Thomas Müller: Fiasko um Abschied der Klub-Ikone beschädigt den FC Bayern und die Verantwortlichen um Eberl - Kommentar

Das Aus von Thomas Müller beim FC Bayern München sorgt für heftige Diskussionen rund um den deutschen Rekordmeister. Der zum Politikum aufgestiegene Fall wirft ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen an der Isar. Die Personalie Müller droht das Vertrauen in den ach-so-traditionsbewussten Verein und dessen Ansehen in der Fußballwelt zu erschüttern. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

Müller verlässt den FC Bayern: Eine Legende sagt Servus

Quelle: Perform

Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Es gehört zu den großen Binsenweisheiten des Fußballs, dass der FC Bayern München der erfolgreichste und bestorganisierteste deutsche Profiklub ist. Letzteres trifft zumindest immer nur so lange zu, bis eine Kontroverse am Mia-san-Mia-Firmament auftaucht, die sich nur mit einer guten Kinderstube aufzulösen vermag.
Erinnern wir uns an Jupp Heynckes, der 2013 zwar mit dem deutschen Rekordmeister als Trainer das Triple holen durfte, dem man aber nicht sagte, dass man längst mit Pep Guardiola einig sei und seine Dienste nicht länger benötige.
Oder denken Sie an Oliver Kahn, der Julian Nagelsmann 2023 am Handy im Skikurzurlaub kündigte, obwohl es sportlich dafür keine echten Gründe gab.
Und jetzt also, in einer noch viel längeren historischen Reihe von kommunikativen Totalaussetzern, das Fiasko um Thomas Müller, einem der letzten gebürtigen Bayern im Team, Identitätsstifter und "Legende", wie am Wochenende immer wieder zu lesen war.

Müllers große Verbitterung

Gut, Nelson Mandela ist vielleicht eine Legende, aber lassen wir das. Die Münchner feiern gerade ihren 125. Geburtstag, spätestens jetzt feiert die Basis nicht mehr. Der Jubilar ist nachhaltig beschädigt.
Um es hochgestochen mit Friedrich Schiller zu sagen: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen". Ich bitte alle woken Fußballästheten um Entschuldigung, obiger Satz ist Hochliteratur, da fummle ich nicht im Text rum.
Es geht ja schließlich auch gar nicht um einen Mohren, sondern um den Müller und der soll jetzt gehen. Heißt: Kein neuer Vertrag, die Karriere beim FC Bayern nach 25 Jahren Zugehörigkeit vorbei. Servus, Baba, Arrivederci!
Zur Staatsaffäre wurde die Personalie, nachdem Müller selbst öffentlich machte, dass der Abgang eben nicht im gegenseitigen Einvernehmen erfolgte, der übliche Klischeesatz, sondern er gerne weitergemacht hätte.

Bayerns Krisenkommunikation

Der Verein habe sich "bewusst dafür entschieden, mit mir keinen neuen Vertrag für die nächste Saison zu verhandeln", so "Radio Müller". Aber Moment mal, Müller und Vertrag, da war doch was? Genau!
Hier beginnt das eigentliche Fiasko. Dass man zu der Überzeugung gelangt, den Vertrag eines 35-Jährigen nicht mehr zu verlängern, ist kein Skandal, sondern Usus.
Ziemlich dämlich ist es vielleicht, einen wie Müller, wenn schon nicht als Spieler, doch wenigstens als Funktionär umgehend an den Verein zu binden. Pressesprecher, Maskottchen, CEO – im Zweifel könnte der Müller das alles.
Skandalös ist allerdings wieder einmal die öffentliche Krisenkommunikation des FC Bayern in der Person von Max Eberl bei den "Sport1"-Kollegen vom "Doppelpass".

Chronologie im Fall Müller

Die Chronologie zeigt, was ich meine: Am 10. Januar 2025 erläuterte Sportvorstand Eberl der Öffentlichkeit genüsslich, dass die Vertragsverlängerung mit Müller das "kürzeste Gespräch" überhaupt sein werde.
Man werde sich "tief in die Augen" schauen, mich erinnerte das an Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann, und "dann wirds weitergehen", so Eberl. Der Casablanca-Moment des FC Bayern. Das klang groß und genauso groß war es wohl auch gemeint.
Am 5. März, wenige Tage vor dem Vertragsgespräch mit Müller, wiederholte Eberl seinen Aphorismus vom "kürzesten Gespräch" der Fußballvertragsgeschichte in der "Sport-Bild" noch einmal wörtlich, wie der "BILD"-Kollege Jörg Althoff im "Doppelpass" nachwies.
Und das, obwohl Aufsichtsrat Uli Hoeneß Ende Februar im Rahmen der Premierenfeier der "Amazon"-Doku über Müller einer Vertragsverlängerung eigentlich schon vorab eine Absage erteilt hatte. Gönnerhaft ließ er wissen, dass es Müllers großer Karriere "nicht würdig" sei, wenn er nur noch auf der Bank sitze.
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Max Eberl steht durch das Müller-Fiasko schlecht da

Fotocredit: Getty Images

Die Rolle von Max Eberl

Warum Hoeneß als Aufsichtsrat vor einer faktischen Entscheidung darüber öffentlich palavert, kann wieder mal nur den Schluss nahelegen, dass in diesem Verein nur einer entscheidet und alle sonstigen Unternehmensstrukturen bessere Fassade sind.
Um so unverständlicher, warum Eberl am 5. März noch einmal die 180 Grad-Wende vom "kürzesten Gespräch" versuchte. Und wenn stimmt, was der Sportvorstand gestern im "Doppelpass" erklärte, dass man im Klub bis zum eigentlichen Gespräch mit Müller nicht mehr über Vertragliches gesprochen habe, dann heißt das: Als Müller sich Mitte März mit dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen (und nicht mit Eberl) zum Gespräch traf, musste der 35-Jährige davon ausgehen, dass es weitergeht.
Tatsächlich aber hatte Dreesen gar kein Vertragsangebot mehr dabei. Das macht man schon nicht mit Leuten, die man loswerden will. Aber eine Bayern-Legende so auflaufen zu lassen, ist mit "schlechter Stil" nur unzureichend beschrieben. Und auch das gilt: Wäre ich Bayern-Spieler, würde ich mit Eberl keine Vertragsgespräche mehr führen.

Bayern-Führung ohne Benimm

Dass ausgerechnet jemand wie Dreesen, ein stallgeruchsloser Ex-Banker, Müller die Ausgangstüre weist, zeigt auch, dass das ganze Traditionsgefasel im Jubiläumsjahr, etwa auch im offiziellen FC Bayern-Jubiläumsfilm mit der Wirklichkeit kaum noch in Einklang zu bringen ist.
2025 geht es auch beim FC Bayern vor allem ums Geld und nicht um Heritage. Jamal Musiala soll die nächsten Jahre 25 Millionen, Joshua Kimmich 20 Millionen Euro bekommen, da bleibt für den Mohren Müller nichts mehr übrig.
Da muss man nicht gleich eine Spendenquittung für ihn ausstellen, aber es zeigt doch ganz gut, dass es der aktuellen Führung an Benimm fehlt, dem verdientesten Mitarbeiter der letzten zehn, zwanzig Jahre reinen Wein einzuschenken.

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Guardiola bedient: United-Fans "sollten sich schämen"

Quelle: Perform


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