Bundesliga-Kolumne: Der FC Bayern als Trainingsweltmeister - überfordert Tuchel seine Spieler? - Der LIGAstheniker

Alarmstufe rot an der Säbener Straße: Der FC Bayern unterliegt dem Schlusslicht der Auswärtstabelle, dem SV Werder Bremen. Thomas Tuchel gibt sich einmal mehr sprachlos ob des blutleeren Auftritts seiner Trainingsweltmeister. Ein Fall für den LIGAstheniker, der im Spiel des Rekordmeisters immer noch keine Handschrift des Trainers erkennen kann und sich einige Sinnfragen stellt - ein Kommentar.

Bayern-Trainer Thomas Tuchel coacht Thomas Müller an der Seitenauslinie

Fotocredit: Getty Images

Liebe SportsfreundInnen, ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen schon mal von den Annehmlichkeiten meines Jobs hier bei Eurosport erzählt habe. Wirklich der beste Arbeitgeber von Welt - sagen wir nach dem FC Bayern.
Neulich nach Weihnachten hat unser Chef alle Kolumnisten, Star-Podcaster und Edelfedern für vier Tage nach "Malle" eingeladen. Neudeutsch: Incentive. Heißt: Binnenklima fördern, Motivation herstellen, ein bisschen Leisure für mehr Leistung am Ende.
Und alles vom Feinsten: 5-Sterne-Hotel am Ballermann, Sangria for free plus Helene Fischer-Privatkonzert - mehr geht eigentlich nicht. Sigi Heinrich war dabei, natürlich Boris Becker, als Spaßbremse durfte ich auch mit. Nur mit der Leistung stimmt es seit dem nicht mehr bei uns: Die Texte voller Schreibfehler, die Klickzahlen gehen runter, Boris ist nicht mal nach Down Under zu den Australian Open gereist, kein Bock.
Unser Chef ist gerade so gut drauf wie Thomas Tuchel seit gestern Abend nach der Bremen-Blamage.

Die Bayern - Trainingsweltmeister!

Das mit Malle stimmt natürlich nicht, das haben Sie längst durchschaut. Welcher Arbeitgeber nimmt heute noch Geld in die Hand, um seine Mitarbeiter bei Laune zu halten. Außer die Bayern natürlich, weltbester Arbeitgeber vor Eurosport.
Die Bayern waren tatsächlich zwischen zwei Spielen an der Urlaubsküste Algarve im Luxus-Resort Quinta do Lago im "Trainingslager". Die Anführung natürlich nur deshalb, weil man ja auch zu Hause hätte trainieren können. "Super trainiert" hätten sie da, haben Tuchel & Co. rumerzählt, dummerweise wird die Bundesliga nicht in Portugal gespielt, sondern bei zwei Grad Celsius in München, gegen Bremen. Am Ende die erste Pleite seit 16 Jahren gegen den ehemaligen Erzrivalen, der heute zu den Abstiegskandidaten zählt. Blamageeee! Ach so, hatte ich schon…

Bayern-Trainer Tuchel ratlos

Der Tuchel Thomas war nach der Blamage nicht nur sauer, sondern vor allem ratlos. Er habe keine Lust mehr, ständig davon zu erzählen, wie gut man Montag bis Mittwoch trainiert habe, wenn am Samstag dann nichts mehr davon zu sehen sei, so ähnlich wird er nach dem Spiel zitiert. Tatsächlich erzählt Tuchel nach jedem Spiel, an dem es Kritik gibt, dass man so wahnsinnig gut trainiert habe. Von den Spielern hört man das eher nicht. Gut, wahrscheinlich kennen die sich methodisch nicht so gut aus.
Als Autor sage ich meinem Chef auch immer, wie gut ich was aufgeschrieben habe, der glaubt das nur nicht immer. Möchte man den Status quo der Bayern also gerade mal herunterbrechen, dann so: Tuchel hat den FC Bayern vom Rekordmeister zum Trainingsweltmeister weiterentwickelt. Heißt wohl: Im Training schlagen die Bayern jeden - Real, Liverpool, völlig egal. Im Spiel aber nicht mal: den SV Werder Bremen? Ob das dem Uli (Hoeneß) so gut gefallen wird?

FC Bayern mit Null Bock auf Bremen!

Also nur noch mal zur besseren Veranschaulichung: Gestern Nachmittag standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die nur nominell den gleichen Sport betreiben, ansonsten in verschiedenen Galaxien unterwegs sind: Bayerns Kaderwert rund eine Milliarde Euro, Werder weniger als ein Zehntel. Wo aber wird der Aufwand, der ganze Invest sichtbar im Spiel des Rekordmeisters? Wo wird sichtbar, welchen Fußball Tuchel mit seiner Hochbegabtenansammlung spielen will? Wo zeigt sich das unfassbare Talent des Kaders?
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Der FC Bayern unterlag Werder Bremen

Fotocredit: Getty Images

Gegen Bremen, so hatte es den Anschein, hatten Sané, Kane und Kimmich schlicht keinen Bock. Kann das sein? Nun ist es eine eigene psychologische Disziplin, 25 Arbeitnehmer mit einem Gehaltsvolumen von 200 Millionen Euro und mehr tagtäglich bei Laune zu halten. Ole Werner muss die nicht beherrschen, Thomas Tuchel schon. Kann er das nicht? Zumindest nicht kontinuierlich?

Wer spielt für Tuchel?

Oder anders gesagt: Steht ihm gar sein Naturell entgegen? Der sehr ehrgeizige Trainer Tuchel, der trotz großer Erfolge immer noch im Schatten der Epigonen Pep Guardiola und Jürgen Klopp steht, ist sichtbar und nachweislich nicht in der Lage, in den Umkleidekabinen der Klubs, die ihn verpflichten, für ein vergleichbares Wohlfühlklima zu sorgen. Die Lobeshymnen der Spieler (von BVB bis Liverpool) über Kloppo sind Legende; die Art und Weise wie Ilkay Gündogan nach seinem Abschied bei ManCity über Pep geschwärmt hat - herzzerreißend.
Und Tuchel? Wer schwärmt für Tuchel? Der klang gestern Abend so: Ich kenne den Leroy (Sané) ja gut, der brauche immer mal ein, zwei Minuten, um die Dinge, die ihm nicht so schmecken, verdauen zu können. Warum tut Tuchel das, noch dazu öffentlich? Ich kenn‘ den Leroy ja nicht so gut, aber ob der Leroy am Mittwoch gegen Union Berlin (20:30 Uhr, Liveticker bei Eurosport) jetzt große Lust bekommen hat, den Zünder zu ziehen für ein einzigartiges spielerisches Feuerwerk?

So lustlos wird Bayern nicht Meister

Für den Trainer, man denke an die Zeit mit Hansi Flick, spielt bei den Bayern derzeit keiner. Kimmich & Co. gehen zur Arbeit. Mehr nicht. Das reicht vielleicht noch bei Eurosport, Deutscher Meister wird man in der Bundesliga, Spielzeit 2023/2024, so nicht.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors / Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als LIGAstheniker das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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"Kann ich nicht erklären": Tuchel konsterniert von Teamleistung

Quelle: Perform

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