Der LIGAstheniker: Vincent Kompany ist eine Erfrischung für den FC Bayern - das macht er besser als Tuchel und Co.
Update 02/12/2024 um 14:22 GMT+1 Uhr
Vincent Kompany hat beim FC Bayern München voll eingeschlagen - nicht nur angesichts der Ergebnisse auf dem Platz. Der LIGAstheniker sieht im belgischen Trainer eine seit langem notwendige Erfrischung für den daueraufgeregten FC Bayern München. Von Kompany können sich Thomas Tuchel und Co. eine fette Scheibe abschneiden - auch in puncto Menschenführung. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Vom Weltklassespieler zum Coach: Kompany erklärt Geheimnis
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
eines muss man Vincent Kompany wirklich lassen, er hat die Ruhe weg.
Da wird das Spiel seiner Bayern beim BVB wieder einmal zum Gigantenduell hochgejazzt, das die ganze europäische Fußballwelt aus den Angeln heben soll, und dann stellt sich der Trainer nach dem Spiel hin und kühlt alle erhitzten Gemüter in Sekundenschnelle wieder runter. "Ein gutes Spiel für die Bundesliga", hatte er gesehen. Wie wahr und wie erfrischend.
Seit Jupp Heynckes hatten die Bayern keinen Trainer mehr wie ihn, unbeeindruckt vom tagtäglichen Geschnatter und der Wichtigtuerei an der Säbener Straße und in der Öffentlichkeit. Da ist einer, wie sagt man heute, ganz bei sich.
Wobei genau das - bei sich bleiben - ja heute das Problem ist, ganz allgemein in der Gesellschaft und eben im ganz Besonderen an dieser Säbener Straße. Fast möchte man meinen, dort kann man gar nicht man selbst bleiben, cool bleiben im Auge des Mia San Mia-Taifuns, der immer nur höchste Ansprüche kennt und nach jeder Niederlage gleich eine Krisendiskussion.
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Kompany: Diese Bayern-Spieler können Kane ersetzen
Quelle: Perform
Dieser Vincent Kompany, der kann das, woran etwa ein Thomas Tuchel noch gescheitert ist. Ausgerechnet die notorisch ADHS-geplagten Bayern haben heute den entspanntesten Trainer der Liga. Wenn das keine News ist!
Kompanys Unaufgeregtheit tut den Bayern gut
Zumindest in Sachen Temperament und Sittlichkeit haben die Bayern mit diesem Trainer schon mal viel richtig gemacht.
Das heißt natürlich noch lange nicht, dass ihm in München eine große Zukunft blüht, eine Ära, die er prägen könnte. Das hängt ja meist eh von der Gemütsverfassung des Sanguinikers vom Tegernsee ab. Aber Kompany ist ein in jeder Hinsicht ausgleichendes Temperament, das den daueraufgeregten Bayern guttun wird - und bereits guttut!
Mit welcher Selbstverständlichkeit Kompany den unter der Woche angeblich in einer polizeilichen Alkoholkontrolle ertappten Alphonso Davies einfach trotzdem gegen Dortmund spielen ließ, das zeugte von großem Mut, auch bekannt als: Großmut. Der Junge macht doch sonst immer alles richtig. Mein Gott, ein Fehler, wer macht denn keine Fehler? Er ist doch noch jung. Klären wir!
Die Art wie er Davies aus dem Feuer nahm, wird ihm in der Mannschaft weiter Pluspunkte bringen. Und weil der Terminus bei Tuchel und Nagelsmann immer wieder fiel: Wie man so hört, hat Kompany die Bayern-Kabine ohne Abstriche hinter sich.
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Kompany über angeschlagenen Kane: "Schwer zu ersetzen"
Quelle: Perform
Ideale Bayern-Moderation
Das ist auch deshalb überraschend, weil in der Tuchel’schen Schlussphase in München man durchaus den Eindruck bekommen konnte, dass die wahre, unheimliche Macht des Klubs in einer sittlich verwahrlosten "Umkleide" liegen würde (gemeint waren natürlich die Charaktere der Spieler und nicht der Zustand ihrer Spinde).
In dieser Unruhe stieß Kompany zum Klub und lebte eine Haltung vor, die heute Wirkung zeigt. Wir erinnern uns: Leon Goretzka war seine erste große Problempersonalie. "Ausgemustert" oder "aussortiert" schrieben die, die es besser wissen. Und unter Mourinho, Tuchel oder Pep hätte Goretzka wohl auch nie wieder gespielt, er hätte sich stante pede einen neuen Verein suchen können. Nicht so bei Kompany.
Der junge Trainer zeigt seinen ganzen Charakter dadurch, kein Exempel statuieren zu müssen, um sich Respekt zu verschaffen. Er hatte Goretzka nicht aussortiert, sondern ihm die nötige Zeit gegeben, wieder der Alte zu werden. Es war nichts Persönliches, sondern im höchsten Maße professionell.
Jetzt spielt er von Anfang an und es ist keine große Sache mehr. Hatte sich Goretzka jemals öffentlich über seinen ungerechten Trainer beklagt? Nein! Die sehr persönliche Art, wie Kompany mit Menschen umgeht, wie er kritische Themen einfangen und elegant wegmoderieren kann - da könnte Tuchel bei ihm nochmal einen Kurs in Sachen Menschenführung belegen.
Wobei ich glaube, dass Kompany das in keinem Seminar gelernt hat, sondern einfach so erzogen ist.
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Kompany mit 1:1 zufrieden: "Wir haben Charakter gezeigt"
Quelle: Perform
Alonso, Kompany - neue Trainergeneration
Vielleicht setzt sich ja gerade im Fußball eine neue Generation von Coaches durch, die völlig anders kommuniziert - sowohl nach außen als auch mit ihren Spielern.
Wenn es also doch wieder zu einem Meister-Duell mit Leverkusen kommen sollte, dann fällt doch auf, dass mit Bayer-Trainer Xabi Alonso und Vincent Kompany zwei introvertierte und sittlich gereifte Charaktertrainer um den Titel wetteifern.
Keine Egomaschine wie Mourinho, kein notorischer Überperfektionist wie Guardiola und auch kein Emotionsperformer wie Klopp, die alle drei ausgelaugt und am Ende scheinen, sondern einfach zwei unaufgeregte, fast scheue Sympathieträger, die die Ruhe weg haben für die ganz großen Titel.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Henriksen über Burkardt: "Zweites Tor war Weltklasse"
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