Der LIGAstheniker - Bayer Leverkusen strauchelt beängstigend zur Crunch Time: Warum so ängstlich, Xabi Alonso?

Bayer Leverkusen begeisterte in der vergangenen Saison ganz Europa mit seinem Offensiv-Fußball, avancierte zum ersten ungeschlagenen Deutschen Meister. Enormen Anteil am Werkself-Aufschwung hatte freilich Trainer Xabi Alonso. Doch in der vergangenen Woche fiel Leverkusen plötzlich mit ungewohnter Mutlosigkeit auf. Der LIGAstheniker fragt sich: Warum so ängstlich, Xabi?

Xabi Alonso kassierte mit Bayer Leverkusen am vergangenen Samstag erst die zweite Liga-Niederlage der Saison

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Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
Ex-Nationalspieler und Neuromancier Christoph Kramer hat dem "Spiegel" gerade ein Interview gegeben.
Darin erklärt er anschaulich, wie das moderne Spiel taktisch funktioniert. Wie man sich als Mannschaft durch den intelligenteren Matchplan "in die Nähe des Balls" bringt. O-Ton: "Es fällt viel leichter, Gas zu geben, wenn du beim Ball bist".
Klingt nach Binsenweisheit, aber schaut man sich die beiden letzten Spiele des amtierenden Deutschen Meisters an, der das taktisch ja beherrschen müsste, dann fällt auf: Stimmt eigentlich!
Gegen Bayern vor ein paar Tagen in der Champions League ist Bayer Leverkusen dem Ball 90 Minuten lang hinterhergelaufen. Ein ähnliches Bild in der Anfangsphase am Samstag zuhause gegen Werder. Bremen war am Ball und führte schon 1:0 und selbst das (Abseits erklärte) frühe 2:0 wäre verdient gewesen.

Bayer, warum so lustlos und verängstigt?

Weiter war Bayer zuletzt nie vom Ball entfernt. Die Frage, die sich jetzt vor dem Champions-League-Rückspiel am Dienstag gegen die Bayern (21:00 Uhr im Liveticker) stellt: Was tut Xabi Alonso dagegen?
Kein anderer Trainer wird seit einem Jahr von der Öffentlichkeit so umhegt und gelobt wie der ehemalige Weltklassespieler und Weltmeister.
Selten, so die Botschaft, hat ein Profi, gerade noch Spieler, in so kurzer Zeit sein Extratalent als Lehrer und Trainer unter Beweis gestellt. Und das stimmte ja auch letzte Saison. Meisterschaft, Pokalsieg, am Ende gerade mal eine einzige Niederlage – sensationell!
Vor allem die Art und Weise, dieser selbstbewusste, temporeiche, offensive Alonso-Stil – ein Gedicht! Aber jetzt? Die bisherige Saison war gut, nicht so überzeugend wie in der Vorsaison, aber immer noch mit vielen Ausrufezeichen.
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Florian Wirtz (l.) war am Mittwoch in München kein Faktor für Bayer Leverkusen

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Und dann kam die letzte Woche! Dieser verängstigte Auftritt in München in der Champions League, in der die Bayern einen elementaren Wesensunterschied zementierten: Die Bayern haben vielleicht mal eine Krise (wie letztes Jahr), sie haben aber niemals Angst.
Und dank Vincent Kompany haben sie einen Matchplan, der sie nicht nur in die Nähe des Balls bringt, sondern in seinen Besitz. Laut Statistik hatten die Kompany-Bayern 65% Ballbesitz, und bei den restlichen 35% hatten sie die Fußspitze immer ganz nah dran.

Kann Alonso Spiele von außen lenken?

Während es in München die pure Überforderung schien, war es gegen Bremen am Wochenende offen ausgelebte Schlampigkeit, eine Lustlosigkeit mit Tendenz zur Arroganz gegenüber einem Klub aus den Liganiederungen, der zuletzt fünf Niederlagen in Serie zu beklagen hatte.
Das 1:0 der Bremer durch Romano Schmid ist dafür die Blaupause: Der katastrophale Abspielfehler von Mario Hermoso im eigenen Drittel und danach schauen fünf Leverkusener Abwehrspieler drei Bremern bei der Arbeit zu.
Kurz darauf sieht man Victor Boniface gähnend auf der Ersatzbank. Das hat zwar nichts miteinander zu tun, aber es passt so gut ins Bild. Und: In beiden Spielen verpuffte alles, was Xabi Alonso taktisch dagegen unternahm.
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Champions League: Trainer Xabi Alonso verlor mit Bayer 04 Leverkusen im Achtelfinal-Hinspiel 0:3 beim FC Bayern München

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Das, was man Pep Guardiola, aber auch Julian Nagelsmann nachsagt, dass sie ein Spiel von außen noch einmal positiv beeinflussen und lenken können - die nachgewiesene Masterclass bei Fußballtrainern -, bei Alonso hat das zuletzt nicht geklappt.  

Kritik an Xabi Alonso wächst

Just in der Crunch-Time der Saison wirkt Alonso von der Bank aus beinahe stur und eigenwillig, auch fehleranfällig. Warum er bei den Bayern letzten Mittwoch schon wieder ohne nominellen Mittelstürmer spielen ließ - etwa mit Patrik Schick, der zufällig gerade Bestform hat -  wie schon in der Liga Mitte Februar, als Bayer Bayern an die Wand drückte aber kein einziges Tor erzielen konnte, wirkt rätselhaft.
Alonso erklärt es mit taktischen Gründen, genauer wird er nicht. Eine Torwartrotation kann man natürlich machen, wenn beide Torhüter nervlich robust genug sind. Ob der 24-Jährige Matej Kovar das ist, daran gibt es nun Zweifel.
Das größte Fragezeichen Richtung Alonso entspringt aber eher der aktuellen mentalen Verfassung seines Teams: Da hat Bayer in der Champions League die einzigartige Möglichkeit der ganzen Welt zu zeigen, dass man die neue Nummer eins sein will im deutschen Klubfußball, und dann fällt man derart, fast BVB-like, auseinander.
Mit Granit Xhaka hat Bayer sicher einen Leader, aber vielleicht reicht einer eben nicht in einer Truppe, bei der auf der Ersatzbank gerne mal demonstrativ gegähnt wird. Wenn Bayer schon den Mund aufmacht, dann sollten sie wenigstens brüllen!
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Kovac zerpflückt eigenes Team: "Keine Torgefahr, keine Aggressivität, keine Intensität"

Quelle: Perform


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