Julian Brandt in einer Liga mit Florian Wirtz und Jamal Musiala? So gut - oder schlecht - ist der BVB-Star wirklich

Julian Brandt wird bei Borussia Dortmund von Trainer Niko Kovac mit Florian Wirtz und Jamal Musiala gleichgesetzt und erhält beim lauen 0:2 beim VfL Bochum in der Bundesliga prompt die Quittung dafür - von den Experten, aber auch von Brandt selbst. Was wollte der neue BVB-Coach mit seiner Aussage bezwecken? Und wie gut ist der Offensivmann der Dortmunder wirklich? Ein Erklärungsversuch.

Kovac nach BVB-Pleite: "Sind weit weg von dem, wo wir hinwollen"

Quelle: Perform

Niko Kovac wusste freilich nicht, dass der BVB in Bochum am Samstag sein "blaues Wunder" erleben würde - wahrscheinlich hätte er sonst nicht diesen Satz gesagt. Als die Sprache bei "Sky" vor dem Spiel auf Julian Brandt kam, meinte der neue BVB-Trainer: "Wir sind uns alle glaube ich einig, dass Jule neben Wirtz und Musiala in diese Range dazugehört."
Eine sehr gewagte Einschätzung, die Brandt mit seiner Leistung beim 0:2 im Revierderby sogleich torpedierte - und einen Nebenkriegsschauplatz öffnete.
Denn für die Expertenriege war Brandts Auftritt nach Kovacs Steilvorlage ein gefundenes Fressen. "Was der Brandt heute gezeigt hat, war unterirdisch", keifte "Sky"-Axt Didi Hamann.
"Irgendwann musst du mal sagen: Es ist genug. Dann musst du einen Schnitt machen und die Spieler ersetzen. Es geht nicht anders", forderte der Ex-Nationalspieler. Um vom BVB-Heilsbringer zum Abschiebekandidaten zu werden, reicht eben manchmal nur ein lauer Nachmittag in Bochum.
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Kovac erklärt sich - was war da mit Gittens?

Quelle: Perform

Musiala und Wirtz torgefährlicher als Brandt

Doch was bewog Kovac überhaupt, diesen Vergleich zu ziehen, diese Fallhöhe zu kreieren? Sieht der neue BVB-Trainer in Brandt mehr als alle anderen? Oder wollte er ihn damit herausfordern?
Der Blick auf die nackten Zahlen trägt Kovacs Einschätzung jedenfalls nicht mal ansatzweise. Die Torgefahr der anderen beiden erreicht der BVB-Star diese Saison bei weitem nicht. Musiala und Wirtz kommen für den FC Bayern bzw. Bayer 04 Leverkusen je genau auf 15 Pflichtspieltore. Wirtz hat zudem zwölf weitere Treffer aufgelegt, Musiala acht - macht 27 bzw. 23 Scorerpunkte. Bei Brandt sind es "nur" 14: vier Tore, zehn Assists.
Dabei stand der Dortmunder in 29 Pflichtspielen rund 2300 Minuten auf dem Feld; bei Wirtz sind es in 35 knapp 2650 Minuten, bei Musiala in 31 Matches 2200 Minuten - vergleichbare Werte.
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Julian Brandt von Borussia Dortmund bleibt hinter den Erwartungen zurück

Fotocredit: Getty Images

Brandt hat in den meisten Statistiken das Nachsehen

In den meisten anderen Bundesliga-Statistiken reicht Brandt den anderen beiden auch nicht das Wasser.
Abgegebene Torschüsse? Wirtz 60, Musiala 53 - Brandt 34.
Gewonnene Zweikämpfe? Wirtz 307, Musiala 206 - Brandt 118.
Passquote? Musiala 83,38 %, Wirtz 83,18 % - Brandt 83,17 %.
Gezogene Fouls? Musiala 47, Wirtz 31 - Brandt 7.
xGoals-Wert? Wirtz 7,86, Musiala 6,77 - Brandt 3,57.
Dribblings? Wirtz 125, Musiala 94 - Brandt 28.
Pfosten-/Lattentreffer? Wirtz 4, Musiala 1 - Brandt 0.
Nur in zwei Kategorien ist der Dortmunder vorne:
Flanken aus dem Spiel: Brandt 31 - Wirtz 27, Musiala 1.
Top-Speed: Brandt 34,3 km/h - Wirtz 33,9 km/h, Musiala 33,7 km/h.
Bei anderen Laufleistungen reiht er sich dagegen in der Mitte ein:
Distanz pro 90 Minuten: Wirtz 11,76 km, Brandt 11,47 km, Musiala 10,81 km.
Sprints pro 90 Minuten: Wirtz 34,5, Brandt 27,6, Musiala 25,6.
Intensive Läufe pro 90 Minuten: Wirtz 91,8, Brandt 83,1, Musiala 75,0.

Wirtz in einer anderen Liga

Nackte Vergleiche sind natürlich nicht die einzigen "Währungen" für einen Fußballer. Die Bemessungsgrundlagen für einen Trainer sind subtiler, die Mischung macht's, eine Melange.
So vergibt das Portal "WhoScored" zum Beispiel ein Gesamt-"Rating" für Spieler, ermittelt aus mehreren statistischen Werten. Hier kommt Wirtz als zweitbester Bundesliga-Spieler nach Harry Kane (7,93) auf einen Punkteschnitt von 7,71, Musiala folgt dicht dahinter mit 7,67. Brandt steht bei nur 6,78 und liegt damit unter anderem hinter Leon Goretzka (FC Bayern/6,81), Kevin Stöger (Borussia Mönchengladbach/6,84) oder Romano Schmid (Werder Bremen/6,88).
Ein weiteres Beispiel: Auch das Managerspiel "kickbase" setzt auf kumulierte statistische Werte. Hier erreicht Wirtz in der Bundesliga einen Schnitt von 187 Punkten pro Spiel. Musiala kommt auf 172, Brandt dagegen nur auf 105, er gehört damit nicht zu den Top-25-Spielern der Liga.
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Julian Brandt spielt seit 2019 für Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Kovac: Brandt ist ein "mannschaftsdienlicher Spieler"

Die Statistik ist aber auch nur eine Seite der Medaille. Fußball ist vielschichtiger, nicht alles zu bemessen; und Dinge wie effektives Anlaufverhalten oder sogenannte "Opferläufe" statistisch nicht wirklich zu erfassen. Noch weniger die "soft skills", das Umsetzen der Vorgaben des Trainers, das Wirken auf die Mitspieler, die Abstimmung mit den Teamkollegen, auch motivatorische Fähigkeiten - Führungsspielerqualitäten eben.
Immerhin erkannte Kovac bei der 1:2-Heimniederlage gegen Stuttgart jüngst in Brandt "einen Spieler, der technisch versiert ist, der tief geht. Er ist ein mannschaftsdienlicher Spieler, der sich wirklich hundertprozentig in den Dienst der Mannschaft stellt."
Anderen geht das aber nicht weit genug. "Brandt würde ich gerne als Leader sehen, aber er zeigt mir immer das Gegenteil", schrieb Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner "Sky"-Kolumne. Bei "Sky90" war der Experte sogar noch weiter gegangen: "Ich habe D-Jugend trainiert. Ein Zehnjähriger ärgert sich mehr als ein Julian Brandt und das darf nicht sein. Meine Spieler haben sich geärgert, wenn sie verkackt haben. Brandt hat sich nicht geärgert."

Kovacs Brandt-Aussage ist vor allem ein Wunsch

Matthäus erwartet vom BVB-Star nicht nur vereinzelt, sondern "in 80 Prozent der Spiele, dass er vorne rangeht, dass er Akzente setzt, dass er Unterschied macht, die Mannschaft mitzieht, auch wenn es mal nicht so läuft", wie er bei "sport.de" ergänzte.
Da geht Kovac sogar mit. "Natürlich muss er das Woche für Woche beweisen", sagte der 53-Jährige nämlich auch vor dem Bochum-Spiel und koppelte seinen Vergleich mit Wirtz und Musiala an einen frommen Wunsch: "Er ist ein toller Fußballer Er hat die Qualitäten. Ich wünsche mir und bin davon überzeugt, dass er wieder dorthin kommt, wo er in der letzten Saison war."
Letztlich gehe das aber auch nur über das Kollektiv - und da sind auch andere BVB-Spieler in der Pflicht. "Man kann nicht sagen, einer ist dafür zuständig und der Rest kann sich ausruhen. Wir sind nur gut, wenn alle in eine Richtung rudern und entsprechend Fußball spielen", so Kovac.
Sonst droht den Dortmundern wirklich die von Nico Schlotterbeck warnend an die Wand gemalte "Horrorsaison".
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Quelle: Perform


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