FC Bayern und der Poker um Florian Wirtz: Darum haben die Münchner alle Trümpfe in der Hand - mit Herzbube Uli Hoeneß

Der FC Bayern will Florian Wirtz unbedingt schon diesen Sommer verpflichten – und ist sich seiner Sache ziemlich sicher. Dabei buhlt auch die europäische Konkurrenz, allen voran Englands Meister FC Liverpool, intensiv um das Leverkusener Toptalent. Ein Transfer in diesem Jahr wäre deutlich teurer als 2026 – doch die Münchner drängen. Eine Schlüsselrolle im Poker könnte zudem Leroy Sané spielen.

Wirtz-Reise und Sané-Poker: Das sagt Eberl

Quelle: Perform

Kein Tag ohne Eilmeldung oder zumindest eine minimale News zum Thema Florian Wirtz.
Was an einen anderen Kaugummi-Transfer erinnert: Vor zwei Jahren bahnte sich der Transfer von Stürmer Harry Kane zum FC Bayern München ab Mai bereits an und zog sich dann doch wegen des Gefeilsches um die Ablösesumme mit seinem Verein Tottenham Hotspur wochenlang hin. So könnte es jetzt auch bei Wirtz sein. Die Sache ist im Grunde einfach, aber doch kompliziert. 
Punkt eins: Der FC Bayern will ihn haben. Unbedingt. So schnell wie möglich.
Punkt zwei: Sein aktueller Verein, Bayer Leverkusen, will so viel Geld wie möglich. Unbedingt. Aber so spät wie möglich.
Drumherum mischen noch andere Großvereine mit im Werben um Deutschlands größtes Fußball-Juwel, das einen Marktwert von rund 140 Millionen Euro hat, Tendenz steigend. Der Vertrag des 22-jährigen Offensivspielers in Leverkusen läuft noch bis 2027, eine im letzten Winter geplante, vorzeitige Vertragsverlängerung lehnte Wirtz ab.

Lediglich der FC Liverpool hat noch nicht aufgegeben

Zuletzt hieß es in mehreren britischen Medien, dass sich Manchester City mit Starcoach Pep Guardiola aus dem Transferpoker verabschiedet hätte – die Kosten für einen Transfer und das Gehaltsvolumen des DFB-Nationalspielers (150 Millionen Euro Ablöse plus 20 bis 25 Millionen Euro Jahresgehalt per anno) seien zu hoch. Für Manchester City, seit Jahren gepimpt durch Gelder aus Abu Dhabi! Das will was heißen.
Dabei war Wirtz in Manchester als möglicher Nachfolger von Klub-Legende Kevin De Bruyne, der den Verein nun verlässt, gehandelt worden.
Konkreter, und damit weiter im Rennen, ist der neue englische Meister FC Liverpool. Ein Treffen mit dem Spieler und seinen Eltern dementierte man in Nordengland, doch Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß plauderte es – indirekt – aus.
picture

Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß

Fotocredit: SID

Als es am Samstagabend vor der vereinsinternen Meisterfeier des FC Bayern um seinen absoluten Wunschspieler ging und Hoeneß zum Stand der Dinge befragt wurde, polterte der 73-Jährige gegenüber den Reportern angesäuert: "Was soll ich Ihnen jetzt sagen? Ihr habt doch wochenlang schönen Mist geschrieben. 'Er geht zu Manchester City‘, dabei war er in Liverpool. Wir versorgen euch irgendwann mit Fakten und nicht mit weiteren Spekulationen. Dafür seid ihr verantwortlich."

Ballack-Route als Vorbild für Wirtz

Irgendwann mit Fakten. Dass er zu Bayern kommt, der Wirtz. Jetzt, in diesem Transfersommer - oder 2026.
Wirtz hat gemeinsam mit Mama Karin und Papa Hans, zugleich sein Berater, den Münchner Verantwortlichen klar zu verstehen gegeben, dass er nur zu Bayern will. Auch die Familie präferiert einen Transfer innerhalb der Bundesliga. Der nächste Karriereschritt ist bewusst gewählt und soll innerhalb Deutschlands erfolgen. Ein Wechsel in die Premier League erscheint der bodenständigen Familie für ihren Sohn zu früh.
Das erinnert an die konkrete, langfristig angelegte Karriereplanung von Michael Ballack. Über den 1. FC Kaiserslautern (zwei Jahre) ging es zu Bayer Leverkusen (drei Spielzeiten), von dort an die Säbener Straße (vier Jahre) und dann auf die Insel zum FC Chelsea (vier Spielzeiten). Step by step auf der Karriereleiter nach oben. Ballacks Route ist ein Vorbild für den Wirtz-Weg.
picture

Florian Wirtz sollte laut Ballack in Leverkusen bleiben

Fotocredit: Getty Images

Auch bei Wirtz soll der nächste Schritt, der Wechsel ins Ausland, mittelfristig kommen – aber ohnehin früh genug. Er ist ja erst 22.

Wirtz-Transfer: Selbst für Real eine Nummer zu groß

Dass mit Real Madrid ein neuer europäischer Big-Player in den Poker um Wirtz eingestiegen sein soll, juckt die Bayern herzlich wenig. Laut "Radio Marca" und "El Mundo" ist vor allem der designierte Real-Coach Xabi Alonso an einer schnellen Wiedervereinigung mit dem Offensivspieler interessiert. Zweieinhalb Jahre coachte Alonso den Musterschüler in Leverkusen. Aber selbst für die Königlichen ist das Preisschild von bis zu 150 Millionen Euro für Wirtz abschreckend bis kaum umsetzbar.
picture

Xabi Alonso gemeinsam mit Florian Wirtz

Fotocredit: Getty Images

Bemerkenswert in diesem ganzen Spiel um Wirtz ist die Gelassenheit, die man in München bei diesem Thema hat – und nicht nur zur Schau stellt. Die Konkurrenz? Pffft! Sollen sich nur erkundigen und die Familie zum Gespräch einladen! Sollen nur ein Angebot abgeben! Man ist sich an der Säbener Straße seiner Sache und seinem Traum-Transfer sicher.
So sehr, dass man selbst im Fall Leroy Sané nun gelassen auf Zeit spielen kann. Sanés Vertrag beim FC Bayern läuft Ende Juni aus, er hat nach dem Wechsel seines Managements das – nicht aufgestockte – Angebot des Vereins abgelehnt. Aber daher Verstimmung samt Trennungsvibes? Nein, dafür ist er als Offensivspieler für Trainer Vincent Kompany zu wertvoll.
Und als möglicher Platzhalter für Wirtz, wenn der erst im Sommer 2026 kommt. Oder im Worst-Case-Szenario gar nicht.

Warum man bei Sané gelassen bleiben kann

Bei anderen Spielern hätte Bayern ein endgültiges Nein wohl konsequenter vermittelt. Zu Sané erklärte Sportvorstand Max Eberl nach dem 4:0 in Hoffenheim gelassen: "Leroy hat uns gesagt, er möchte unser Angebot nicht annehmen in der Form. Aber, das ist das Schöne, es gibt kein böses Blut."
Er macht die Tür nicht nur einen Spalt, sondern weit auf für Sané, der 2020 für rund 50 Millionen Euro von Manchester City verpflichtet wurde: "Man spürt, dass er schon gerne bleiben möchte. Wir haben unseren Wunsch geäußert und jetzt schauen wir mal, was die nächsten Tage passiert." Präsident Herbert Hainer meinte am vergangenen Wochenende, es sei "noch nicht endgültig vorbei".
Hainer weiter: "Wir wollten Leroy gerne behalten, das ist ganz klar. Wir haben ihm nach unserem Dafürhalten ein vernünftiges und attraktives Angebot gemacht. Wenn er es annimmt, würde es uns freuen. Wenn nicht, geht das Leben auch weiter."
Ein ablösefreier Abgang tut immer weh. Allerdings würde man sich bei Sané das Gehalt der nächsten Jahre sparen. Man hat ja Wirtz an der Angel. Und ein offensives Dreigestirn im Mittelfeld mit Jamal Musiala, Wirtz und Sané würde kaum funktionieren. Sind "Wusiala" fit, der eine als Linksaußen (Wirtz), der andere als Zehner (Musiala), dazu Rechtsaußen Michael Olise, für Eberl "der Spieler der Bundesliga" - schon wäre kein Platz für Sané.
picture

Jamal Musiala und Florian Wirtz bei der EM 2024

Fotocredit: Getty Images

Außerdem hat man noch den flexiblen Serge Gnabry. Als Alternative auf jeder Offensiv-Position – selbst für Mittelstürmer Harry Kane. Flügelstürmer Kingsley Coman soll diesen Sommer verkauft werden, im zweiten Anlauf nach dem Sommertransfer-Fenster 2024, als der Franzose keinen Wechsel wollte.

Das Faustpfand namens Uli Hoeneß

Beim Werben um Wirtz hält Hoeneß seit jeher einen engen Draht zur Familie des Spielers, vor allem zu Vater Hans, dem Berater. Dieses Faustpfand macht die Bayern so selbstbewusst. Nach dem Motto: Unser Uli hat noch fast jeden rumgekriegt.
Dazu kommt die finanzielle Ausgangslage: Gibt Leverkusen demnächst nach, wenn sie von der Wirtz-Seite das Signal erhalten, dass er wechseln möchte? Bleibt man hart und lässt ihn diesen Sommer nicht ziehen, weil kein Verein – schon gar nicht Bundesliga-Konkurrent Bayern - die gewünschte Summe überweisen möchte, hat man einen möglicherweise unzufriedenen Spieler in den Reihen.
Dazu kommt: Mit Kompany könnte sich Wirtz jetzt schon besprechen und austauschen über die sportliche Rolle des potenziellen Zugangs – wenn dies Gerüchten zufolge nicht längst schon geschehen ist.
Was aber passiert bei Bayer? Da steht der künftige Trainer und Nachfolger von Xabi Alonso noch nicht fest. Außerdem wäre Wirtz im Sommer 2026 günstiger, Bayern würde zwar jetzt mehr bezahlen (müssen), kann aber so indirekt den Preis bestimmen. Wollt ihr mehr, liebe Leverkusener, dann lasst euren Florian mal schön jetzt ziehen. Ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages zahlen wir im Sommer 2026 nicht mehr so viel.
Sie haben ein gutes Blatt, die Bayern. Mit Herzbube Uli H.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung