FC Bayern - Gewinner und Verlierer der Sommer-Vorbereitung: Joshua Kimmich will's wissen, Leon Goretzka hängt durch
Der FC Bayern steht in der kommenden Saison unter Zugzwang, will mit Neu-Trainer Vincent Kompany die erste titellose Spielzeit seit zwölf Jahren schnell vergessen machen. Entsprechend intensiv fiel die Vorbereitung beim deutschen Rekordmeister aus. Erkenntnisse dürfte Kompany reichlich gesammelt haben. Doch wer empfahl sich besonders für die Startelf und für wen wird es künftig eng?
Bayern-Star Kane schwärmt von Kompany: "Bin begeistert von diesem Trainer"
Quelle: Perform
Harry Kane redete nicht lange um den heißen Brei, als er auf seine Ziele in der kommenden Saison angesprochen wurde.
"Ich will weiter Tore schießen und dem Team helfen. Aber klar ist: Das Hauptziel ist es, Titel zu gewinnen", erklärte der Engländer im Gespräch mit der "Sport Bild" und wiederholte credoartig: "Wir müssen Bayern wieder dahin bekommen, Titel zu gewinnen!"
Ebenjenes Selbstverständnis, das zwölf Jahre in Serie gegriffen hatte, war dem Branchenprimus in der Vorsaison abgegangen. Eine titellose Spielzeit, das absolute Worst-Case-Szenario in München.
Damit sich Derartiges nicht wiederholt, wurde an der Säbener Straße - und zwischenzeitlich auch in Südkorea - unter Neu-Trainer Vincent Kompany hart geschuftet. Der Belgier, der auf den glücklosen Thomas Tuchel folgte, machte zwar schnell klar, dass er kein großer Fan davon ist, über einzelne Spieler zu sprechen - doch das war in der Vorbereitung auch gar nicht nötig.
Auf wen Kompany künftig setzt beziehungsweise nicht setzt, kristallisierte sich bisweilen in den beiden Testspielen gegen Tottenham Hotspur (2:1, 3:2) heraus. Die Gewinner und Verlierer der Bayern-Vorbereitung.
Die Gewinner
Joshua Kimmich
Real Madrid, FC Barcelona, Manchester City, Paris Saint-Germain – Joshua Kimmich standen sämtliche Optionen offen. Zumindest, wenn man den zahlreichen Berichten Glauben schenkt, die in den vergangenen Monaten die Runde machten. Am Ende bleibt der 29-Jährige den Bayern treu.
Seine vier Kinder seien alle in München geboren und generell fühle er sich "sehr wohl" in der bayrischen Landeshauptstadt, die seit nunmehr neun Jahren sein Lebensmittelpunkt ist.
Kimmich, von Natur aus selbstkritischer Ehrgeizling, ergänzte vielsagend: "Natürlich war die letzte Saison nicht so erfolgreich. Das ist nicht der Anspruch von Bayern München und auch nicht mein eigener. Jetzt ist es so, dass ich sehr hungrig bin, voller Energie, was die neue Saison angeht."
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Joshua Kimmich
Fotocredit: Getty Images
Der neu entfachte Hunger, die aufgeladene Energieleiste - daran dürfte Kompany erheblichen Anteil haben. Der frühere Profi von Manchester City betraute Kimmich nämlich im Rahmen der Vorbereitung wieder mit dessen Lieblingsrolle als Sechser.
Nachdem Ex-Coach Tuchel Kimmich zwischenzeitlich eben jene Qualitäten abgesprochen und wieder als Rechstverteidiger eingesetzt hatte, sieht Kompany den deutschen Nationalspieler wieder in neuer, alter Funktion im Mittelfeld. "Bisher habe ich nur im zentralen Mittelfeld trainiert und gespielt", erklärte Kimmich jüngst am Rande eines Charity-Events bei "Sky": "So ist auch erst einmal der Plan."
Kimmich - das wurde insbesondere in den beiden Duellen mit Tottenham (2:1, 3:2) offenbart - ist mächtig darum bemüht, das Vertrauen zurückzuzahlen. Der Ex-Stuttgarter fungierte als Ballmagnet, war stets anspielbar. Immer wieder gelang es Kimmich, das Spiel intelligent zu verlagern, seine Kollegen in aussichtsreiche Abschlusssituationen zu bringen.
Darüber hinaus lieferte er qualitativ hochwertige Standards, die immer wieder Gefahr im gegnerischen Strafraum entfachten. Kurz gesagt: Kimmich geht in seiner neuen, alten Rolle merklich auf.
Serge Gnabry
Neben Kimmich galt auch Gnabry im Sommer als Abgangskandidat. Die Kombination aus hohem Salär und enormen, verletzungsbedingten Leistungsschwankungen schienen die zumeist glückliche Ehe zwischen dem 29-Jährigen und dem deutschen Rekordmeister vorzeitig (Gnabrys Vertrag läuft bis 2026) scheitern zu lassen.
Sonderlich viele Interessenten meldeten sich dem Vernehmen nach aber nicht bei den Bayern, einzig Newcastle United soll vorsichtig vorgefühlt haben. Angesichts der vergangenen Saison, die für Gnabry - wohlwollend gesagt - mäßig verlief, wenig verwunderlich, dass die europäischen Schwergewichte den Münchnern nicht die Türen einrennen.
Nur 20 Einsätze standen zu Buche, deutlich mehr Spiele verpasste Gnabry aufgrund diverser Verletzungen. Wenn er spielte, wirkte er alles andere als fit. Doch sowohl der Verkaufswunsch seitens des Arbeitgebers als auch Gnabrys Altlasten aus der Vorsaison sind Vergangenheit.
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Serge Gnabry vom FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Mittlerweile steht Gnabry laut "Sky" nicht mehr zum Verkauf, vielmehr zeige man sich in der Führungsetage von den Darbietungen des Offensivspezialisten in der Vorbereitung durchaus beeindruckt.
Trainer Kompany setzte in beiden Tottenham-Tests in der Startelf auf Gnabry, der jeweils überzeugte. Der gebürtige Stuttgarter beackerte die Außenbahn, arbeitete mit nach hinten und fiel in seiner Kernkompetenz, dem Durcheinanderwirbeln von gegnerischen Abwerreihen, ebenfalls positiv auf.
Das Resultat: Gnabry erspielte sich dank seiner intelligenten Laufwege Chancen und belohnte sich schließlich mit einem Treffer gegen die Spurs. Gegenüber dem angeschlagenen Leroy Sané und dem kostspieligen Bayern-Neuzugang Michael Olise, der nach seiner Olympia-Teilnahme erst am Dienstag in München aufschlug, hat Gnabry aktuell einen Vorteil – und bei Kompany schon jetzt ein Stein im Brett.
Mathys Tel
In Abwesenheit der vielen Nationalspieler ging es für den Youngster, der sich mit seinen Leistungen als Joker in der vergangenen Saison in die Herzen der Fans gespielt hatte, darum, Eigenwerbung zu betreiben.
Ein Vorhaben, das Tel in beeindruckender Manier umsetzte. Seit Beginn der Vorbereitung hängt sich der Franzose voll rein, ackert für deutlich mehr Spielzeit. Gegen Tottenham, den beiden einzigen aussagekräftigen Tests, stand er jeweils in der Startelf, bildete das Pendant zu Gnabry auf der linken Seite.
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Der FC Bayern testete am Samstag gegen Tottenham
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Tel beschäftigte oftmals gleich mehrere Gegenspieler, erinnerte mit seinen Bewegungen an Bayern-Legende Arjen Robben, dessen "Signatur-Move" das Hereinziehen von der rechten Seite war, um mit dem starken linken Fuß abzuschließen.
Nur wenige Zentimeter trennten Tel gegen Tottenham gleich mehrfach von einem Treffer. Der einzige Wermutstropfen, ansonsten lieferte der 19 Jahre alte Franzose tadellos ab.
Mit Erfolg: Wie die "Bild" berichtet, ist Tel "ganz nah dran an der ersten Elf". Kompany will demnach "voll und ganz" auf das Offensiv-Juwel bauen.
Die Verlierer
Leon Goretzka
Für Leon Goretzka lief es zuletzt alles andere als rund. Nach einer durchschnittlichen Saison wurde der Mittelfeldmann beispielsweise nicht von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die EM im eigenen Land nominiert.
Goretzka, qua Herkunft Fußball-Arbeiter, wollte die Enttäuschung eigentlich umwandeln, eine Jetzt-erst-recht-Haltung einnehmen. Über seinen Klub, so der Plan, hatte der gebürtige Bochumer vor, sich wieder für die Nationalelf zu empfehlen.
Doch bislang erweckt der 29-Jährige nicht den Eindruck, als könne er sich nachhaltig unter Kompany festspielen. Im ersten Aufeinandertreffen mit Tottenham kam er von der Bank und erzielte letztlich sogar das Tor zum 2:0, das zweite Duell verfolgte er allerdings über die gesamten 90 Minuten von draußen. Und das, obwohl Kompany nahezu das komplette Team austauschte.
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Leon Goretzka will sich durchbeißen
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Kein Wunder, dass das Unken rund um die Säbener Straße in puncto Goretzka-Abgang jüngst immer lauter wurde. FCB-Boss Max Eberl deutete bereits an, dass Goretzka mit Blick auf die große Konkurrenz, namentlich Kimmich, Aleksandar Pavlovic, Konrad Laimer und Neuzugang Palhinha, nicht die allergrößten Aussichten auf einen Stammplatz im Zentrum haben dürfte.
"Da muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden, was dann sein Schritt ist und wie er den Konkurrenzkampf animmt", sagte Eberl, der auch von einem längeren Gespräch mit dem 57-maligen Nationalspieler berichtete.
Obwohl die Situation dieser Tage nicht sonderlich optimistisch stimmt, will Goretzka besagten Konkurrenzkampf offenbar annehmen. Informationen der "Abendzeitung" zufolge hegt er keine Abschiedsgedanken, möchte sich stattdessen durchbeißen.
Eine erste Möglichkeit ließ er dabei zwangsweise verstreichen. Bei der Pokal-Generalprobe (Bayern trifft am Freitag in der ersten Runde auf den SSV Ulm - 20:45 Uhr im Liveticker) am Dienstagabend gegen WSG Tirol (3:0) fehlte Goretzka aufgrund einer Hüftverletzung.
Sacha Boey
Für Sacha Boey, im Winter als Alternative für die rechte Abwehrseite von Galatasaray verpflichtet, verlief das erste Halbjahr verheerend.
Der 23-Jährige, der immerhin satte 30 Millionen Euro gekostet hatte, wurde bei seinem Startelf-Debüt im Februar gegen Leverkusen (0:3) auf ungewohnter Position als linker Schienenspieler komplett düpiert. Es war sein bis dato letztes Pflichtspiel für den neuen Arbeitgeber.
Im Nachgang setzten Verletzungen Boey nahezu durchweg außer Gefecht. Als er kurz vor Saisonende wieder fit war, verhinderte ein Trauerfall in der Familie weitere Einsätze.
Dementsprechend war Boey in dieser Sommer-Vorbereitung sichtlich darum bemüht, den Neustart-Knopf zu drücken. Alles auf Anfang - neue Saison, neues Glück.
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Sacha Boey (l.) im Duell mit Heung-min Son
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Tatsächlich mutet die aktuelle Gemengelage auf den ersten Blick gar nicht so schlecht an.
Boey durfte gleich in den ersten Tests gegen Düren (1:1) und Tottenham starten, außerdem hat mit Noussair Mazraoui (Manchester United) ein namhafter Konkurrent den Verein verlassen. Der Weg scheint vermeintlich frei.
Ist er aber nur vermeintlich: Denn Boey, so bemüht er gegen Tottenham auch war, offenbarte im Duell mit den Spurs respektive mit deren Wirbelwind namens Heung-Min Son, teils eklatante Schwächen in der Rückwärtsbewegung.
Lediglich 30 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich, zudem leistete er sich elf Ballverluste (Negativwert bei den Bayern). Das zweite Aufeinandertreffen mit den Lillywhites am vergangenen Samstag verpasste er angeschlagen, die Partie am Dienstagabend gegen Tirol kam noch zu früh.
Viel Werbung in eigener Sache konnte Boey in dieser Vorbereitung also nicht zwingend machen - zumal Josip Stanisic, immerhin als deutscher Meister gereift aus Leverkusen zu den Bayern zurückgekehrt, schon mit den Hufen scharrt.
Mit Laimer und Kimmich hat Kompany zudem weitere Optionen auf der Rechtsverteidigerposition.
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Stürmer Kane erklärt Kompanys Spielidee beim FC Bayern
Quelle: Perform
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