FC Bayern München wird wieder zum FC Deutschland: schwarz-rot-goldene Kehrtwende durch Nachwuchs und Transfers

Lange Zeit galt beim FC Bayern die Devise, dass die besten deutschen Spieler in München unter Vertrag stehen sollen. Doch in der jüngeren Vergangenheit wechselten immer weniger DFB-Stars an die Isar. Erst seit Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund das Ruder übernommen haben, scheint der Rekordmeister umzuschwenken. Eine wichtige Rolle spielt aber auch der Nachwuchs.

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Quelle: Perform

Spieler des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft, das war lange Zeit fast schon ein Synonym. Seit der Einführung der Bundesliga zur Saison 1963/64 standen mit Ausnahme der Europameisterschaft 1980 und des Confed Cups 2017 bei jedem Titelgewinn der DFB-Elf mindestens sechs Bayern-Stars im Kader.
Doch in den vergangenen Jahren drohte der deutsche Nationalspieler im Dienst des Rekordmeisters fast schon zur aussterbenden Art zu werden. Für die Heim-EM im vergangenen Jahr berief Bundestrainer Julian Nagelsmann nur fünf Profis aus der Isar-Metropole.
So wenige waren es bei einem großen Turnier zuletzt bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich gewesen.
Beim bitteren Viertelfinal-Aus 2024 gegen Spanien (1:2 n.V.) spielten Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Leroy Sané zwar von Beginn an und mit Thomas Müller wurde auch der fünfte Bayer noch eingewechselt.

Bayern-Achse beim DFB auf die Rote liste?

Doch durch die Rücktritte von Neuer und Müller nach dem Turnier hatte der deutsche Rekordmeister im vergangenen Sommer plötzlich nur noch drei EM-Teilnehmer in seinen Reihen.
Die beiden nicht-nominierten Leon Goretzka und Serge Gnabry schienen in München zunehmend aufs Abstellgleis zu geraten. Einzig Aleksandar Pavlovic räumte man noch gute Chancen auf eine Rückkehr ins National-Dress ein. Die Bayern-Achse ein Fall für die Rote Liste?
So schlimm ist es heute - so viel sei vorweg genommen - nicht. Aber dass sich diese Frage überhaupt stellte, lag vor allem an zwei Dingen: den langjährigen Nachwuchsprobleme und dem Transfer-Gebaren unter den im Sommer 2023 geschassten Hassan Salihamidzic und Oliver Kahn.
Rechnet man Salihamidzic' - am 31. Juli 2017 als neuer Sportdirektor vorgestellt - erstes Transferfenster (Schluss am 31. August) heraus, verpflichteten die Bayern in den fast sechs Jahren seiner Amtszeit nur fünf deutsche Spieler.

Nur 53 Millionen für deutsche Spieler

Goretzka kam im Sommer 2018 ablösefrei vom FC Schalke 04. 2019 lotste man Fiete Arp vom Hamburger SV für drei Millionen Euro in die bayerische Landeshauptstadt. Dazu verpflichtete man im Sommer 2020 den lange umworbene Sané (Manchester City/50 Millionen Euro) und Alexander Nübel (FC Schalke/ablösefrei). 2021 wurde noch Sven Ulreich ablösefrei vom HSV zurückgeholt.
Schlappe 53 Millionen Euro gaben die Bayern in der Ära Salihamidzic für deutsche Stars aus. Das große Geld investierte man anderweitig. Alleine Lucas Hernández (Atlético Madrid/80 Millionen Euro), Mathijs de Ligt (Juventus Turin/67 Millionen Euro) und Sadio Mané (FC Liverpool/32 Millionen Euro) kosteten im Verbund mehr als das Dreifache dieser Summe.
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Mathijs de Ligt konnte sich beim FC Bayern nie dauerhaft durchsetzen

Fotocredit: Getty Images

Aus unterschiedlichen Gründen gelang keinem der drei letztlich dauerhaft der Durchbruch. Alle suchten bald wieder das Weite, während mit Goretzka, Sané, Ulreich und Nübel immerhin noch vier der deutschen Neuzugänge gültige Verträge mit den Bayern haben.
Deutliche Zeichen einer kapitalen Fehleinschätzung, zumal mit Kai Havertz (2020 zum FC Chelsea/80 Millionen Euro) oder Antonio Rüdiger (2022 zu Real Madrid/ablösefrei) deutsche Top-Stars in der selben Zeit für teils deutlich geringere Summen munter zwischen der internationalen Konkurrenz hin- und herwechselten.

Bayern-Wende auf dem Transfermarkt

Auf diese Bilanz wirkt sich lediglich der Umstand mildernd aus, dass Musialas erster Profi-Vertrag ebenfalls unter die Ägide des Duos Salihamidzic/Kahn fiel. Trotzdem markierte die Vorgehensweise einen klaren Bruch mit dem Vereinspostulat früherer Tage, wonach die besten deutschen Spieler in München zu spielen hatten.
Mittlerweile sehen die Dinge etwas anders aus: für das Nations-League-Viertelfinale gegen Italien berief Bundestrainer Nagelsmann zwar nur vier Bayern-Stars, aber die Weichen für die Zukunft sind deutlich in Richtung des FC Deutschland früherer Tage gestellt.
Goretzka hat sich unter dem neuen Bayern-Trainer Vincent Kompany zurückgekämpft und Pavlovic kosten einzig seine ständigen gesundheitlichen Probleme häufigere Auftritt mit dem Adler auf der Brust.
Unter den beiden neuen starken Männern Max Eberl und Christoph Freund hat der Rekordmeister außerdem eine Kehrtwende auf dem Transfermarkt vollzogen.
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Max Eberl (rechts) bei der Vorstellung von Jonas Urbig (links)

Fotocredit: Getty Images

Nachwuchsinvestitionen tragen Früchte

Mit Jonas Urbig (acht Millionen Euro) und Tom Bischof (ablösefrei) hat man in der laufenden bzw. zur kommenden Saison bereits zwei vielversprechende deutsche U21-Nationalspieler verpflichtet.
Vorher hatten die Bayern zuletzt im Sommer 2020 - vor viereinhalb Jahren (!) - bei Sané Geld für einen DFB-Spieler in die Hand genommen. Seit Ulreich 2021 hatte es überhaupt keinen deutschen Neuzugang gegeben.
Zudem scheint das 70 Millionen Euro schwere Nachwuchsleistungszentrum (Eröffnung im Jahr 2017) endlich Früchte zu tragen - Musiala und Pavlovic sollen nur die Vorhut gewesen sein.
Gegenwärtig tummelt sich im In- und Ausland eine echte Armada an hochveranlagten Münchner Leihspielern um Top-Talent Paul Wanner, auch wenn der 19-Jährige weiterhin die Option hat, für Österreich aufzulaufen.

Kommt auch Wirtz?

Und dann ist da ja auch noch Florian Wirtz, dem Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Ex-CEO Karl-Heinz Rummenigge seit Monaten öffentlich Avancen machen. Falls dessen Verpflichtung tatsächlich klappt, wäre an der Rekordmeister-Achse in der deutschen Nationalmannschaft kein Vorbeikommen mehr.
Doch auch ohne Wirtz lässt sich beim Blick auf den philosophischen Umbruch unter Eberl und Freund sagen, dass der Art "Bayern-Star im DFB-Dress" die Rote Liste erst einmal erspart bleiben dürfte.
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Nagelsmann vor Italien-Duell: "Mache jetzt keine Titel-Ansage"

Quelle: Perform


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