Joshua Kimmich spielt beim FC Bayern München zu viele Rollen: Trainer Thomas Tuchel hat einen Plan

Ob Pep Guardiola, Hansi Flick, Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel - Joshua Kimmich genießt bei seinen zahlreichen Trainern höchste Wertschätzung. Der 28-Jährige ist seit Jahren Stammspieler beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Doch zuletzt gelang es ihm zu selten, sein ganzes Potenzial auszuschöpfen. Daran sind auch seine Trainer schuld. Es wird höchste Zeit, dass ihm mal jemand hilft.

Joshua Kimmich vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

27. Mai, 17.10 Uhr, Köln-Müngersdorf: Der FC Bayern München steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft, weil zeitgleich Borussia Dortmund gegen Mainz 05 die Schale leichtfertig aus der Hand gibt.
Doch dann verursacht Serge Gnabry dilettantisch einen Handelfmeter. Noch bevor der Strafstoß ausgeführt wird, rennt Joshua Kimmich an die Seitenlinie und bespricht mit Trainer Thomas Tuchel den Matchplan für den Fall, dass der 1. FC Köln zum 1:1 ausgleicht und den Bayern gerade mal noch zehn/zwölf Minuten für den Siegtreffer und die damit verbundene Meisterschaft bleiben.
Dejan Ljubičić verwandelt, Tuchel opfert den erst kurz zuvor eingewechselten Leon Goretzka, bringt Mathys Tel und Jamal Musiala, der in der 89. Minute die Bayern zum Meister macht. Das Szenario zwischen Tuchel und Kimmich dokumentiert, welchen Stellenwert der 28-Jährige beim Coach hat. Kimmich ist Tuchels verlängerter Arm auf dem Platz, nach Eurosport-Informationen soll er ihn als wichtigsten Feldspieler bezeichnet haben.
Auch Vorgänger Julian Nagelsmann pflegte einen besonders engen Draht zu Kimmich, die "Sportbild" berichtete einmal von einer "WhatsApp-Standleitung", auf der sich beide intensiv über taktische Details austauschten.

Didi Hamann: "Kimmich ist kein defensive denkender Spieler"

Kimmichs hohe Wertschätzung unter den Bayern-Trainern begann bereits zur Zeit von Pep Guardiola. Michael Reschke, damals Technischer Direktor bei den Münchnern, bezeichnete die Beziehung zwischen beiden als "ganz besonders". "Jo hat mir mal gesagt, er war vor jedem Training angespannt, er hat sich auf jedes Training gefreut. Pep schenkte ihm Vertrauen und brachte ihn in seiner Entwicklung entscheidend weiter", so Reschke.
Seit vielen Jahren ist Kimmich unumstrittener Stammspieler beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Als einziger Feldspieler stand er in allen Partien der WM 2018, der EM 2021 und der WM 2022 in der Startelf des DFB. Seine Trainer überbieten sich gegenseitig mit Lobeshymnen auf Kimmich, unabhängig davon, ob es um Fußball-Know-how, Führungsqualitäten oder Siegermentalität geht.
Paradoxerweise ist es jedoch vor allem in der jüngeren Vergangenheit keinem Coach gelungen, Kimmichs Repertoire nachhaltig gewinnbringend zu nutzen und ihm die nötige Hilfestellung auf dem Platz zu geben. Kimmich ist kein klassischer Sechser, der als stabilisierender Katalysator vor der Abwehr die Angriffe des Gegners absaugt. Er ist auch keine Zweikampfmaschine, die nur darauf aus ist, den Spielfluss des Kontrahenten zu stören.
"Kimmich ist ein herausragender, intelligenter Fußballer, der als Sechser aber nicht funktioniert, weil er kein defensiv denkender Spieler ist", sagte "Sky"-Experte Dietmar Hamann dem "kicker".
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Der Coach und sein verlängerter Arm: Thomas Tuchel und Joshua Kimmich

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Thomas Tuchel will Joshua Kimmich entlasten

Kimmich ist eher ein Spieler, der vor allem mit Ball viele Lösungen parat hat. Der hohe Passqualität mit Tempo vereint und mit seinen Chipbällen im letzten Drittel vor allem gegen sehr tief verteidigende Mannschaften brilliert.
Bei Bayern und auch beim DFB musste Kimmich allerdings oft beide Rollen gleichzeitig ausfüllen. Er war für die defensive Balance zuständig und sollte zudem aus dem Zentrum heraus die Angriffe ankurbeln. Er führte alle Standards aus und war idealerweise auch noch letzter Passgeber vor dem Abschuss. Sechser, Achter, Zehner - bei Kimmich darf es von allem etwas sein - in einem Spiel.
Kimmich wird mit jeder Menge Aufgaben betraut und seine Einstellung als Profi verbietet es ihm, das eine oder andere auszuschlagen. Er lädt sich enorm viel auf und steht sich dadurch mitunter selbst im Weg. "Joshua ist hungrig, unglaublich hungrig - manchmal vielleicht sogar zu hungrig. Aber von seiner Mentalität kann sich jeder etwas abschauen", sagt Teamkollege Musiala über ihn.
Kimmich wird aufgrund seiner Qualitäten und dem hohen Ansehen, das er bei seinen zahlreichen Trainern genießt, in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Konter-Gegentore werden ihm zur Last gelegt, weil er seine Position auf der Sechs nicht halten konnte. Fällt seiner Mannschaft offensiv nichts ein, wird mit dem Finger auf Kimmich gezeigt, weil seine Chipbälle abgingen. Kimmich hier, Kimmich dort, Kimmich überall.
Die Rolle des Tausendsassa wird ihm jedoch nicht gerecht. Vielmehr bräuchte er Partner auf dem Platz, die ihn entlasten. Thomas Tuchel will genau das tun. Der Bayern-Coach hat das defensive Mittelfeld schnell als Problemzone ausgemacht. Tuchel sieht weder in Kimmich noch in Goretzka oder Ryan Gravenberch den idealen Spieler für der Sechserposition.
Daher war Declan Rice Tuchels Wunschspieler als Abräumer, der aber auch Qualitäten im Spiel nach vorne hat. Der viel umworbene Engländer wechselt jedoch von West Ham United zum FC Arsenal.
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Quelle: Perform

Bayern-Präsident Herbert Hainer: Kimmich ist absoluter Fixpunkt

Mit Konrad Laimer von RB Leipzig haben die Bayern einen Spieler verpflichtet, der laut Hamann diese Rolle "gut ausfüllen kann. Er ist sehr zweikampf- und laufstark und kann gut antizipieren. Ein Sechser muss Räume besetzen, damit du es dem Gegner unmöglich machst, Bälle in gefährliche Zonen zu spielen."
Dass der FC Bayern auch in Zukunft voll auf Kimmich setzt, machte Präsident Herbert Hainer deutlich, als der FC Barcelona öffentlichkeitswirksam um den 28-Jährigen buhlte: "Joshua ist ein absoluter Fixpunkt bei uns. Er ist ein Leader, er ist unser dritter Kapitän. Er hat schon so viele Titel mit uns gewonnen und wird auch in der Zukunft noch viele Titel mit uns gewinnen. Er ist fest in unserem Plan für die Zukunft, um die Mannschaft auch um ihn herum aufzubauen."
Das ist in erster Linie die Aufgabe von Thomas Tuchel. Kimmich kann im zentralen Mittelfeld in die absolute Weltklasse vorstoßen, wenn der Trainer an ein paar Schrauben dreht. Ein Kimmich hier und einer dort würde schon reichen.
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Quelle: Perform

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