Taktik-Trend der Bundesliga-Saison 2023/24: Leverkusen und Stuttgart zeigen: Die Doppelsechs ist zurück

Während der Vormarsch der Dreierkette in der abgelaufenen Saison abgeflacht ist und auch wieder viele Mannschaften auf eine Viererekette setzen, hat sich ein klarer Taktik-Trend eine Ebene weiter vorne herauskristallisiert: Die Doppelsechs ist zurück! Das zeigen auch die beiden stärksten Teams. Eurosport.de erklärt im Taktik-Check, warum so viele Trainer auf zwei Spieler vor der Abwehr setzen.

Leverkusen schreibt Geschichte: Der erste ungeschlagene Meister

Quelle: Perform

Fast alle Mannschaften, die erfolgreichen und meist auch dominanten Fußball spielen, greifen auf zwei defensive Mittelfeldspieler zurück.
Unabhängig von 4-4-2, 4-2-3-1 oder 3-4-3 setzen viele Trainer auf diese Konstellation vor der Abwehr.
Vor allem die zwei Überraschungsmannschaften der Saison, Leverkusen und Stuttgart, spielen mit einer hervorragend harmonierenden Doppelsechs.
Beim VfB teilen sich Atakan Karazor und Angelo Stiller die Aufgaben im defensiven Mittelfeld, bei Leverkusen wechseln sich Robert Andrich und Exequiel Palacios an der Seite von Chef-Stratege Granit Xhaka ab.

Aufgabentrennung? Alleskönner!

In der Vergangenheit war die Doppelsechs oftmals durch eine klare Aufgabenteilung geprägt: ein Taktgeber mit feinem Fuß und ein (lauf)starker Spieler als Abräumer und Zuarbeiter – man denke an Schweinsteiger-Khedira oder Pirlo-Gattuso.
Heutzutage ist von dieser klaren Trennung der Zuständigkeiten fast nichts mehr zu sehen.
Natürlich ist ein Karazor bei Stuttgart ein wichtiger Faktor bei der Absicherung, da er seine Position vor der Kette klar hält und viele (Gegen)Angriffe abfängt. Trotzdem ist er ein elementarer Bestandteil des Spielaufbaus und Übergangsspiels.

Wo Andrich und Kroos Unrecht getan wird

Auch Robert Andrich ist sowohl bei Leverkusen als auch in der Nationalmannschaft so viel mehr als "nur" der gefährlich aussehende, körperlich starke Abräumer. Er dribbelt freie Räume an, hat ein hervorragendes Passspiel und hat sich in dieser Saison vor allem als sehr gefährlicher Distanzschütze präsentiert.
Andersrum tut man Spielgestaltern wie Stiller bei Stuttgart oder auch Toni Kroos bei Real Madrid oder der Nationalmannschaft Unrecht damit, sie auf den Spielaufbau zu reduzieren. Spätestens in den Halbfinalspielen gegen den FC Bayern sollte auch dem Laien aufgefallen sein, wie gut Kroos verteidigen kann.
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Kroos y Kane, Real Madrid-Bayern

Fotocredit: Getty Images

Defensives Verhalten beinhaltet mehr als auffällige Zweikämpfe, spektakuläre Grätschen oder das vielzitierte "Zeichensetzen" – Antizipation, Positionsdisziplin und vor allem Timing sind die Zauberwörter.
Kroos gewinnt enorm viele Bälle dadurch, dass er einfach zwei Schritte vorwärts macht, um den Passwinkel für den Gegner zu erschweren – oder mit einem kurzen Kontakt im Rücken des Gegenspielers, der ihn dann aus der Balance bringt.

Lockvögel und Rhythmusbestimmer

In Ballbesitz haben die beiden Spieler auf der Doppelsechs in dieser Saison oft die Aufgabe, den Gegner anzulocken. Immer wieder sieht man beide Sechser sehr nah an der eigenen Abwehrkette.
Der Gedanke dahinter: Der Gegner muss viele Spieler ins Pressing bringen, um sowohl die Abwehrkette als auch die Sechser unter Druck zu setzen. Ein oft gesehenes Muster ist der kurze Pass eines Innenverteidigers frontal auf einen der Sechser.
Mit diesem Zuspiel wird ein gegnerischer Mittelfeldspieler dazu animiert, vorzurücken. Weil der Sechser den Ball jedoch oft einfach zurückklatschen lässt, kann der Innenverteidiger (mit Blick zum gegnerischen Tor) in den freien Raum dahinter spielen.
Nicht nur Topteams wie Leverkusen und Stuttgart nutzen diese Abläufe, auch weniger prominent besetze Mannschaften wie Werder Bremen in der Bundesliga oder Brighton in der Premier League locken ihre Gegner so an und überspielen dann eine Ebene.

Auch Nagelsmann nutzt die moderne Doppelsechs

Dieses Anlocken und Überspielen bedeutet ein Dilemma für den Gegner: Lässt man sich auf das Spielchen ein, öffnet man ständig das Zentrum. Rückt allerdings kein Mittelfeldspieler vor, können die Spieler auf der Doppelsechs sich mit dem Ball drehen und haben das Feld vor sich.
Ein sogenannter "freier Fuß" im Mittelfeld ist auf dem Toplevel immer gefährlich – schließlich ist das ein Signal für schnelle Flügelspieler wie zum Beispiel Frimpong bei Leverkusen, einen Lauf in die Tiefe zu starten.
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Leverkusens Jeremie Frimpong traf gegen Eintracht Frankfurt zum zwischenzeitlichen 4:1

Fotocredit: Getty Images

Zwei Alleskönner, die sehr nah aneinander agieren sind schwer unter Druck zu setzen und öffnen Räume für die Künstler zwischen den Linien. Ein Modell, das wir sicherlich auch bei der EM genau beobachten können: Kroos-Andrich ist ein perfektes Beispiel für eine moderne Doppelsechs, die verteidigen kann und gleichzeitig Impulse im Spielaufbau setzt. Wer sie stören will, geht das Risiko ein, große Räume für Jamal Musiala und Florian Wirtz zu öffnen.
Eurosport-Check: Aufgabenteilung Adé! Die moderne Doppelsechs funktioniert nur mit zwei Alleskönnern, die dem Team defensiv wie offensiv helfen. Leverkusen und Stuttgart haben vorgemacht, wie dominanter und erfolgreicher Fußball mit zwei Sechsern aussehen kann. Der Bundestrainer wird genau hingeschaut haben und vor der Europameisterschaft noch weiter an der Feinabstimmung des gut harmonierenden Duos Kroos-Andrich arbeiten.
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Hoeneß überwältigt von "Wahnsinnssaison" vom VfB

Quelle: Perform


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