FC Bayern ringt um Titel und Identität: Wie Uli Hoeneß, Florian Wirtz und ein drohendes Champions-League-Aus das Selbstbild erschüttern - Kommentar
Update 14/04/2025 um 11:54 GMT+2 Uhr
Bayern Münchens Patron Uli Hoeneß redet wie eh und je - mal Klartext, mal Chaos. Zwischen widersprüchlichen Aussagen zu Florian Wirtz, der Angst vor dem Mittelmaß und dem drohenden Champions-League-Aus gegen Inter ringt der FCB 2025 um sein Selbstverständnis. Ist das noch ein Spitzenklub oder ein Team im Umbruch? Die Antwort fällt schwer - auch auf dem Platz. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Rückschläge? Kompany glaubt an seine Bayern: "Lüge nicht"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Uli Hoeneß hat gerade mal wieder einen unbezwingbaren Mitteilungsdrang. Kaum ein Tag vergeht, an dem er sich nicht in einem Interview über Vereinsinterna auslässt, die dann hinterher wieder geradegerückt, korrigiert oder mindestens vielstimmig kommentiert werden müssen.
Wäre der FC Bayern ein Aktienverein, der nicht nur in der Bundesliga, sondern auch an der Börse notiert ist, könnte kein FCB-Aktionär mehr ruhig schlafen. Insofern gibt es durchaus Parallelen zu Donald Trump, der mit gleicher Taktik gerade mit den Weltmärkten Bingo spielt.
Während der US-Präsident sich das Recht einfach so herausnimmt, weil keiner über ihm steht, ist bei dem ganz normalen Aufsichtsratsmitglied Hoeneß die Frage, warum er das überhaupt darf und ihm der CEO nicht einfach den Mund verbietet. (Zwinkersmiley!)
So erzählt er in der "Welt am Sonntag" lang und breit, warum man für Superstar Florian Wirtz kein Geld mehr habe, um zwei Tage später im "BR" zu erklären, dass man "selbstverständlich einen solchen Transfer machen könnte". Mal Hü, mal Hott, aber immer Hoeneß.
FC Bayern: Die Angst, nur eine "Durchschnittsmannschaft" zu sein
Im "BR" skizzierte der Erfinder des MIA SAN MIA auch seine grundsätzliche Angst davor, dass sein genetischer Fußabdruck, sprich der FC Bayern, einmal zur "Durchschnittsmannschaft" verkommen könne.
In der letzten Saison unter Thomas Tuchel sei man genau das gewesen, so Hoeneß. In der Liga nur Dritter, keine Titel, das dürfe sich nicht wiederholen. Und, nach allen Erfahrungen von Wirklichkeit, wird sich das auch nicht wiederholen, die Bayern sind an diesem Wochenende ihrer 34. Deutschen Meisterschaft zum Greifen nahegekommen.
Nicht in erster Linie aufgrund eigener Stärke, es ist vielmehr die latente Schwäche des großen Konkurrenten Bayern Leverkusen, der aktuell nicht das Zeug dazu hat, ein Titelverteidiger zu sein.
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Bayerns Ausscheiden gegen Inter nicht eingeplant
Und doch hängt über den Bayern, und nicht erst seit Hoeneß sie in diesem TV-Interview wortreich verbalisiert hat, diese latente Angst, irgendwann nur noch eine "Durchschnittsmannschaft" zu sein. Sozusagen das Damoklesschwert über der FC Bayern-DNA.
Schon am kommenden Mittwoch im Viertelfinal-Rückspiel bei Inter Mailand in der Champions League (ab 21:00 Uhr live im Ticker) wird sich weisen, ob die Kompany-Bayern des Jahres 2025 das Zeug dazu haben, eine europäische Spitzenmannschaft zu sein.
Geht es also nach Hoeneß, können sich die Bayern ein Ausscheiden gegen Inter gleich zweimal nicht leisten: Nicht in Bezug auf ihren Status (Spitzenmannschaft) noch wirtschaftlich (Stichwort "Kreditabteilung").
Um es noch zugespitzter zu formulieren: Will man ernsthaft bei Wirtz mitbieten, reichen die Einnahmen aus einem CL-Viertelfinale nicht aus.
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Die Zukunft von Florian Wirtz ist aktuell offen
Fotocredit: Getty Images
In der Bundesliga souverän, in der CL nicht
Aber was stimmt denn nun, sind die Bayern 2025 wieder Spitze oder doch eher nur gehobener Durchschnitt? Schaut man auf die Statistiken, ist die Antwort gar nicht so einfach. 21 Saisonsiege bei nur zwei Niederlagen sind sehr ordentlich, international aber waren die Bayern weit weniger souverän.
Die Abfuhr in Barcelona, das peinliche Zittern gegen Celtic im Achtelfinale (2:1, 1:1) und die erste CL-Heimpleite gegen Inter (1:2) nach 22 Spielen - das alles wirkt nicht stabil genug. Und gerade jetzt, in der heißesten Phase der Saison, zünden sie nicht wie sonst den Turbo, sondern beschäftigen sich mit sich selbst (siehe Hoeneß) oder offenbaren Selbstzweifel, die es ihrem Selbstverständnis nach gar nicht geben dürfte.
Am Samstagabend zuhause gegen den BVB (2:2): 63 Prozent Ballbesitz, 11:3 Torschüsse, die Bayern führen und müssen das Spiel nach Hause fahren - aber sie tun es nicht. Am Dienstag letzter Woche gegen Inter: 59 Prozent Ballbesitz, 7:4 Torschüsse, insgesamt 20 Chancen und trotzdem verlieren sie das Spiel. Ist das Spitze oder Durchschnitt?
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Aleksandar Pavlovic plagten in der vergangenen Saison Verletzungsprobleme.
Fotocredit: Getty Images
Wo ist die legendäre Bayern-Effizienz?
In Sachen Effizienz sind diese Bayern ganz aktuell kein Spitzenspitzenteam. Eben jene Bayern, die in ihrer erfolgreichen Vergangenheit ganze Ären geprägt haben mit ihrem Effizienzdenken, Spitznamen wie "Die Dusel-Bayern" oder "Die 1:0-Bayern" oder das sprichwörtliche "Bayern-Glück" zeugen von dieser Art Fußball zu denken und zu spielen.
Mit MIA SAN MIA haben die Bayern in solchen Jahren Titel geholt, mit Laissez faire wie zuletzt werden sie das zweite Finale Dahoam in der Champions League im Mai verpassen. Und ein Ausscheiden gegen Inter am Mittwoch würde die Diskussion, ob Spitzen- oder Durchschnittsmannschaft ganz sicher neu befeuern.
Die gute Nachricht für Uli Hoeneß: es wird sich sicher ein geeigneter Interviewpartner finden.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Alonso nach Wirtz-Rückkehr erleichtert: "Seine Qualität vermisst"
Quelle: Perform
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