Der LIGAstheniker: Eberls Werk und Kompanys Beitrag - die Bayern-Saat geht auf!

Was wurde nach Ende der Transferperiode nicht alles über den etwas luftig zusammengestellten Kader des FC Bayern München gelästert. Nach sechs Bundesliga-Spieltagen muss der LIGAstehniker konstatieren: Alles richtig gemacht, Max Eberl und Vincent Kompany! Bei der vorherrschenden Dominanz in der Liga müsste streng genommen auch Uli Hoeneß Abbitte leisten. Eine Glosse von Thilo Komma-Pöllath.

Schau mir in die Augen, Kleines: Vincent Kompany (l.) und Harry Kane beim FC Bayern

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Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
Der Bayern-Superlativ gehört zu einer neuen Bundesliga-Saison wie die Lederhosen zum Oktoberfest. Das liegt vor allem auch daran, dass die Bayern ihre Meistertitel in der Vergangenheit oft von vorne weg spielten. So offensichtlich und deutlich wie in dieser Spielzeit war es aber selten.
Seit dem ersten Spiel und dem 6:0 gegen Leipzig steht der FCB ganz oben, mit dem 3:0 in Frankfurt haben die Münchner ihren Vorsprung in der Tabelle auf vier Punkte und plus 14 Treffer ausgebaut. Würde man das auf alle 34 Spieltage einer Saison hochskalieren, käme man auf 22 Punkte Vorsprung, das Meisterschaftsrennen wäre gefühlt schon zu Weihnachten entschieden.
Und selbst wenn wir nur mal – weil realistischer – das vielleicht schon wegweisende nächste Spiel nach der Länderspielpause nehmen: Gewinnen die Bayern den Klassiker gegen den BVB an Spieltag sieben (18.10., 18:30 Uhr im Liveticker) beträge der Vorsprung auf Dortmund sieben Punkte, auf den Zweiten mindestens fünf Zähler.
Im Sinne eines spannenden Meisterkampfes wäre das so früh natürlich viel zu viel.
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Harry Kane steht nach sechs Bundesligaspiele bei elf Toren

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Hoeneß' Kritik offensichtlich falsch

Alle mal die Klappe halten, dürfte sich Bayerns Sportvorstand Max Eberl denken. Und würde seine Kritiker meinen, die im Vorfeld der Saison an seiner Transferpolitik herummäkelten: Der Kader zu klein, Florian Wirtz nicht bekommen, auch kein Geld für Nick Woltemade, dafür ein überteuertes Leihgeschäft mit einem Chelsea-Spieler (Nicolas Jackson), den keiner so richtig wollte.
Eberl wurde auch von seinem Haus- und Hofpatriarchen Uli Hoeneß an den Pranger gestellt. Doch jetzt, keine sechs Spieltage später, der beste Saisonstart aller Zeiten: zehn Pflichtspiele, zehn Siege; ein Harry Kane als Toretrüffelschwein und schon ist - wahlweise - von der besten Bayern-Mannschaft der letzten Jahre oder gar aller Zeiten die Rede, die unschlagbar sei.
Das ist natürlich voreiliger Quatsch und zeigt nur das Erregungspendel der Beobachter, das nur die Extreme kennt. Und was sagt Max Eberl vor dem offiziellen Wiesn-Ausflug der Bayern mit einem Lächeln zum eigenen Status Quo? "Da hatten wir ein sehr, sehr gutes Händchen." Wie süffisant!

Bayern-Spieler schwärmen vom Kompany-Klima

Da würde man jetzt natürlich gerne mal Mäuschen spielen am Tegernsee. Kann sich Hoeneß jetzt für seinen so von ihm kritisierten Angestellten Eberl mitfreuen? Ihm gar die Anerkennung aussprechen? Oder ist er gar sauer, weil er so offensichtlich daneben lag mit seiner Kritik?
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Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß

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Die Saat geht auf, heißt es in der Botanik. Bei den Bayern ist es aktuell Eberls Saat. Hoeneß vermutete von Anfang an zu viel Unkraut in der Saatmischung, doch das Unkraut ist bisher nicht zu sehen. Und das wiederum liegt im hohen Maße an Trainer Vincent Kompany, der offenbar ein ganz eigenes Händchen besitzt eine Gruppe zu führen.
Serge Gnabry war am Wochenende kaum zu bremsen und erzählte es jedem Mikrophon, das ihm vor die Nase gehalten wurde, wie sehr es ihm momentan in seinem Verein Spaß mache, Fußball zu spielen.
Der Mann ist 30, ein Lustfußballer; der sagt das nicht, weil es einer hören will. Man vertraue sich auf und neben dem Platz, so Gnabry, genau das ist das Kompany-Klima. Das hatte Hoeneß in seine Saisonberechnungen offenbar nicht mit einbezogen.
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Vincent Kompany

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Können Eberl und Kompany in Ruhe weiterarbeiten?

Natürlich, nirgends steht geschrieben, dass das jetzt so weiter geht. Die Bayern werden auch noch verlieren, das ist schon der Liga selbst zu wünschen. Und doch machen da zwei – Eberl, Kompany - derzeit ganz viel richtig, wie es scheint.
Wenn die Saat auf die richtige Erde fällt, kann etwas Großes gedeihen. Die entscheidende Frage ist womöglich die: kann der allmächtige Gründungspatriarch des FC Bayern mit seinem Hang zu cholerischer Medienschelte zwei rangniederen Angestellten gönnen und anerkennen, dass sie es im Zweifel besser können als er es selbst zu wissen glaubt?
Bitte um Wiedervorlage!

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform


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