Drei Dinge, die bei Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern München auffielen: Die wahren Signale des Meister-Gipfels

Spitzenspiel ohne Sieger - aber mit klaren Erkenntnissen. Der FC Bayern bleibt nach dem 0:0 bei Bayer Leverkusen auf Titelkurs in der Bundesliga, doch das Spiel offenbarte Schwächen: Die Münchner zeigten sich historisch harmlos, während Bayer den entscheidenden Punch vermissen ließ. Die Vorentscheidung im Titelkampf? Was sagt dieses Duell über die Kräfteverhältnisse aus? Drei Dinge, die auffielen.

Bayer-Coach Alonso: "War unser bestes Spiel gegen Bayern"

Quelle: Perform

Lattenglück, kaum Chancen - aber ein großer Schritt zum Titel: Der FC Bayern hat den Angriff von Bayer 04 Leverkusen abgewehrt und den Rivalen auf Distanz gehalten.
In einem hitzigen Bundesliga-Meistergipfel erkämpfte sich der erschreckend ungefährliche Rekordmeister mit reichlich Dusel ein 0:0 beim Double-Gewinner aus Leverkusen.
Die Vorentscheidung im Meisterkampf ist zwar vorerst ausgeblieben, der Vorsprung des Spitzenreiters beträgt aber weiter komfortable acht Zähler.
Bayern bleibt im Kampf um die Vormachtstellung im deutschen Fußball zum sechsten Mal nacheinander gegen Leverkusen sieglos und wartet seit September 2022 auf einen Erfolg - doch der Punktgewinn half dem Tabellenführer aus dem Süden deutlich mehr als den Leverkusenern, die ihre vielleicht letzte große Chance auf neue Spannung im Meisterrennen ungenutzt ließen.
Drei Dinge, die uns in Leverkusen auffielen.

1.) Dieser Makel kostet Leverkusen die Titelverteidigung

Die Reise nach Glasgow hat Kraft gekostet, die Beine der Bayern sind schwer, der Kopf eventuell etwas müde. All das war Bayer-Coach Xabi Alonso bewusst - und in einer vollen Trainingswoche hatte er sein Team extra heißgemacht. Er bot zum Meister-Gipfel nicht nur einen Aggressive Leader auf, sondern satte elf! Sie machten den Bayern das Leben zur Hölle.
Der Gegner wurde regelrecht gejagt, Mann gegen Mann über das ganze Feld. Solch ein System funktioniert nur, wenn die Mannschaft topfit ist und von der Idee des Trainers überzeugt.
picture

Bundesliga: Edmond Tapsoba zieht ab - Bayer 04 Leverkusen vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Negativ: Sie vergaßen den Punch. Das, was den Meister der vergangenen Saison auszeichnete, fehlte gegen die Bayern. Vier Großchancen standen zu Buche - darunter zwei Alu-Treffer - und der quasi Last-Minute-Fehlschuss von Florian Wirtz.
Ein Makel, der die Werkself am Saisonende (wahrscheinlich) die Titelverteidigung kosten wird. Die Möglichkeiten sind weiterhin da, aber Bayer 04 traf gegen den FCB eben zum 15. und 16. Mal in dieser Bundesliga-Saison Pfosten oder Latte, das ist alleiniger Ligahöchstwert (vor den Bayern, 14). Erstmals seit Dezember 1997 (!) trennte sich Bayer zudem in zwei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen 0:0.
Leverkusen war die aktivere, die bessere Mannschaft, die drei Punkte verdient gehabt hätte und Bayern an den Rand der zweiten Saison-Niederlage kickte. Es gibt nicht viel zu kritisieren, die Frage, warum Alonso nicht früher offensiver wechselte, darf dennoch gestellt werden. Patrick Schick kam erst in der Nachspielzeit, Victor Boniface komischerweise gar nicht.
picture

Alonso nach Gipfel: "Tabelle und Ergebnis könnten besser sein"

Quelle: Perform

"Wir haben es fast perfekt gemacht. Am Ende war es nicht genug. Aber von dieser Leistung können wir viel Positives mitnehmen. Die Saison ist noch nicht vorbei!", blickte Alonso kämpferisch nach vorne. Auch wenn am Ende keine drei Punkte heraussprangen, er bleibt Bayerns Angstgegner.
Der Spanier hat in sechs Duellen als Coach noch nie gegen den Rekordmeister verloren. In der Champions League können die beiden Teams bald aufeinandertreffen.

2.) FC Bayern historisch zahnlos

Zuletzt passierte es im Oktober 2011 in Hoffenheim, fast 14 Jahre später war die aggressive Spielweise des Deutschen Meisters, Bayer Leverkusen, der Grund dafür. Kein Torschuss in der ersten Hälfte vom FC Bayern - trotz Kane, Olise, Coman, Musiala! xGoals-Wert: NUUUULLL! Warum zahnlos statt bissig und hungrig wie gewohnt?
Weil die Münchner sich von Leverkusens vermeintlich defensiver Aufstellung - ohne die Stürmer Victor Boniface und Patrick Schick - täuschen ließen. Alonsos Team kam nur auf dem Papier defensiv daher, auf dem Rasen presste es so hoch, dass sämtliche Offensivkräfte des FCB hinten gebraucht wurden.
Coman und Olise fanden sich völlig entgegen ihrer Natur in der letzten Reihe wieder, Kane versuchte sich phasenweise, die Bälle aus dem eigenen Strafraum zu holen. Kein Wunder, dass da offensiv nichts passierte. Musiala wäre jemand gewesen, der Akzente hätte setzen können, doch von ihm kamen keine Impulse. Kam er an den Ball, standen ihm drei Gegner auf den Füßen.
Er wurde viel gefoult. In den sozialen Medien wurde parallel dazu schon geunkt, ob er wohl noch das Handgeld der Vertragsverlängerung mit sich herumtrage und dieses ihn so langsam machte.
picture

Kompany betont nach 0:0 bei Bayer: "Fast 100 Tore geschossen"

Quelle: Perform

In der Bilanz der ersten 45 Minuten standen lediglich zwei Strafraumaktionen für den FC Bayern überhaupt, wohingegen Leverkusen auf sieben Torschüsse kam - darunter zwei Alu-Treffer. Das 0:0 zur Pause war schmeichelhaft für den Spitzenreiter, zumal es ihm auch im zweiten Abschnitt nicht gelang, offensiver zu werden.
Ein Viererwechsel in der 68. Minute verpuffte. Um die 70. Minute tauchte immerhin der erste Torschuss in der Statistik auf. Kanes Versuch wurde abgeblockt, bevor er aufs Gehäuse kam. Bayern gab im gesamten Spiel nur zwei Torschüsse ab - das ist neuer Vereinsnegativrekord seit der Datenerfassung 2004.
Dass die nächste Meisterschaft dennoch greifbar ist, dürfte allerdings ein gutes Trostpflaster sein.

3.) FC Bayern im gefährlich roten Bereich

Die Strapazen sind sichtbar. Die bislang erfolgreichen Leistungen in der Bundesliga und Champions League beginnen schon Mitte Februar, ihren Tribut zu fordern.
Die Bayern sind in der Lage zu kämpfen, sie hielten die Null am Ende natürlich mit einer gewissen Portion Glück, aber auch mit Entschlossenheit, Qualität und Zusammenhalt. Der Defensivverbund kann kompakt sein - selbst gegen einen Deutschen Meister in Bestform.
picture

Bundesliga: Der FC Bayern München zu Gast bei Bayer 04 Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Die Offensivspieler arbeiten mit nach hinten, Musiala - wenn er schon keine magischen Momente kreieren kann - wirft sich immerhin in Zweikämpfe. Er gewann deren elf von insgesamt 19. Dayot Upamecano entschied elf von 16 für sich.
Das sind wichtige Voraussetzungen für die kommenden Partien. Es geht nun weiter Schlag auf Schlag für den FCB mit dem Playoff-Rückspiel gegen Celtic am Dienstag, der Traum vom "Finale dahoam" lebt weiter. In der Bundesliga kann der Spitzenreiter die Zügel nicht schleifen lassen, Leverkusen wird auf Patzer lauern. Und dass so wenig offensiv geht wie gegen die Alonso-Auswahl, ist ein Warnsignal.
Wo war das Aufbäumen? Die Antwort auf so viel Druck? Da kam für ein Spitzenspiel eindeutig zu wenig. "Es war das erste Mal, dass wir keinen Zugriff hatten. Aber die Moral hat gepasst. Wir sind sehr glücklich über den Punktgewinn", bilanzierte Sportvorstand Max Eberl. Aber auch er wusste, dass das eher "bayern-untypisch" ist.
Zur Meisterschaft mag die Kraft dieser Mannschaft reichen, hinter dem ganz großen Coup steht noch ein großes Fragezeichen.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: BVB kassiert Derby-Pleite beim Schlusslicht
picture

Freund sicher: "Musiala wird Weltfußball und FC Bayern prägen"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung