FC Bayern und der Kampf um Leroy Sané: Vertragspoker mit Zuckerbrot und Peitsche beim Rekordmeister in München
Leroy Sanés Vertrag beim FC Bayern läuft in diesem Sommer aus, lange galt eine Ausdehnung der Zusammenarbeit als gesichert. Bis der DFB-Star sich plötzlich für einen Beraterwechsel entschied – und die neue Offerte seines Noch-Arbeitgebers überraschend ablehnte. Ein ablösefreier Abgang ist wahrscheinlicher denn je. Im Kampf um einen Verbleib greifen die Bosse zu Zuckerbrot und Peitsche.
Zwei Meisterschalen auf dem Balkon: Bayern-Teams lassen's krachen
Quelle: Perform
15.000 Menschen hatten sich am vergangenen Sonntag am Marienplatz eingefunden, um den Meistertitel der Frauen- und Männermannschaft des FC Bayern gebührend zu zelebrieren.
Spielerinnen und Spieler hatten sich in Tracht geworfen, winkten vom Rathausbalkon in Richtung der jubelnden Fans. Als Leroy Sané, mit Sonnenbrille und Cap ausgestattet, die Bühne betrat, ebbte die Begeisterung merklich ab.
Der Grund für die jähe Reserviertheit liegt auf der Hand: Sané lässt den Verein bezüglich einer Vertragsverlängerung seit Wochen zappeln – trotz eines vorliegenden Angebots, obwohl die Zeichen lange Zeit auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit standen.
Sanés Zögern, das augenscheinlich mit dem überraschenden Wechsel zu Star-Berater Pini Zahavi zusammenhängt, sorgt bei den Fans für Ungemach, kollektiv wird die Frage nach dem "Warum" gestellt. Sané hatte doch immer wieder bekräftigt, dass er sich in der bayrischen Landeshauptstadt wohlfühlt, Abschiedsgedanken lagen dem deutschen Nationalspieler stets fern.
FC Bayern: Zuckerbrot und Peitsche im Kampf um Sané
Bis sich in den vergangenen Tagen die Meldungen häuften, wonach Sané die Offerte, die ihm dem Vernehmen nach zehn Millionen Euro jährlich plus fünf Millionen Euro Boni einbringen würde, seines Noch-Arbeitgebers abgelehnt habe. Plötzlich droht ein ablösefreier Abgang.
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Leroy Sané auf dem Balkon des Münchner Rathauses
Fotocredit: Getty Images
Für die FCB-Verantwortlichen stellt sich die Situation kompliziert dar. Einerseits würde man Sané gerne behalten, andererseits möchte man sich nicht angreifbar machen, indem man vor Zahavi und dessen Bestreben nach einem lukrativeren Deal einknickt. Dementsprechend wählen die Bosse um Sportvorstand Max Eberl und Präsident Herbert Hainer die Gangart, die im Volksmund "Zuckerbrot und Peitsche" genannt wird.
"Er hat heute gesagt, er möchte unser Angebot in dieser Form nicht annehmen", bestätigte Eberl am Rande der Meisterfeier das, was die Spatzen ohnehin schon von den Münchner Dächern gepfiffen hatten. Aber: "Es gibt kein böses Blut. Das Angebot ist da. Wir haben unseren Wunsch geäußert. Man spürt, zumindest nach meinem Empfinden, dass Leroy bleiben möchte. Jetzt schauen wir mal, was die nächsten Tage passiert."
Hainer setzt Sané Ultimatum, Hoeneß nicht
Hainer lobte gegenüber "Sport1": "Die Fans wissen das gut einzuschätzen. Er hat jetzt fünf Jahre bei uns gespielt und noch ist es ja nicht komplett entschieden. Er hat sich immer eingesetzt und teilweise tolle Spiele gemacht."
Der 70-Jährige schob jedoch nach, dass die Bayern "keinen Zentimeter" von ihrem aktuellen Angebot abweichen werden. Dies habe der Klub Sané "klargemacht. Jetzt liegt es an ihm, uns zu sagen, ob er das annimmt oder nicht." Spätestens im Juni, wenn der deutsche Rekordmeister zur Klub-WM gen USA aufbricht, soll laut Hainer Klarheit herrschen. Zuckerbrot und Peitsche eben.
Etwas versöhnlicher klangen hingegen die Worte von Bayern-Patron Uli Hoeneß. Der Ehrenpräsident, der zuletzt mit Blick auf die viel beachtete Ibiza-Reise der Mannschaft – in bester Abteilung-Attacke-Manier – wieder einmal zum Rundumschlag gegen die Medien ausgeholt hatte, möchte Sané offenbar nicht unter Druck setzen.
"Ich weiß gar nicht, was ihr immer für ein Theater macht. Das ist doch nicht Euer Problem! Das ist unser Problem", schoss er abermals in Richtung Presse, als er mit der Causa Sané konfrontiert wurde.
Sané: Wechsel nach England oder Spanien?
Hoeneß weiter: "Wenn er sich entschieden hat, dann sagen wir es euch. Das ewige Theater interessiert mich nicht, was ihr da für einen Schmarrn erzählt. Das ist seine Entscheidung und dafür braucht er halt Zeit." Und zwar "bis zum 1. August, bis die Saison wieder losgeht." Ein Widerspruch zu Hainers Knallhart-Ansage.
Und Sané selbst? Der hüllte sich hinsichtlich seiner Zukunft in Schweigen, gab kein Statement ab. Laut "Sky" liebäugelt der gebürtige Essener mit einem Wechsel in die englische Premier League, auch Spanien wird als mögliches Ziel genannt.
Fest steht: Die Situation ist festgefahren, die Bayern werden ihre Offerte nicht überarbeiten, Sané zu besagten Konditionen nicht unterschreiben. Ein klassisches Dilemma.
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