BVB verspielt Zwei-Tore-Führung bei St. Pauli: Drei Dinge, die beim irren Unentschieden am Millerntor auffielen

Borussia Dortmund verspielte beim 3:3 (1:1) gegen den FC St. Pauli einen sicher geglaubten Auswärtssieg. Unglücksrabe Filippo Mane erlebte ein Bundesliga-Debüt zum Vergessen. Sein verursachter Elfmeter und die Rote Karte in der Folge vermiesten den Schwarz-Gelben den Auftakt. Doch die Probleme von Dortmund zogen sich durch die gesamte Mannschaft. Drei Dinge, die uns auffielen.

Kovac über Kader: "Haben nicht die Bank, die wir uns vorstellen"

Quelle: Perform

Die Dortmunder standen vor den mitgereisten Fans, bedankten sich - und diskutierten untereinander. Offenbar konnte niemand so richtig begreifen, wie der gefühlt sichere Sieg in der Schlussphase noch verspielt wurde.
Bis zur 86. Minute führte Borussia Dortmund 3:1, ehe das Spiel aus der Hand glitt und 3:3 endete. "Man muss den Punkt akzeptieren - und trotzdem darf das nicht passieren", stellte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl klar.
Der BVB ging durch Serhou Guirassy (34.) in Führung, ehe Andreas Hountondji (50.) ausglich. Durch die Treffer von Waldemar Anton (67.) und Julian Brandt (74.) schien Dortmund auf der Siegerstraße zu sein.
Doch dann kam die 86. Minute: Foulspiel von Filippo Mane, Rote Karte, Elfmeter für St. Pauli. Danel Sinani verwandelte vom Elfmeterpunkt. Nur drei Minuten später brachte Eric Smith (89.) das Millerntor mit dem 3:3 zum Kochen - und ließ fassungslose Dortmunder zurück.
Drei Dinge, die bei St. Pauli gegen BVB auffielen:

1. Filippo Mane setzt Platzverweis-Misere des BVB fort

Platzverweise waren bereits in der vergangenen Saison ein Problem des BVB. Drei Gelbrote und drei Rote Karten kamen in der Bundesliga zustande. Keine Mannschaft musste häufiger in Unterzahl agieren. "Wir nehmen das Problem aus dem letzten Jahr mit", bemängelte Brandt. "Wir haben letztes Jahr sechs Rote Karten gesammelt und haben dadurch viele Punkte liegengelassen. Damit jetzt zu starten, ist ein bisschen schwierig."
picture

Filippo Mane bekam beim Bundesliga-Debüt die Rote Karte

Fotocredit: Getty Images

Mane ist mit seinen 20 Jahren ein junger Verteidiger, der im DFB-Pokalspiel bei Rot-Weiß Essen (1:0) sein Pflichtspieldebüt gab. Aufgrund der Verletzungsprobleme in der BVB-Verteidigung folgte nun sein Bundesliga-Debüt - und zwar eines zum Vergessen. Auch beim Gegentreffer zum 1:1 sah er nicht gut aus, weil er das Kopfballduell gegen Torschütze Hountondji verlor.
"Das ist die Erfahrung, die er sammeln muss", sagte Brandt. "Viele mussten durch so etwas bereits durchgehen. Daran wird er reifen. Im Moment ist es beschissen. Aber keiner wird ihm in der Kabine sagen, dass er uns etwas gekostet hat - überhaupt nicht." Die Rote Karte war zwar "ein Knackpunkt, aber er hat uns nicht das Spiel verloren."

2. Dortmund nimmt den Kampf am Millerntor nicht an

Niko Kovac dachte, seine Mannschaft gut auf ein kampfbetontes Spiel im Millerntor-Stadion eingestimmt zu haben. Er habe der Mannschaft im Vorfeld gesagt: "Es wird zur Sache gehen. Die Fans werden hinter ihrer Mannschaft stehen. Wir müssen körperlich sehr hart arbeiten, damit wir über 90 Minuten etwas mitnehmen können." Im Nachhinein musste Kovac einsehen: "Wir haben es über 90 Minuten so gut wie überhaupt nicht geschafft, dem Gegner Paroli zu bieten, was die Körperlichkeit und die Physis angeht."
Schlimmer noch: Auch die spielerischen Aspekte, in denen der BVB aufgrund der individuellen Qualität im Vorteil sein sollte, kamen nicht zur Geltung. "Wir haben zu langsam gespielt", sagte Kovac. 23 Minuten vergingen, ehe die Dortmunder den ersten Torabschluss zustande bekamen. Das hohe Pressing von St. Pauli stellte die Gäste mehrmals vor Probleme, wie bei der Entstehung des 1:1.
picture

Die Dortmunder waren nach dem Spiel sichtlich bedient

Fotocredit: Getty Images

Hinzu kam die Fehleranfälligkeit. Die Dortmunder hätten bereits früh in Rückstand geraten können, weil Innenverteidiger Waldemar Anton einen langen Ball per Kopf klären wollte, sich dabei aber völlig verschätzte. Die Folge: Pauli-Stürmer Andreas Hountondji lief nahezu ungestört auf das BVB-Tor zu, scheiterte allerdings an Torwart Gregor Kobel. Eine ähnliche Situation ergab sich kurz vor der Halbzeit. Diesmal allerdings wurde Hountondji am Torschuss gehindert.
Über die komplette Spielzeit hatten die Hamburger mehr Ballbesitz (51 Prozent), gewannen mehr Zweikämpfe (51 Prozent) und mehr Torschüsse (11:8). Es passte in das Gesamtbild, dass BVB-Torjäger Guirassy in der 39. Minute auch noch einen Elfmeter verschoss,
"Wir wurden für unser Spiel bestraft. Das zeigt, dass wir hart arbeiten müssen, dass wir sehr viel investieren müssen und dass es so nicht reicht", sagte Kehl und kam zu einem ernüchternden Fazit: "Insgesamt fand ich, dass wir nicht richtig da waren."

3. Karim Adeyemi kann seine Chance nicht nutzen

Nachdem Karim Adeyemi beim Pokalspiel in Essen nicht zum Einsatz gekommen war, stand der Offensivspieler nun in der Startelf. "Maximilian Beier und Karim Adeyemi bereiten mir auf positive Art und Weise Kopfschmerzen", sagte Kovac auf Nachfrage von Eurosport und verwies damit auf den Konkurrenzkampf. "Maxi habe ich im Pokalspiel spielen lassen, aber Karim hatte es in der Saisonvorbereitung auch gut gemacht. Deshalb durfte er heute ran."
picture

Karim Adeyemi konnte seine Chance nicht nutzen

Fotocredit: Getty Images

Das Problem ist nur: Adeyemi konnte seine Chance nicht nutzen. 45 Minuten lief das Spiel praktisch an ihm vorbei: 20 Ballkontakte, kein Torschuss, viel Laufarbeit im Nirgendwo. Lediglich sein herausgeholter Elfmeter fiel positiv auf.
Die Konsequenz: Kovac nahm Adeyemi genauso wie den ebenfalls glücklosen Jobe Bellingham zur Halbzeit aus dem Spiel. Brandt und Felix Nmecha übernahmen. Kovac wollte Adeyemi allerdings nicht als Sündenbock darstellen: "Ich war mit der Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit nicht zufrieden und musste etwas ändern. Jetzt traf es Karim und Jobe, aber ich hätte auch vier andere Spieler rausnehmen können."
Und doch dürfte sich für Adeyemi die Perspektive durch dieses Spiel nicht verbessert haben.
Das könnte Dich auch interessieren: Schalke schlägt Nachbar Bochum nach Rückstand
picture

Ten Hag zur Auftaktpleite: "Das kommt nicht unerwartet"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen