FC Bayern München - Manuel Neuers Körper sendet klare Signale: Torwart-Dämmerung beim deutschen Rekordmeister?
Update 20/02/2026 um 13:12 GMT+1 Uhr
Im März wird Bayern-Torhüter Manuel Neuer 40 Jahre alt, erst dann will er mit den Verantwortlichen sprechen, ob sein Vertrag für eine weitere Saison verlängert wird. Aktuell fällt er – wieder einmal – mit einem Muskelfaserriss für unbestimmte Zeit aus. Es mehren sich die Anzeichen, dass er auf ein Comeback im DFB-Team verzichtet und nach im Sommer seine Karriere beendet. Jonas Urbig steht bereit.
Eberl: "Werden uns mit den Personalien beschäftigen"
Quelle: Perform
Am Samstag bestreitet Jonas Urbig sein neuntes Pflichtspiel in dieser Saison für den FC Bayern München.
Diesmal nicht von Manuel Neuers Gnaden, weil die Nummer eins in Absprache mit dem Trainerteam mal wieder auf einen Einsatz verzichtet – nein, der Torhüter ist verletzt.
Stellvertreter Urbig, der Kronprinz, kommt im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (15:30 Uhr im Liveticker) zu seinem 21. Pflichtspiel seit er im Januar 2025 von der Ersatzbank des 1. FC Köln an die Säbener Straße gewechselt ist.
Der 22-Jährige hat seine Routinen, sagte: "Ich bereite mich auf jedes Spiel zu 100 Prozent vor", betonte Urbig einmal, sagte: "Ob ich im Tor stehe oder damit ich einspringen kann, falls dem Manuel etwas passiert. Wir sind als Torwartgruppe so gut vorbereitet, dass jeder spielen kann." Spontan und flexibel. Torhüter müssen Kaltstarter sein können.
Fällt Manuel Neuer auch in Dortmund aus?
Alle Augen auf Urbig. Denn: Wie lange Neuer, der sich am vergangenen Samstag beim 3:0 bei Werder Bremen in der ersten Halbzeit einen Faserriss in der linken Wade zugezogen hat, diesmal ausfallen wird, ist unklar.
Die Verletzung des 39-Jährigen entpuppte sich nach den Untersuchungen durch die Vereinsärzte schwerwiegender als man zunächst am Vortag in Bremen gehofft hatte. Laut Vereinsmitteilung falle der Bayern-Kapitän "vorerst" aus.
So formulieren es die Münchner stets bei einer Verletzung, um keinerlei Erwartungen bzw. Hoffnungen zu schüren, was die Dauer des Ausfalls und damit den Zeitpunkt des Comebacks betrifft. Was kann das bedeuten, ein Faserriss?
Kommt auf die Dicke der Faser und auf die exakte Stelle des strukturellen Muskelschadens an. Gegen Frankfurt fehlt er sicher. Eine Woche später, am 28. Februar, beim Klassiker in Dortmund wohl auch.
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Manuel Neuer musste gegen Bremen ausgewechselt werden
Fotocredit: Imago
Danach? Abwarten und Heilfleisch beobachten. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass ihre Nummer eins in den Achtelfinal-Duellen der Champions-League (10./11. und 17./18. März) wieder im Tor steht.
Wenn man sich die Verletzungshistorie von Neuer in den zurückliegenden Monaten und Jahren anschaut, fällt auf: Kurz vor Weihnachten bedeutete ein Muskelfaserriss eine Ausfallzeit von 21 Tagen – dank des Winterurlaubs verpasste der Kapitän lediglich eine Partie und war zum Liga-Auftakt 2026 wieder im Tor.
Als Neuer ab Anfang März 2025 – wie diesmal - an einem Muskelfaserriss laborierte, musste er 56 Tage (Statistik laut "transfermarkt.de") aussetzen und bei zehn Spielen zuschauen. Will sagen: Nichts Genaues weiß man nicht über den Comeback-Zeitpunkt.
Die Biologie sagt: Auch Manuel Neuer wird nicht jünger. Am 27. März feiert er seinen 40. Geburtstag. Am Tag des WM-Testländerspiels seiner – ehemaligen – Nationalelf in der Schweiz.
Die Verletzung entpuppte sich als schlimmer als gedacht
Die Blessur von Bremen war "eine Kleinigkeit", hatte Trainer Vincent Kompany am Samstag direkt nach dem Spiel gehofft. "Nichts Dramatisches", meinte Sportvorstand Max Eberl. Beides war eher ein Ausdruck von Hoffnung. "Als er etwas gespürt hat, hat er sofort das Richtige gemacht und es direkt signalisiert", erklärte Kompany und fügte optimistisch hinzu. "Er hat entspannt ausgesehen, und das ist dann meistens auch nicht so schlimm."
Womöglich wirkte Neuer deshalb entspannt, weil er wohl wusste, was nun auf ihn zukommt. Pause, Reha, Aufbautraining. Gefühlt hat er das hunderte Male in seiner Karriere mitgemacht. So ein Faserriss ist eine eklige Sache. Nervt, zieht sich, kann wieder passieren.
Neuer beziehungsweise sein Körper sendet Signale. Sagt ihm sein Körper, dass es langsam, aber sicher Zeit wäre? Dass die Muskeln nicht mehr mitspielen wie vor fünf, zehn, 15, 20 Jahren? Im Einklang mit Körper und Geist will er rund um seinen 40. entscheiden, ob er noch eine Saison bei Bayern dranhängt, über einen erneuten Einjahresvertrag sprechen möchte. Kürzlich sagte er dazu: "Meinem Körper muss es gut gehen, ich muss mein Level haben, mit dem ich zufrieden bin."
Vertragsverlängerung: Was Eberl von Neuer erwartet
Die Bedingungen für eine Vertragsverlängerung formulierte Eberl bei "Sport1" so: "Manu muss auf Top-Niveau leistungsfähig sein – so wie er es aktuell ist. Das müsste in der kommenden Saison auch der Fall sein."
In den Gesprächen über eine Vertragsverlängerung wird es, so der Sportvorstand, darum gehen, "wie Manuel sich fühlt, ob er will und ob er sich in der Lage sieht, seine Leistungen noch ein weiteres Jahr lang zu zeigen. Das erwarten wir als Verein und wollen das gemeinsam mit ihm herausfinden."
Man will ehrlich zueinander sein. Und eine für Neuer unwürdige Saison, die der Weltmeister und fünfmaliger Welttorhüter gepeinigt von Verletzungen in der Zuschauerrolle verbringt, unbedingt verhindern.
Kann Neuer loslassen?
Fragen über Fragen, die sich aktuell in der Causa Neuer stellen: Kann man mit 40 eher loslassen? Mit der aktuellen Verletzung im Hinterkopf? Ist es nicht auch schön, eine allerletzte Reha an der Säbener Straße durchgezogen zu haben? Soll daher die Entscheidung so spät fallen, damit sich die Abschiedstournee durch die Stadien samt Brennglas auf den scheidenden Weltmeister von 2014 nicht so hinzieht?
Neuer ist kein Müller, kein Showman à la Thomas Müller, der die Bühne sucht und die Interaktion mit den Fans braucht. Neuer ist ein Kapitän, der Führung in einem Team mittels eigener Leistung und Vorbildcharakter begreift. Smart Leadership.
Kein Zutrauen mehr in den Körper, kein Spaß. Kein Vertrag mehr bei Bayern, kein DFB-Comeback bei der WM. Wollen würden heißt ja nicht können. Neuer konnte alles, kann's immer noch. Wäre es sein größter innerer Coup, wenn er es auch bald sein lassen kann? Und womöglich käme er durch die kommende Saison nicht weitgehend verletzungsfrei wie durch die aktuelle. Von den möglichen bis zu drei Trophäen, die Neuer bis Ende Mai gewinnen kann ganz abgesehen.
Die Bayern, so Kompany, "vertrauen Jonas zu 100 Prozent"
Die Bayern haben ja Urbig, der in Bremen in der zweiten Halbzeit reinkam und auf den es nun ankommt. Kurzfristig. Mittelfristig? Auf jeden Fall langfristig. "Mit Jonas haben wir jemanden, dem wir zu 100 Prozent vertrauen", sagte Kompany.
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Manuel Neuer und Jonas Urbig betreiben aktuell Arbeitsteilung
Fotocredit: Getty Images
Einen, den Neuer sehr schätzt. Einen, den Neuer bereits öffentlich gelobt hat. Alles anders als im Fall Alexander Nübel (29), der einst als Neuers Nachfolger und Kronprinz galt und nun schon das fünfte Jahr, davon die dritte Saison an den VfB Stuttgart, ausgeliehen ist.
Seine Zukunft hängt von Neuers Entscheidung ab. Macht der Platzhirsch weiter, soll Nübel verkauft werden. Die Bayern erhoffen sich eine zweistellige Millionen-Ablöse. Hört Neuer auf, könnte Nübel auch in den Zweikampf mit Urbig um die Nummer eins eintreten.
Urbig profitiert von Training mit Neuer
Viel Konjunktiv. Fakt sind Beobachtungen, die Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen kürzlich skizzierte: "Ich glaube, Manu hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jonas als seinen Nachfolger aufzubauen und seine Erfahrungen an ihn weiterzugeben. Das sieht man im Training, wenn sie miteinander reden. Das freut uns."
Die Torwartgruppe mit Torwarttrainer Michael Rechner, Neuer, Urbig und Sven Ulreich, der Nummer drei, harmoniert. Die Chemie stimmt. "Aktuell profitiere ich sehr davon", sagt Urbig. Auch in der kommenden Saison? Oder muss sich Urbig ab Juli als Nummer eins bewähren?
"Jonas hat in den Spielen, die er bestritten hat, bereits sein großes Potenzial gezeigt. Er muss nur noch durch Spielpraxis Erfahrung sammeln", meinte Dreesen. Doch Urbig hat schon in vielen kniffligen Partien (im Pokal in Köln, in Stuttgart, in der Champions League in Eindhoven) seinen Mann gestanden.
"Er hat viel mehr Spiele bestritten als seine Vorgänger", sagte Dreesen, "ich hoffe, dass er so weitermacht."
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(SID)
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