Bundesliga-Kolumne - LIGAstheniker: Warum der BVB der komplizierteste Klub ist - Borussia Dortmund kriselt
Update 28/10/2024 um 12:55 GMT+1 Uhr
Die Saison des BVB gleicht einer Achterbahnfahrt: In der Bundesliga ist Borussia Dortmund bisher daheim ungeschlagen, auswärts aber gleichzeitig noch ohne Sieg, in der Champions League erst mit Traumstart, dann mit dem Tiefschlag bei Real Madrid. Die regelmäßigen Ausfallerscheinungen geben dem LIGAstheniker schwer zu denken - er zweifelt an der DNA des Klubs. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
BVB-Coach Sahin zum Umgang mit Kritik: "Stehe für meine Werte"
Quelle: Perform
Liebe FußballfreundInnen,
wenn ein Fußballtrainer auffallend oft mit Verneinungen antwortet, dann kämpft er wohl um seinen Job. Das klingt dann so: Nein, er habe nicht das Gefühl, dass die Mannschaft ihn hängen lasse. Aber nein doch, die Jungs sind gar nicht kompliziert. O-Ton BVB-Coach Nuri Sahin nach der neuerlichen Niederlage am Wochenende in Augsburg.
Und sein Chef, der Sportdirektor der Dortmunder, Sebastian Kehl: Krise, ach wo, vollstes Vertrauen. Das Gegenteil dürfte richtig sein. Beim BVB ist es mal wieder sehr kompliziert und das schon nach gerade erst mal acht Spieltagen. Gefühlt kann man also sagen, dass der BVB immer früher in einer Saison Ausfallerscheinungen zeigt, die mit den normalen Bewertungsmaßstäben nicht zu greifen sind.
Als Beobachter fragt man sich dann, warum die Dortmunder es einfach nicht mehr hinbekommen, in der Liga wie eine Spitzenmannschaft aufzutreten, obwohl sie genau das von sich selbst erwarten.
Warum wird der BVB so oft vorgeführt?
In Augsburg wurden die Dortmunder "vorgeführt", so nannte es der Reporter des Spiels auf "Sport 1". "Vorgeführt" ist das aktuell gültige Beschreibungspartizip für den BVB. Die zweite Halbzeit gegen Real: mit fünf Gegentoren vorgeführt. Die erste Halbzeit gegen Bochum, das 1:5 gegen Stuttgart - immer wieder vorgeführt.
Der ekstatische Ausreißer gegen das (eher zweitklassige) Celtic Glasgow ist längst vergessen. Die Art und Weise wie Dortmund in Augsburg den Ausgleich zu lässt, wie FCA-Stürmer Claude-Maurice von fünf Schwarz-Gelben umstellt wird und trotzdem schießen darf und dann auch noch der sechste Dortmunder im Tor wie paralysiert wirkt und der Ball aus 25 Metern ins Netz geht, das ist einer Mannschaft mit dem Etat und dem Leistungsanspruch einer Topmannschaft unwürdig.
Und natürlich muss man fragen, warum laufen fünf BVBler mit dem Augsburger Stürmer einfach nur mit und attackieren nicht? Kein Bock, keine Kraft, keine Einstellung oder alles drei?
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BVB-Trainer Nuri Sahin mit seinen Spielern von Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Was ist die DNA des BVB?
Kurz vom Stuhl gefallen bin ich am Wochenende, als ich hörte, wie Sebastian Kehl von der DNA beim BVB sprach. "Hart zu arbeiten" sei die DNA des Klubs, so Kehl. Da bekam der Kolumnist in München Schluckauf. Ich will dem BVB den Willen zu gewöhnlicher Arbeit gar nicht absprechen, aber ihn in den Adelsstand der DNA zu erheben, stimmt gerade in Dortmund nicht.
Seit Jahren, gefühlt seit Jahrzehnten, beklagen die Beobachter, dass der BVB nicht hart genug an sich als Spitzenmannschaft arbeitet. Sich zu selten aus der eigenen Komfortzone herausbewegt, ein Kuschelklima wird diagnostiziert oder mangelnde "Mentalität", erinnert sei in diesem Zusammenhang an Lucien Favre, der 2020 einmal mitten im Meisterschaftsendspurt den Titel aufgab oder wie der BVB 2023 am letzten Spieltag gegen Mainz den Titel vergeigte.
Die eigentliche DNA des Klubs ist eben nicht die harte, bedingungslose Maloche wie sie in der Region durchaus bekannt ist, sondern die Angst vor der eigenen Courage.
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"Jedes Mal zwei Gegentore ...": Sahin kritisiert BVB-Abwehr
Quelle: Perform
BVB: Ist Nuri Sahin der Richtige?
Und jetzt also, die Saison hat gerade mal das erste Viertel erreicht, herrscht Krisenstimmung. Die Zweifel an Jungtrainer Nuri Sahin sind virulent, offen wird darüber geschrieben und diskutiert, dass sich der Coach "vercoache", wie etwa gegen Real Madrid in der Champions League. Für einen Youngster auf der Bank ist das denkbar ungünstig, gerade in Dortmund.
Das Biotop des BVB ist bekannt dafür, dass es auf quasi-messianische Trainerfiguren wie Jürgen Klopp steht und selbstkritischen Jungspunden wie Edin Terzic oder eben Sahin gerne mal subtil die Gefolgschaft verweigert. Die Diskussion darüber, ob es eine gute Idee war, ausgerechnet Sahin zum Cheftrainer zu machen, wird so schnell nicht aufhören.
Ausgerechnet Sahin, als Spieler ein Hochbegabter, der im zweiten Teil seiner Karriere viel zu oft von der Bank kam und die großen Erwartungen nicht mehr einlösen konnte. Einer, der zu langsam war, kritisierten die Kritiker und daran nichts mehr ändern konnte. Sahin fiel eher nicht durch harte Arbeit auf und, wenn man so will, gibt es durchaus Parallelen zum Ex-Bayern-Star Mehmet Scholl, auch er ein Hochbegabter, der am Ende weit unter seinen Möglichkeiten geblieben war.
Auf die Idee aber, Mehmet Scholl zum Bayern-Trainer zu machen, würde in München selbst im Oktoberfestrausch keiner kommen. Da nehmen sie die DNA des Klubs "hart zu arbeiten" einfach deutlich ernster als beim Ligarivalen aus dem Westen.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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"Wenn es mal unangenehm wird": BVB-Coach beschwört Zusammenhalt
Quelle: Perform
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