Bayern-Bosse um Sportdirektor Max Eberl nach Verlängerung von Dayot Upamecano bestätigt: Denn sie wissen, was sie tun
Update 05/02/2026 um 19:52 GMT+1 Uhr
Am 1. März feiert Max Eberl zweijähriges Dienstjubiläum als Sportvorstand beim FC Bayern. Als Wunschlösung von Klub-Patriarch Uli Hoeneß engagiert, vergallopierte er sich anfangs und musste Kritik einstecken. Doch Eberl strafte die Nörgler ab und stellte im Tandem mit Sportdirektor Christoph Freund einen Top-Kader zusammen. Eberl hat sich emanzipiert - und ist bereit für das nächste Pokerspiel.
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Donnerstagnachmittag kam der FC Bayern mit einer Vollzugsmeldung um die Ecke. Serge Gnabry hat seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag bis 2028 verlängert.
Und auch Dayot Upamecano wird sich nun doch langfristig an die Münchner binden. Das ist die eigentliche Nachricht der Woche beim FC Bayern. Ob es jedoch eine uneingeschränkt gute Nachricht ist, darüber sind sich Fans und Experten nicht wirklich einig. Ewig zog sich der Poker um den Innenverteidiger hin. Ein Nervenspiel. Eine Frage des Geldes. Und geldgieriger Berater.
Anfang der Woche hatten sich die Bayern-Bosse und der Franzose auf eine Verlängerung des Ende Juni auslaufenden Vertrags geeinigt, die Unterschrift bis 2030 soll zeitnah erfolgen.
Neben einer deutlichen Gehaltsaufbesserung, die Upamecano zu einem der Topverdiener des Kaders macht, soll der neue Kontrakt ein üppiges Handgeld für die Unterschrift sowie eine Ausstiegsklausel enthalten.
Hoeneß zieht im Hintergrund weiter die Fäden
Zum Durchbruch der sich ewig ziehenden Verhandlungen hat - einmal mehr - Vereins-Patron Uli Hoeneß beigetragen. Um eine Entscheidung zu erzwingen und damit Planungssicherheit für den Verein zu bekommen, wurde Upamecano und seinem Berater Moussa Sissoko ein Ultimatum gestellt.
Als dieses verstrichen war, zog der Verein sein Angebot zurück. Daraufhin schaltete sich als letzte Instanz Ehrenpräsident Hoeneß ein und erklärte im "kicker", er wisse, dass sich Upamecano "und seine Familie in München sehr wohlfühlen. Ich fürchte jedoch, dass seine Berater alles tun werden, um ihn aus München wegzulotsen. Über dieses Verhalten bin ich entsetzt."
Ein cleverer Schachzug, da sich nun der Spieler zu einer Entscheidung gedrängt fühlte und sein Ja-Wort gab. Dank des Einschaltens von Hoeneß. Letzter Mann sozusagen. Wichtigster Mann sowieso.
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Jonathan Tah und Dayot Upamecano sind die Stammkräfte in der Abwehr beim FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Auch für Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund, die zuvor sämtliche Gespräche geführt hatten - unterstützt von Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und Präsident Herbert Hainer. Führt das nun zu einem internen Zwist, da Hoeneß sich eingeschaltet hat? Keineswegs.
Eberl und Freund wissen einerseits: Da ist Widerstand zwecklos. Und andererseits: Sie haben die externe Hilfe des 74-Jährigen akzeptiert und verstanden, dass es nur gemeinsam funktioniert. Und vor allem mit der jahrzehntelangen Expertise und dem Verhandlungsgeschick des ehemaligen Managers, der wie Karl-Heinz Rummenigge (70) Mitglied des Aufsichtsrats ist.
Ein Signal an die Fußballwelt
Eine Schwäche? Nein, eine Stärke. Die aus vorherigen Entscheidungen entstanden ist. Aus den - wie im Fall Upamecano ebenso kostspieligen - Vertragsverlängerungen von Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Jamal Musiala, die sich allesamt im ersten Halbjahr 2025 an den FC Bayern gebunden haben. Mit teils ebenso langen Verhandlungen und Ungereimtheiten als die Interessen des Vereins und der Spieler bzw. deren Agenten aufeinanderprallten.
Mit den Unterschriften des Trios sendete der FC Bayern das Signal an die Fußballwelt: Wir können unsere Stars halten, verlieren sie nicht an die finanzkräftigeren Vereine der Premier League. Wenn auch die Gehälter trotz eines anders angestrebten Spar-Kurses der Verantwortlichen weiter steigen, sind Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern kostengünstiger im Vergleich zu Neueinkäufen.
Denn neben der Ablösesumme wissen deren Berater auch, was sie verlangen können, weil der Verein nun in einer Notsituation ist: Der Spieler XY wird für die Position XY unbedingt gebraucht. Das macht teuer. Noch teurer.
Transfers als voller Erfolg
Auf der anderen Seite haben Eberl und Freund im letzten Sommertransferfenster gute Arbeit geleistet. Natürlich hätten die Bayern gerne die DFB-Nationalspieler Florian Wirtz und Nick Woltemade von Bayer Leverkusen bzw. dem VfB Stuttgart nach München gelotst. Doch die beiden entschieden sich - auch wegen der Finanzen - für das Abenteuer Premier League in Liverpool bzw. bei Newcastle United. Also spielten Eberl & Co. andere Deals ein. Sie schlugen voll ein.
Da ist Jonathan Tah (29), der mit seinen Leistungen und seinem Auftreten in der Kabine innerhalb von nur wenigen Wochen und Monaten zum Abwehrboss emporstieg. Lediglich für die Teilnahme an der Klub-WM in den USA im Juni/Juli wurden zwei Millionen Euro Ablöse an Bayer Leverkusen bezahlt.
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Jonathan Tah
Fotocredit: Getty Images
Da ist Tom Bischof (20), der von der TSG Hoffenheim für eine Gebühr von 300.000 Euro bereits zum 1. Juni unter Vertrag genommen werden konnte. Der zweite Glücksgriff. Der Linksfuß hat sich als Sechser oder Linksverteidiger zum wertvollen Kaderspieler mit großer Perspektive entwickelt.
Und da ist Luis Díaz, der für stolze 75 Millionen Euro Ablöse an den FC Liverpool verpflichtet wurde - begleitet von viel Skepsis, ob der 28-Jährige nicht schon über seinem Zenit sei. 15 Tore und 12 Vorlagen in 29 Pflichtspielen sprechen klar für den Kolumbianer, der sich auch zu einem Publikumsliebling gemausert hat.
Ein neues Pokerspiel beginnt
Ein ähnlicher Top-Transfer wie im Sommer zuvor als die Bayern Michael Olise von Crystal Palace nach München holten. Der 24-jährige Franzose kam für 53 Millionen und besitzt nun einen Marktwert von satten 130 Millionen.
Flügelstürmer Olise, der in bis dato 87 Pflichtspielen für die Bayern 33 Tore und 46 Vorlagen beisteuerte, ist eine der Attraktionen der Liga. Obwohl Olises Vertrag bis 2029 läuft, würden die Bayern-Bosse gerne zeitnah verlängern. Und wieder beginnt ein Pokerspiel. Ein ewiges Hamsterrad.
Aber Eberl & Co. eint jetzt die Bestätigung. Getreu dem Motto: Denn sie wissen, was sie tun. Siehe auch den Fall des Shootingstars Lennart Karl (17), der nur deshalb ab Saisonbeginn so viele Einsatzzeiten bekommen konnte, weil mit Kingsley Coman ein verdienter Profi in die saudi-arabische Liga verkauft wurde. So wurde Platz geschaffen und bewusst kein teurer Ersatz verpflichtet. Gelungenes Kadermanagement.
Kompany als Königstransfer
So wurde erst - und das war der eigentliche Königstransfer - mit Vincent Kompany ein No-Name als Chefcoach verpflichtet. Mutig, mutig. Und dann eine Auswahl zusammengestellt, von der man das Gefühl hat, in den nächsten Jahren stets um das Champions-League-Halbfinale mitspielen zu können - mindestens das Viertelfinale zu erreichen.
"Am langen Ende, und das zählt für uns, haben wir gute Entscheidungen getroffen", erklärte Eberl auf seine Arbeit angesprochen im Januar. Der 52-Jährige weiter: "Wir haben Entscheidungen getroffen, von denen wir überzeugt sind, und konnten auch die Menschen im Klub überzeugen, dass dieser Weg der richtige ist. Für mich gibt es keine Genugtuung. Wenn der FC Bayern von oben grüßt, ist das für mich das Entscheidende." Dank der Arbeit von Kompany. Verpflichtet von Eberl.
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Im Sommer wurde dieser wie ein Azubi von Uli Hoeneß von der Klub-WM in den USA abgezogen, um in der Heimat das Kadermanagement voranzutreiben. Eberl sah quasi Dunkel-Gelb als Hoeneß im Zusammenhang mit Transferfragen polterte: "Karl-Heinz Rummenigge und ich haben uns oft gestritten wie die Besenbinder, aber wenn die Tür hinter uns zuging, war das wieder okay. Max ist da ziemlich empfindlich."
Mittlerweile aber auch: Erfolgreich. "Mannhaft", so formuliert es Eberl gerne nach Spielen, hätten sich die Profis gegen Widerstände gewehrt. Er selbst hat sich emanzipiert.
Entscheidung über Eberls Zukunft
Die nächste Entscheidung, die nächste Vertragsverlängerung? Konrad Laimer (wird wohl bleiben) und Kapitän Manuel Neuer (Ausgang offen). Doch es geht demnächst auch bald um Eberl selbst. Zum 1. März 2024, also vor bald zwei Jahren, hat der Ex-Spieler bei seinem Herzensverein angefangen, einen Vertrag bis Ende Juni 2027 unterschrieben.
Diese Entscheidung trifft der Aufsichtsrat, also unter anderem Hoeneß und Rummenigge. Eberl, der am Anfang oft unsicher und in der Außendarstellung gegenüber den Medien gereizt wirkte, hat sich freigeschwommen. "Wenn alles gut läuft, dann freue ich mich, wenn sich der Aufsichtsrat bei mir melden würde", sagte er und fügte hinzu: "Logisch."
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