Der LIGAstheniker: FC Bayern und eine Liga voller Azubis - Michael Olise, Harry Kane und Co. in einer anderen Welt

Am 16. Spieltag der Bundesliga wurde unterstrichen: An diesen FC Bayern kommt niemand heran. Beim 8:1 gegen den VfL Wolfsburg zeigte der Rekordmeister seiner angeblichen Konkurrenz auf, dass sie in dieser Saison nichts weiter als Azubis und zum Zuschauen verdammt sind. Der LIGAstheniker sieht hinter den Bayern die beste zweite Liga aller Zeiten - das Lachen ist ihm aber bereits vergangen.

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Quelle: Perform

Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Sonntagabend, als die Bayern den sogenannten Werksklub Wolfsburg in seine Betriebsanleitung zurückbaute, habe ich kurz darüber nachgedacht, ob das nicht ein ganz guter Werbefilm für die großen Baummarktketten hierzulande sein könnte.
Wann sieht man schon mal, so komprimiert, wie mit großer handwerklicher Expertise ein mustergültiger Abriss vollzogen wird - und das Fernsehen überträgt live.
Würde mich nicht wundern, wenn sich TOOM die Bildrechte sichert und irgendeinen Kalauer aus TOOR und dem eigenen Namen dazu bastelt. Oder Engelbert Strauss in Kürze Fußballtrikots auf den Markt bringt.
Die Bayern, das war auch schon vor dem Spiel klar und das ist jetzt quasi zur Gewissheit geworden, machen diese Saison die Liga zu ihrem Projekt und die 17 anderen Betriebe sehen dem Meister aus der Azubiperspektive mit großen Augen bei der Arbeit zu.

8:1, 6:0, 5:0 – Bayerns Hallenhockeyergebnisse

Wie soll man also so ein 8:1 bewerten? Oder das 5:0 der Bayern beim – Achtung, ironiefreie Strafraumbeherrschung - Spitzenklub Stuttgart vom 13. Spieltag? Das 3:0 gegen Leverkusen, das 3:0 gegen Frankfurt, das 6:0 gegen Leipzig? Und nur zur Erinnerung: Wir sind nicht auf dem Bolzplatz.
Die Bundesliga ist eine der größten kommerziellen Profiligen des internationalen Sports. Also wo ist der sportliche Wettbewerb? Wie sind solche Hallenhockey-Ergebnisse hierzulande denkbar? Erklärbar ist, bis zu einem gewissen Grad, sicher vieles.
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Kompany: "Machen die Arbeit, weil wir Titel gewinnen möchten"

Quelle: Perform

Die Bayern haben das meiste Geld, die besten Spieler, die beste Infrastruktur. Sicherlich, aber das ist es nicht. Das erklärt nicht, warum Harry Kane kurz vor Schluss vor dem eigenen Strafraum auftaucht, um als Verteidiger den Ball zu klären. Das erklärt nicht, warum die Bayern von Anpfiff an mit Mann und Maus nach vorne gehen als hätte es die 1:0-Bayern aus den 1980er Jahren nie gegeben.
Das erklärt nicht die unstillbare Lust des Michael Olise in Dauerschleife Angriff um Angriff auf die gegnerische Abwehr anzukurbeln? Olise ist derzeit sicher DER Unterschiedsspieler der Liga - aber wenn der Unterschied in der Liga schon bei Platz zwei beginnt, dann stimmt doch was im Setting nicht. Oder sehe ich das falsch?

Hat die Liga den Kampf um die Spitze aufgegeben?

Die nominellen Spitzenklubs der Liga - mein Gott tue ich mich schwer das so zu schreiben - kommen im direkten Vergleich mit den Bayern über den Azubistatus nicht hinaus. Die Angst vor dem großen Abriss haben gerade die, die glauben, schon was für sich aufgebaut zu haben.
Doch im Angesicht der großen Bayern, die eine Rekordzahl von Meisterbriefen an den Wänden hängen haben, rutscht das eigene Selbstverständnis von VfB, BVB oder Bayer 04 einfach aus dem maßgeschneiderten Passepartout.
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Michael Olise sucht in der Bundesliga seinesgleichen

Fotocredit: Getty Images

Interessanterweise machen es gerade diejenigen Klubs gegen die Bayern viel besser, die gar nicht die Zeit haben sich selbst viel vorzumachen und die es gewohnt sind, Woche für Woche, gegen den Abriss anzuspielen. Robuste Handwerker wie Mainz oder Union Berlin, die den Bayern bislang als einzige einen Punkt abtrotzten.
Auch Augsburg und St. Pauli zeigten über weite Strecken, wie das gehen könnte gegen die Münchner, ohne dann in Halbzeit zwei die weiße Fahne zu hissen. Denn das ist der Eindruck nach Spieltag 16: Die Liga hat den Kampf um die Meisterschaft schon aufgegeben!

Meisterschaft an Ostern entschieden?

Guckt man sich die Statistiken an, dann ist eine Zahl in der aktuellen Debatte fast untergegangen.
Die Bayern haben mit 63 erzielten Treffern rund 30 Tore mehr erzielt als jeder seiner unmittelbaren Konkurrenten. Also doppelt so viele. Das ist dann auch mathematisch eine andere Liga, das gibt es sonst wirklich nur in der Kreisliga.
Der "Spiegel" hat sich kürzlich den Spaß erlaubt, das Fußballjahr 2026 voraus zu tippen und glaubt, dass der Osterhase den Bayern den nächsten Meisterbrief schon Anfang April in die Hände drücken wird. Das wiederum würde heißen, wir befinden uns bereits in der Crunchtime der Saison und in wenigen Wochen ist alles entschieden.
Das mit dem Osterhasen mag zwar irgendwie witzig klingen, aber mir ist das Lachen über diese erstklassige zweite Liga längst vergangen.

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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Hoeneß über Stuttgarts Statement-Sieg: "Ein Auftakt nach Maß"

Quelle: Perform


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