Bundesliga-Kolumne - der Ligastheniker: FC Bayern lässt im Topspiel gegen Bayer Leverkusen gute Chance liegen
Publiziert 30/09/2024 um 10:49 GMT+2 Uhr
18:3 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - aber am Ende nicht gewonnen. Der FC Bayern München hat beim 1:1 im Topspiel gegen Bayer Leverkusen die Chance liegen lassen, den deutschen Meister früh in der Saison auf sechs Punkte zu distanzieren. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft unter Trainer Vincent Kompany auf einem sehr guten Weg ist. Ein Kommentar.
Kompany trotz Remis zufrieden: "Sah aus, wie ein Topspiel"
Quelle: Perform
Irgendwie niedlich, wie Thomas Müller nach dem Wiesnspitzenspiel in der Südkurve steht und, von den Mikros der TV-Kameras hörbar eingefangen, inbrünstig den Altschlager der Liga grölt: "Deutscher Meister wird nur der FCB". Quasi das bekannteste Volkslied der Bundesliga.
Was man nach dieser kurzen Gesangseinlage schon mal sagen kann: Wenn der Müller Thomas so weitermacht, dann kann er seine 86 Minuten auf der kalten Arenaersatzbank auch sinnvoller verwenden und sich und sein Stimmchen in den Dienst etwa des Tölzer Knabenchors stellen.
Sein Timbre, seine Zwerchfellatmung, die Kopfstimme - als ehemaliger Regensburger Domspatz traue ich mir so viel Expertise von außen durchaus zu - der Müller hat eine tolle Knabenstimme.
Die sportliche Frage ist vielleicht eher, ob der Leitwolf der Bayern hier vor allem großen Zweckoptimismus zur Schau singt oder tatsächlich so angetan war von der Leistung seiner Mannschaft ohne ihn, dass er den Glauben an das wieder gefunden hat, was bis letzte Saison Ligagesetz war: Die Bayern vor allen anderen.
Bayern oder Bayer: Wer hat die Liga-Macht?
Was also ist das Ergebnis dieses ersten wirklichen Spitzenspiels der noch frischen Saison? 1:1 werden Sie sagen, schon klar, aber was besagt das? Welche Indizien sendet das Spiel aus für den weiteren Verlauf der Spielzeit, was kann man hochskalieren, um heute schon eine vernunftbegabte Ahnung darüber zu bekommen, wer am Ende tatsächlich ganz oben stehen könnte?
Tatsächlich wieder Platzhirsch Bayern, der sich unter Vincent Kompany im Rekordtempo von der letztjährigen Schmach erholt hat oder doch wieder das Alonso-Bayer, das nicht nur Titel kann, sondern auch Titelverteidigung?
Für den "SPIEGEL" war es "Das Spiel um die Macht", nicht weniger. Die Ligamacht, so kann man das Ergebnis nun also werten, ist eine zwischen Bayern und Bayer geteilte.
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Spektakel bleibt aus: Bayer-Bollwerk hält Bayerns Torlawine auf
Quelle: SID
Fakt: Die Bayern sind aktuell die Besten
Und doch mit spürbarem Ausschlag Richtung Süden: Die Bayern sind derzeit das beste Team der Liga, das haben sie gegen den Meister druckvoll untermauert. Wohl kaum aber, wie am Wochenende überall zu hören war, wegen seines besseren Kaders. Das ist eher Schlagzeile als Wesensgrund.
Warum sollten die Bayern besser besetzt sein als Leverkusen, das mit seinem Kader, der in seiner Struktur unverändert blieb, im letzten Jahr den schönsten und erfolgreichsten Fußball einer deutschen Klubmannschaft seit Jahren gespielt hat?
Das Momentum ist ein anderes: Die Bayern glauben wieder an sich. In Sachen Überzeugung und Betriebsatmosphäre hat der neue Trainer Vincent Kompany in den ersten Wochen offenbar schon wahre Wunderdinge bewirkt.
Die Bayern platzen geradezu vor Selbstgewissheit, man kennt das aus den Marvel-Comics, wenn den Superhelden im engen Anzug die Brust schwillt und dann wird Gegner Bayer Leverkusen, mit der Peitsche in der Hand, in der eigenen Hälfte zusammengepfercht wie eine Rinderherde in einer viel zu engen Stallung. "Deutscher Meister wird nur der FCB" - so spielen die Bayern gerade auch.
Kann bayer Leverkusen Titelverteidigung?
Im Gegensatz dazu wirkt der Sensationsmeister aus Leverkusen momentan zögerlich und nachdenklich, so als spürte er gerade jetzt: Einen Titel zu gewinnen ist das eine, ihn zu verteidigen noch mal was ganz anderes. Wann hat es das im Bayer-Spiel das letzte Mal gegeben, dass der Angriff so gar nicht angriff? Also gar nicht stattgefunden hat.
Hat Boniface mitgespielt? Wo ist diese Selbstverständlichkeit an der Ballzirkulation geblieben, wo die Ergebnisignoranz, mit der man noch im letzten Jahr ein halbes Dutzend Spiele und mehr in der Nachspielzeit gedreht hat?
Die Erleichterung über das Ergebnis war Xabi Alonso nach dem Spiel anzumerken, er hatte offenbar mit dem Schlimmsten gerechnet. Das Spiel habe man gebraucht, so Alonso. Das Spitzenspiel als eine Art Aufbauspiel für das eigene Ego, das nicht mehr auf der Meisterwelle schwingen kann, der Bayer-Flow muss ab sofort wieder jeden Tag hart erarbeitet werden.
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Alonso über Defensiv-Taktik: "Waren bereit, zu leiden"
Quelle: Perform
Selbstzweifelnde Leverkusener retten sich über die Zeit
So deutlich die Dynamik auf dem Feld auch war, in der Tabelle ist alles noch nah beieinander. Man kann auch sagen: Das selbstzweifelnde Bayer rettet sich bisher ganz gut über die Zeit. Und erinnern wir uns: Auch letztes Jahr war Leverkusen in der ersten Saisonhälfte gut, aber gerade in der zweiten nicht mehr zu stoppen.
Kompany muss also sehr daran gelegen sein, den Augenblick zahlenmäßig zu nutzen und genau in der jetzigen Phase so viele Punkte wie möglich zwischen Bayern und Bayer bringen. Insofern war das Unentschieden vom Samstagabend nicht nur das Ende der bayerischen Siegesserie, sondern auch eine verpasste Gelegenheit, den Vorsprung auszubauen und die alte Hierarchie wieder einzuschalten.
Längst ist nicht ausgemacht, ob stimmt, was der Müller Thomas gerne seinen Fans entgegenträllert: "Deutscher Meister wird nur der FCB."
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Kane gegen Bayer verletzt raus: Kompany bezieht Stellung
Quelle: Perform
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