FC Bayern München: Max Eberl sammelt mit Davies-Deal und Tel-Verkauf Punkte - abe die größten Aufgaben warten noch
Publiziert 05/02/2025 um 14:12 GMT+1 Uhr
Nach der Vertragsverlängerung von Manuel Neuer bleibt nach zähen Verhandlungen nun auch Alphonso Davies. Warum Jamal Musiala und Joshua Kimmich die nächsten sind, die demnächst unterschreiben könnten. Dann stünde die sportliche Führung um den angezählten Max Eberl besser da als zuletzt gedacht. Derweil mahnt Ziehvater Uli Hoeneß zur Sparpolitik – und träumt von Leverkusens Florian Wirtz.
Max Eberl steht beim FC Bayern vor einer Herkulesaufgabe
Fotocredit: Getty Images
Trifft im Transfer-Fall Mathys Tel das Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut" zu? Am späten Montagabend wurde der Deal mit dem 19-jährigen Talent nach tagelangen Verhandlungen festgezurrt.
Tel wechselt auf Leihbasis zu Tottenham Hotspur, die Nordlondoner übernehmen das Gehalt bis Saisonende. Dazu haben die Bayern neben der Leihgebühr in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro eine beachtliche Kaufoption in das Vertragswerk inkludiert – auch auf Wunsch der Spurs.
Diese Kaufoption (keine Kaufpflicht wie in anderen Vereinbarungen üblich!) für die kommende Saison beträgt stolze 55 Millionen Euro, die sich durch zu erreichende Bonuszahlungen auf 60 Millionen erhöhen kann.
Für einen dauerhaften Wechsel von Tel, der in seinen zweieinhalb Jahren in München zu einem der Publikumslieblinge wurde, braucht es im Sommer aber auch die Zustimmung vom Stürmer selbst.
Tel-Transfer als Win-WIn-Deal für Bayern
Für die Bayern-Bosse um Sportvorstand Max Eberl eine Win-Win-Situation, falls Tel bei den Spurs richtig performt. Erstens ist da die – mögliche - stattliche Rendite, denn Tel war im Sommer 2022 für rund 20 Millionen Euro von Stade Rennes zu den Bayern gewechselt.
Zweitens könnten die Münchner mit den Einnahmen für den dann teuersten Abgang der FCB-Vereinsgeschichte selbst auf Shopping-Tour gehen bzw. die üppig ausfallenden Vertragsverlängerungen finanzieren.
Und wenn es Tel in den kommenden vier Monaten bei den Spurs nicht packt? Dann kommt der französische U21-Nationalspieler um eine Erfahrung reicher an die Säbener Straße zurück und nimmt einen neuen Anlauf im Bayern-Kader.
Was lange währt, wird endlich gut? Für Ersatzspieler Tel diese – theoretisch erreichbare – Summe herauszuhandeln, wird Eberl einen Bonuspunkt auf seinem Fleißkärtchen einbringen.
Woche der Entscheidungen in München
Schließlich kam Tel auch unter Trainer Vincent Kompany nur phasenweise - zumeist als Joker - auf dem linken Flügel oder im Sturmzentrum anstelle von Harry Kane zum Einsatz. Kein Tor, lediglich eine Vorlage in dieser Saison, keinerlei Konstanz, keine Entwicklung. Ein guter Deal also.
Weil die Münchner in diesem Winter-Transferfenster auch Linksverteidiger Adam Aznou (18/Vertrag bei Bayern bis 2027) zu Real Valladolid und Offensivspieler Arijon Ibrahimovic (19/Vertrag bei Bayern bis 2027) jeweils bis Saisonende verliehen haben, wurde die Leihe von Gabriel Vidovic (21) nach nur einem halben - für den Kroaten unzufriedenstellenden – Jahr beim FSV Mainz beendet. Schließlich brauchten die Bayern noch etwas Kadertiefe.
Es scheint die Woche der Entscheidungen zu sein beim FC Bayern. Nach monatelangem Hin und Her konnte der kostspielige Deal mit Alphonso Davies (24) klargemacht werden, der Kanadier unterschrieb bis 2030. Real Madrid hat das Nachsehen.
Mit dem Linksverteidiger verlängert zu haben, war und ist ein finanzieller Kraftakt. Deutlich teurer wäre es jedoch gewesen, ihn ablösefrei ziehen zu lassen und einen qualitativ ähnlich guten Spieler zu verpflichten und ein ähnlich hohes Gehalt zu bezahlen. Nächster Punkt für Eberl.
Bischof und Urbig sind Zukunftsinvestitionen
Was noch geschah im Januar? Die Bayern-Bosse tätigten Investitionen in die Zukunft, verpflichteten zum einen Mittelfeldspieler Tom Bischof (19) von der TSG Hoffenheim bis 2029 – und das ablösefrei. Bischof kommt im Sommer an die Säbener Straße.
Zum anderen holte man Torhüter-Talent Jonas Urbig (21) für acht Millionen Euro plus 3,5 Millionen mögliche Boni von der Ersatzbank des 1. FC Köln. Urbig soll als neue Nummer zwei in den nächsten eineinhalb Jahren reifen und beweisen, dass er eines Tages Nachfolger von Kapitän Manuel Neuer (38) werden könnte.
Der Weltmeister von 2014 verlängerte seinen Vertrag um ein weiteres – und wohl letztes – Jahr bis 2026, ein stärker leistungsorientiertes Papier - für den Verein günstiger.
Auf der Torhüter-Position sind die Bayern nun gut aufgestellt. Schließlich sind da noch Sven Ulreich (36) und Daniel Peretz (24), der kommende Saison ausgeliehen werden soll.
Eberl schafft Nübel-ALternative
Bis 2026 läuft die Leihe von Alexander Nübel, einst Neuers Kronprinz und designierter Nachfolger mit Langzeit-Vertrag bis 2029 in München. Bis dahin können die Bayern entscheiden, wer Neuer wirklich beerbt: Urbig (Vertrag bis 2029) oder Nübel.
Eine ordentliche Bilanz der stressigen letzten Wochen für Eberl und Sportdirektor Christoph Freund. Doch der Druck, vor allem auf Eberl, der seinen Job zum 1. März des vergangenen Jahres angetreten hatte, wächst.
Neben Neuer und Davies sollen weitere Vertragsverlängerungen dingfest gemacht werden. Bei Jamal Musiala scheint die Tendenz klar: Der Offensivspieler verlängert langfristig und wird neben Harry Kane der Topverdiener beim Rekordmeister.
Aufgrund seiner Klasse und seines Alters alternativlos. Laut Ehrenpräsident Uli Hoeneß seien "die Gespräche in einem guten Zielkorridor". Zu "t-online" sagte Hoeneß, Musiala sei ein "überragender Fußballspieler, der auch vom Image her dem FC Bayern sehr guttut." Unwidersprochen.
Greift bei Musiala der Domino-Effekt?
Als Pferdefuß müssen die Verantwortlichen eine Ausstiegsklausel in Musialas neuen Vertrag einbauen. Nachdem dessen dicker Kumpel Davies seinen Vertrag verlängert hat, könnte Musiala bald nachziehen. Ein Domino-Effekt.
"Alphonso und Leroy Sané sind beide mit meine engsten Kumpels", sagte Musiala kürzlich, "sie sind sehr wichtige Spieler für uns. Ich würde mich freuen, mit ihnen die nächsten Jahre zusammenzuspielen."
Bei Linksaußen Sané, dessen Vertrag im Sommer endet, dürfte dies jedoch schwieriger werden. Der 29-Jährige würde sehr gerne in München bleiben und würde sogar deutliche Abstriche in Sachen Gehalt und Vertragslaufzeit in Kauf nehmen.
Dabei wären die Bosse – wie auch Teile der Fans – nicht allzu traurig, sollte er sich nach fünf Jahren in München mit mehr Downs als Ups verändern wollen.
Warum Kimmich doch bleiben dürfte
Musiala, Davies – und vor allem auch Joshua Kimmich. Mit diesen Führungsspielern zu verlängern, daran wird Eberl gemessen. Ein Drittel des Weges ist geschafft. Am schwierigsten erscheint der Fall Kimmich.
Warum zögert der Sechser, der Vize-Kapitän? Will er wirklich noch die sportliche Entwicklung abwarten? Im Frühjahr? Oder will er eher sehen, wer vor ihm (Davies! Musiala?) verlängert?
Familienmensch Kimmich (vier Kinder) tendiert dazu, in München bleiben zu wollen, will aber die Grundlagen für den maximal möglichen Erfolg erkennen. Und wirklich weniger verdienen möchte der Kapitän der Zukunft auch nicht.
Nach der schwierigen Zeit unter Trainer Thomas Tuchel, der ihn als Führungsfigur und zentralen Mittelfeldspieler infrage stellte, hat Trainer Vincent Kompany dem 29-Jährigen wieder neues Leben eingehaucht, ihn gestärkt und bestärkt.
Hoeneß stärkt und fordert Eberl
Was auch bei Davies der Fall war. Dessen Bleiben geht auf Kompanys Kappe. Und wer hat den Belgier geholt? Ein weiterer Punkt für Eberl.
Um den gebürtigen Niederbayer hatte es zuletzt Unruhe gegeben. Im "kicker" wurde über Kritik an seinem Führungsstil sowie der internen Kommunikation berichtet. "Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich ihn sehr schätze", sagte Hoeneß, seit den 1990er-Jahren eine Art "Ziehvater" für Eberl.
Dennoch fordert der Mister FC Bayern: "Die Aufgabe ist jetzt, den Umbruch in der Mannschaft zu schaffen und die auslaufenden Verträge unter Dach und Fach zu bringen."
Und dabei zu sparen, etwa bei Topverdiener Thomas Müller (35), der wohl im Sommer aufhört. Gehaltskosten senken, das ist Eberls Herkulesaufgabe.
Wunsch-Transfer Wirtz
Sparen, Verträge verlängern und zugleich den Umbau der Mannschaft durch Spielerverkäufe (Leon Goretzka, Serge Gnabry, Kingsley Coman) voranbringen?
Trotz des Rekordumsatzes von einer Milliarde Euro? Wie soll das gehen? Eberl selbst verweist - ohne Namen zu nennen - darauf, nicht für alle Altlasten der Vergangenheit (die großzügigen Gehälter, die Ex-Vorstandsboss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic vergeben haben), verantwortlich zu sein.
Hoeneß mahnte, nach "den ganzen Vertragsverlängerungen", solle man erstmal "Bilanz ziehen und schauen, wie viel Geld noch da ist, um eventuell neue Spieler zu holen. Aber, so wie ich es im Moment sehe, ist nicht viel Geld da, um nächstes Jahr groß einzukaufen. Entscheidend ist ja nicht der Umsatz, sondern der Ertrag. Der ist immer noch okay, aber auch nicht mehr so, wie er schon mal war."
Denn Hoeneß träumt davon, 2026 Florian Wirtz von Bayer Leverkusen zu verpflichten. Ein Transfer wohl über der 100-Millionen-Euro-Ablöse-Marke.
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Quelle: Perform
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