Die Art und Weise, wie Leverkusen beinahe jeden Gegner der Bundesliga niederspiele, mache das ehemalige Vizekusen nun zum Meisterschaftsanwärter Nummer eins. "Wenn sie so weiterspielen, zweifelt keiner daran", sagte der ehemalige Bayern-Profi: "Sie spielen in einer eigenen Liga. Dieser Lauf, dieses Selbstverständnis, dieses Miteinander - sie sind jetzt der große Favorit auf die deutsche Meisterschaft. Wer was anderes sagt, hat wenig Ahnung vom Fußball."
Tuchel sieht der Rekordnationalspieler nach der Niederlage in der Schusslinie. "Natürlich wird jetzt über die Aufstellung diskutiert und es werden Fragen kommen, die den Trainer betreffen. Warum spielt Boey links zum Beispiel? Es hat nicht funktioniert. Diese Mannschaft hatte keine Sicherheit, sie war nicht sie selbst. Die Abläufe waren nicht flüssig."
Durch eine ungewohnte Aufstellung verunsichert, hätten bei Bayern "viele Dinge gefehlt, die Leverkusen eiskalt ausgenutzt hat. Da muss sich der Trainer selbst hinterfragen, ob er alles richtig gemacht hat."
Tuchel sei von seiner Maßnahme sicher überzeugt gewesen, "aber der Plan ist nicht aufgegangen", so Matthäus: "Ich glaube auch, dass Uli Hoeneß diese Systemänderung nicht gefällt. Bayern - das ist 4-2-3-1."
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Tuchel unzufrieden mit Leih-Regel: "Ausgerechnet Stanisic"
Quelle: Perform
FC Bayern: Improvisierte Dreierkette als Streitpunkt
In Leverkusen hatte der Bayern-Coach aber 3-4-2-1 spielen lassen. Tuchels improvisierte Dreierkette könnte nun zum Streitpunkt werden. "Ancelotti hat das mal in Paris probiert, danach war er weg", spielte der 62-Jährige auf die Entlassung von Carlo Ancelotti nach einem 0:3 bei Paris Saint-Germain in der Champions League 2017/18 an.
Festzuhalten sei, dass Bayern aktuell "weit unter seinen Möglichkeiten" spiele. "Thomas Tuchel hat gesagt, er hat keinen Klassenunterschied erkannt. Ich habe da eine andere Meinung", sagte Matthäus und prognostizierte deshalb "Sturmgefahr an der Säbener Straße".
"Diese Niederlage tut weh. Bei Bayern wird es rauschen", sagte er.
Angesichts von fünf Punkten Rückstand auf Leverkusen und der Tatsache, das Bayer noch kein Spiel verloren habe, gibt Matthäus Bayern im Meisterschaftsrennen nur noch wenige Chancen. "Zum heutigen Zeitpunkt würde ich sagen: Die Champions League zu gewinnen wird leichter als die Meisterschaft - da hat man es zumindest in der eigenen Hand."
Das sieht Dreesen natürlich anders - der Bayern-Boss setzte auf Durchhalteparolen. "Wer wäre ich, wenn nicht Optimist bis zum Schluss", sagte er. Nach so einem Spiel müsse man sich sammeln und nach vorne schauen: "Wir geben nicht auf und müssen da sein, wenn Leverkusen patzt."
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