Borussia Dortmund: Starke Ausbeute, viel Arbeit für Moderator Sahin - das sind die Baustellen des neuen Trainers

Mit Blick auf die Resultate ist Borussia Dortmund gut in die Saison gestartet. Auf den zweiten Blick ist das neue Konstrukt - verständlicherweise - aber noch nicht so gefestigt, wie es sein soll. In der Defensive täuschen Spielglück und Torwart Gregor Kobel über Lücken hinweg, in der Offensive wirkt der BVB teilweise ideenlos. Dazu gibt es Nebenbaustellen, an denen Trainer Sahin nun arbeiten muss.

SotipptderBoss: VfB Stuttgart knöpft BVB wichtige Punkte ab

Quelle: Eurosport

Der VfB Stuttgart zeigte in der Vorsaison vieles, was der BVB gerne gehabt hätte: Schnellen Fußball, Marktwertsprünge am laufenden Band, Euphorie überall - und natürlich die Vize-Meisterschaft.
Ganz wie sich das für einen großen Klub gehört, nahm sich der BVB nach Ablauf der Spielzeit dann auch sein Stück vom VfB-Kuchen und lotste sowohl Kapitän Waldemar Anton, als auch Topstürmer Serhou Guirassy ins Ruhrgebiet.
Am Sonntag (ab 17:30 Uhr im Liveticker) kehren die beiden Ex-Stuttgarter in die MHP-Arena zurück und gerade Anton darf sich wohl auf einen unsanften Empfang gefasst machen.
"Ich bin da realistisch – und habe selbstverständlich die ganze Wut und Enttäuschung vieler Fans mitbekommen", sagte Anton, der versprach, mit den Reaktionen "umgehen" zu können.
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Hoeneß: "Freue mich auf Anton und Guirassy"

Quelle: Perform

Der Innenverteidiger kämpft in Dortmund aktuell um seinen Platz, Angreifer Serhou Guirassy muss sich diese Gedanken nicht machen - 72 Minuten gegen den 1. FC Heidenheim reichten, um zu zeigen, dass er der entscheidende Baustein der BVB-Offensive sein kann. Im Grunde war die erste Halbzeit gegen Heidenheim das Beste, was die Dortmunder unter Sahin bisher zeigten.
Der 28-Jährige belebte das Kombinationsspiel, indem er sich immer wieder anbot, Bälle festmachte und verteilte und als klassischer Zielspieler als Orientierungspunkt diente. Sahin bezeichnete Guirassy als "ganz klassischen Neuner", den er "unbedingt auf dem Platz haben" wolle. "Er hat sehr, sehr viel gebracht. Seine Präsenz, wie er Fouls zieht und Bälle festmacht, wie schnell er das Spiel versteht, in welchen Räumen er sich bewegt und wie clever er ist", lobte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl seinen Sommer-Einkauf.

Der BVB braucht Guirassy und die jungen Wilden

Einen Spieler wie Guirassy in den Kader zu holen, war ohne Frage die wohl wichtigste Aufgabe der Dortmunder Kaderplaner im Sommer - allerdings ist das Offensivspiel noch zu sehr von seiner Präsenz abhängig - wie die bisherigen Auftritte der noch jungen Saison gezeigt haben.
Im Champions-League-Spiel gegen den FC Brügge (3:0) war Dortmund über weite Strecken nicht gerade überlegen, kam selten so richtig gefährlich vor das Tor des klaren Außenseiters. Im eigenen Strafraum verhinderten die Latte und eine gute Leistung von Torwart Gregor Kobel, dass der BVB in Rückstand geriet.
Erst die Einwechslung des jungen Jamie Gittens brachte die Wende. Der Engländer traf wie schon zum Bundesligaauftakt gegen Eintracht Frankfurt doppelt und darf sich abermals Hoffnungen auf eine Startelfnominierung gegen Stuttgart machen.
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Sahin lobt Joker: "Waren ausschlaggebend"

Quelle: Perform

Auch der 18-jährige Julien Duranville könnte bald größere Ambitionen anmelden. Erst kürzlich gab der Belgier sein Debüt in der Nationalmannschaft - beim BVB fand Sahin bisher noch nicht den richtigen Zeitpunkt, den talentierten Offensivmann von der Leine zu lassen. "Ich habe mir auch die Sequenzen angeguckt. Das ist genau das, was wir uns erhoffen“, betonte Sahin, der den Belgier behutsam aufbauen will, allerdings ohne eine "Handbremse" zu sein.
Wie lange sich die jungen Wilden noch mit ihren Reservistenrollen zufriedengeben, könnte mittelfristig zum Thema werden. Trainer Sahin ist als Moderator gefragt. Dass das grundsätzlich zu seinen Stärken gehört, zeigte er im souveränen Umgang mit einer weiteren Nebenbaustelle, die sich unter der Woche auftat: Die Unzufriedenheit von Marcel Sabitzer.
Der Österreicher fühlt sich am ehesten als Spielgestalter im zentralen Mittelfeld zuhause, "musste" gegen Brügge aber auf der rechten Außenbahn spielen und fand überhaupt keinen Zugriff auf die Partie.
Entsprechend frustriert äußerte er sich nach dem Spiel in der Mixed-Zone. Er "respektiere die Entscheidung des Trainers", wurde inhaltlich aber deutlich: "Die Sechs ist besser. Es ist so ein anderes Spiel für mich als im Zentrum, nicht die Idealposition".

Guter Start auf wackeligen Beinen

Sahin reagierte sicher, erklärte, dass er über die Problematik Bescheid wisse, aber eine klare Vision für Sabitzer gegen Brügge hatte. "Ich weiß aber, dass seine ideale Position auf der Doppelsechs ist. Da wird er Spiele für uns machen und richtig gut spielen", sagte der Coach abschließend.
Auch Kapitän Emre Can öffnete eine Nebenbaustelle. Er fühle sich von der Öffentlichkeit "ungerecht behandelt", erklärte der Führungsspieler vor dem Spiel in Brügge und brachte seinen Trainer damit in die unangenehme Situation, dass ein erneuter Bankplatz von Can für Aufsehen sorgen würde. Der 36-jährige Cheftrainer stellte den deutschen Nationalspieler auf und fand auch auf der Pressekonferenz versöhnliche Worte in Bezug auf den zentralen Mittelfeldmann. "Wenn Emre das so fühlt, ist das sein Recht. Sie haben gerade einen sehr ehrlichen Menschen erlebt". Damit beruhigte er das Geschehen - trotzdem zeigte dieses Beispiel, wie fragil die scheinbare Ruhe bei einem Verein wie dem BVB eigentlich ständig ist.
Im Pokal weitergekommen, mit sieben Punkten aus drei Spielen erster Bayern-Verfolger in der Bundesliga und den Auftakt in die Champions-League-Ligaphase gemeistert. Objektiv - und das gilt es zu betonen - hat der BVB einen guten Saisonstart hingelegt.
Und doch lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was der Vorjahres-Fünfte bisher auf den Platz gebracht hat und welche Baustellen neben dem Platz aufkochen. Bisher geht Sahin gut damit um, beweist seine Stärke als Moderator. Der gute Saisonstart steht aber noch auf wackeligen Beinen - und muss nun dem VfB Stuttgart standhalten.
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Sahin nach Gittens-Doppelpack: "Er ist auf den Geschmack gekommen"

Quelle: Perform


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