Bundesliga-Kolumne LIGAstheniker: Die Tops und Flops der Saison: Olise als Überspieler und ein bitteres Klopp-Jahr
Update 19/05/2025 um 16:27 GMT+2 Uhr
Die Bundesliga-Saison 2024/25 ist Geschichte. Am Ende blieben die ganz großen Überraschungen zwar aus, reichlich Erzählstoff über Überflieger und Under-Performer bot die abgelaufene Spielzeit dennoch. Der LIGAstheniker wirft einen Blick zurück und widmet sich in seiner Abschlusskolumne den Tops und Flops der 34 Spieltage und 18 Vereine. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Zwei Meisterschalen auf dem Balkon: Bayern-Teams lassen's krachen
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
die Saison 24/25 war eine mäßig innovative und spannende Spielzeit, das kann man wohl sagen. Zu früh stand fest, was am 34. Spieltag schließlich herauskam: Die Bayern waren die meiste Zeit an der Tabellenspitze und wurden Meister; Bochum und Kiel waren von Beginn an die Schlusslichter und stiegen ab.
Einzig die Qualifikation um die Champions League-Plätze war bis zuletzt umkämpft, aber die europäische Geldtopf-Quali bewegt eben auch nur bedingt die Gemüter echter Fußballromantiker.
Am Ende reichte es in der Abschlusstabelle für Frankfurt und Dortmund - und Freiburg knapp nicht. So als kleiner Erinnerungsleitfaden die Bilanz einer Saison, die womöglich schnell vergessen sein wird:
TOPS
Es war ein Fußball-Jahr der großen wenn auch weniger bekannten Trainerpersönlichkeiten, die viele nicht so groß auf dem Zettel hatten.
Der völlig unaufgeregte Schlacks Dino Toppmöller, der die Eintracht auch ohne den im Winter abgegangenen Superstar Omar Marmoush in die Champions League führt, als wäre das sein Daily Business; der Christian Streich-Nachfolger Julian Schuster, der ob der Bürde seines Vorgängers zum Scheitern verurteilt ist und dann Freiburg eine Saison spielen lässt, die auch Streich kaum so hinbekommen hätte.
Die Souveränität der gefühlt achten bayerischen Tuchel-Nachfolger-Notlosung Vincent Kompany, der den FCB mit sich selbst versöhnt und wieder titelfähig gemacht hat; der wilde Wikinger Bo Henrik, der den FSV Mainz zwischenzeitlich auf Champions League-Niveau hatte und sein Landsmann Jess Thorup, der den FC Augsburg zu einer historischen Erfolgsstrecke von elf Spielen ohne Niederlage führt, dem am Ende aber etwas die Puste ausgeht, was Thorup den Job kosten könnte.
Merke: Ein großer Trainer muss keinen großen Namen tragen!
Olise, der Überflieger
Ich habe lange überlegt, ob ich mich über Harry Kane lustig machen sollte – ich mache es jetzt doch nicht. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Titel Deiner Karriere, Harry! Watch Out: Es könnte Dein letzter sein …
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Michael Olise (r.) spielt seit Sommer 2024 für den FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Mein Spieler der Saison: Michael Olise von den Bayern. Bei der Meisterfeier am Sonntag war er zu schüchtern sich die Schale zu schnappen und sich von den Fans feiern zu lassen, tatsächlich ist der 23-jährige Franzose die Entdeckung des Jahres.
Sein explosiver Antritt im Eins-zu-Eins, seine gedankliche Schnelligkeit, sein Blick für den besser postierten Mitspieler und dabei auch noch selbst torgefährlich (insgesamt 38 Scorerpunkte) machen ihn – trotz Kane und Musiala - zum vielleicht wichtigsten Player bei den Bayern.
Allerdings: Kaum vorstellbar, wie die Bayern ihre offensive Explosivität kanalisieren wollen, sollte Florian Wirtz wirklich noch zu Musiala und Olise dazudribbeln.
tradition zurück in der bundesliga
Mit dem 1. FC Köln und dem Hamburger SV kehren zwei Traditions-Schwergewichte in die 1. Liga zurück und werten sie zugleich deutlich auf. Erstligafußball ohne Effzeh und HSV ist immer ein bisschen wie Karneval ohne Rosenmontagsumzug.
Aber, und das sage ich ganz bewusst dazu: Sollte dieser saarländische Wald- und Wiesenverein SV Elversberg (13.000 Einwohner, dabei über 5000 Vereinsmitglieder) in der Relegation gegen Heidenheim den Aufstieg in die erste Liga schaffen, wäre die Kombi aus diesen drei Klubs für mich persönlich die allerschönste Mischung aus Tradition und Geld, Spiel und Romantik.
FLOPS
Die Abgänge von Thomas Müller und Xabi Alonso werden der Liga noch nachhaltig wehtun. Der sportliche Allesgewinner (34 Titel) und Karl Valentin des modernen Profifußballs wird aufgrund seines kommunikativen Talents und seiner Sonderstellung als "Mister MIA SAN MIA" nicht ersetzbar sein. Ab jetzt wird es an den Spieltagen langweiliger und beliebiger werden, das wird man sofort merken.
Und dass Xabi Alonso, der nicht halb so lustig war wie Müller aber eben ein Weltstar, gerade dann geht, wenn man eigentlich eine Ära prägen könnte, zeigt einmal mehr, dass die Ausbildungsliga Bundesliga für die ganz Großen keine finale Perspektive ist. Daran ändert auch die Ausnahme der Regel - Harry Kane - nichts.
Schlechtes Zeugnis für Klopp
Willkommen in der Mittelmäßigkeit, lieber Rasenballsportverein Leipzig. Platz 7 heißt, keine Teilnahme am europäischen Fußball, das ist bei dem Investment und der Legende, dass hier junge Fußballer besser ausgebildet werden als anderswo natürlich ein vernichtendes Zeugnis.
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RB Leipzig hat das internationale Geschäft verpasst
Fotocredit: Getty Images
Leipzig ist, so muss man es wohl sagen, der große Saisonverlierer. Auffallend: Just in dem Moment, als Jürgen Klopp seinen Posten als Head of Bullenfußball antrat, gingen bei Leipzig alle sportlichen Lichter aus.
Jetzt fragt sich der Datenanalyst natürlich: Ist das kausal zu verstehen oder nur korrelativ? Das gleiche übrigens in Liverpool: Kaum ist Klopp weg, werden sie wieder Englischer Meister. Man kann also durchaus sagen: Es war kein gutes Jahr für Kloppo!
Ein schlechter Wi(r)tz
Das Fußballjahr 2025 wird zumindest in Deutschland als das Jahr eingehen, in dem eine finanzpolitische Schallmauer durchbrauchen wurde. Während sich die Menschen im Land aufgrund Inflation und allgemeiner Teuerung immer weniger leisten können, hat die Bundesliga das 20MplusX-Gehalt aufgelegt.
Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: 20 Millionen plus X. Also "die" Liga ist natürlich Quatsch, solche Gehälter können nur die Bayern bezahlen – nicht mehr vom Festgeldkonto, sondern aus der Kreditabteilung, wie Uli Hoeneß kundtat.
Wenn also stimmt was zu lesen war, verdient Kapitän Joshua Kimmich mit seinem neuen Vertrag jetzt 20 Millionen Euro, Harry Kane 24 Mio und Jamal Musiala sogar 25 Millionen. Sollte Florian Wirtz bei den Bayern unterschreiben, sollen es auch 25 Mio werden. Das wären dann 2900 pro Stunde – das ist natürlich ein schlecht Wi(r)tz!
Apropos: Hab gehört, dass der FC Schalke 04 mal ein Fußballverein war. Gilt das als Tabellenvierzehnter der 2. Liga noch?
VAR das schlecht!
Und noch eine letzte persönliche Bemerkung: Der Videoschiedsrichter (VAR) ist für mich endgültig gescheitert. Vor acht Jahren eingeführt, um große Schiedsrichterfehlentscheidungen zu unterbinden kann man heute festhalten: das ist nicht gelungen.
Der VAR unterbindet zwar offensichtliche Fehlentscheidungen, verursacht dafür aber andere offensichtliche Falschentscheidungen, oftmals einfach dadurch, dass der VAR nicht eingreift oder der Schiedsrichter nicht nachfragt.
Aber das alles wäre zu verschmerzen, wenn durch die langen Pausen, die entstehen, nicht die ganze Dynamik des Spiels flöten gehen würde. Die spontane Emotion des Augenblicks ist tot, weil kein Fan weiß, ob das Tor wirklich zählt und ob der VAR nicht in drei Minuten alles wieder zurücknimmt. Ich hab mich also jetzt entschieden: No VAR, please!
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Zwei Meisterschalen auf dem Balkon: Bayern-Teams lassen's krachen
Quelle: Perform
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