FC Bayern München - Toptalent Lennart Karl in der Wartschleife: Lässt ihn Trainer Vincent Kompany endlich von der Leine?

Mit Lennart Karl verfügt der FC Bayern München über ein außergewöhnliches Talent im Offensivbereich. Doch der 17-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs kam bislang in der Profimannschaft kaum zum Zug. Trainer Vincent Kompany verweigert sich bislang dem Vorhaben der Klubbosse, mehr auf die eigenen Campus-Talente zu setzen und pocht auf das Leistungsprinzip. Lässt er Karl endlich von der Leine?

Lennart Karl (l.) gilt als riesen Talent des FC Bayern München

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Sacha Boey grätscht ins Leere. Leon Goretzka wird durch den Übersteiger auf dem falschen Fuß erwischt und Aleksandar Pavlovic fällt dem Haken samt Hackentrick zum Opfer. Betitelt wird das Video auf dem offiziellen TikTok-Kanal des FC Bayern mit den Worten: "This is just pure class".
Derjenige, der in dem Elf-Sekunden-Clip drei gestandene Bayern-Profis zum Tanz bittet und dabei seine ganze Klasse zeigt, ist Lennart Karl. Ein 17-jähriger Offensivspieler, dem im Verein außergewöhnliche Fähigkeiten nachgesagt werden.
"Lennart ist ein unglaublich spannender Spieler mit sehr großem Potenzial", sagte Sportdirektor Max Eberl im April und auch Trainer Vincent Kompany lobte den nur 1,68-Meter großen Wirbelwind: "Lenni hat diese Fähigkeit, im letzten Drittel immer gefährlich zu sein."
Markus Weinzierl, sportlicher Leiter am Bayern-Campus, bezeichnete Karl in der "AZ" als "super Junge, der auf dem Boden bleibt. Er macht es wirklich super, er ist jeden Tag mit Ehrgeiz dabei. Ich glaube, er ist von uns unverhinderbar."
Sein tiefer Körperschwerpunkt ermöglicht Karl Dribblings auf engstem Raum, seine beidfüßige Technik öffnet ihm im Eins-gegen-Eins ständig neue Optionen.
In der Saison 2024/25 schoss Karl in der neu geschaffenen U17-Nachwuchsliga mit 27 Treffern und zehn Vorlagen in 17 Partien alles kurz und klein. In der U19 steuerte er sieben Tore in neun Spielen zum Halbfinaleinzug des FC Bayern bei.

Freund: "Tür für den Nachwuchs generell offen"

Seit geraumer Zeit predigen die Klubbosse ihr Vorhaben, wieder mehr am Bayern-Campus ausgebildete Talente an die Profimannschaft heranzuführen. Nach Präsident Herbert Hainer ("Wir müssen bei Transfers und Verhandlungen generell klug vorgehen und noch mehr auf unseren Campus schauen") legte Sportdirektor Christoph Freund nach: "Wir setzen großes Vertrauen in unsere Nachwuchsspieler. Jeder hat die Chance, seinen Weg zu machen. Die Tür ist bei uns generell offen."
Namentlich nannte Freund neben Karl die Talente Adam Aznou (17, Linksverteidiger), Leon Klanac (18, Torwart), Cassiano Kiala (16, Innenverteidiger), Jonah Kusi-Asara (18, Stürmer), David Santos Daiber (18, defensiver Mittelfeldspieler) und Wisdom Mike (16, Linksaußen), die "weiterhin regelmäßig mit den Profis trainieren", so Freund.
Laut Eberl müsse der Verein aber die Voraussetzungen schaffen, dass die besten Talente auch die Chance in der ersten Mannschaft bekommen. Im Klartext: Kompany muss den Mut aufbringen, Karl und Co. einzusetzen.

Kompany pocht auf das Leistungsprinzip

Doch dieser Forderung ist der Chefcoach bislang nicht nachgekommen. Ganze 53 Bundesligaminuten vereinen die U19-Spieler in der vergangenen Saison. Bei der FIFA Klub-WM durfte Karl in der zweiten Halbzeit gegen die Amateure von Auckland ran, während Aznou acht Minuten spielte.
"Ich bin nicht jemand, der Spieler dabei hat, denen ich nicht vertraue", sagte Kompany während des Turniers, schob aber unmissverständlich das Leistungsprinzip hinterher: "Es bleibt eine Konkurrenzsache. Da müssen wir ehrlich sein. Man muss erst einmal auch der Beste sein oder seinen Moment nutzen, damit wir diese Tür öffnen können."
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(Kleine) Chance bei der Klub-WM: Lennart Karl durfte gegen Auckland ran

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"Sky"-Experte Didi Hamann hält Kompanys Zurückhaltung in der Talentförderung für problematisch. "Immer wenn der FC Bayern eine Ära geprägt hat, war zuvor ein Trainer da, der auf junge Spieler gesetzt hat. Es ist für den FC Bayern auf Sicht nicht tragbar - und auch nicht finanzierbar -, einen Trainer zu haben, der nicht auf Talente setzt. Man kann nicht jedes Jahr 100, 150 Millionen Euro für fertige Spieler ausgeben. Ich würde den Wahnsinn nicht mitmachen und lieber zwei, drei junge Spieler reinschmeißen. Das würden die Fans verstehen, sie würden es honorieren - selbst wenn am Ende einmal eine titellose Saison steht", sagte Hamann der "Sport Bild".

Karl offenbar als Back-up für Olise eingeplant

Im Fall von Karl bewegt sich der FC Bayern auf gefährliches Terrain. Der Vertrag des 17-Jährigen läuft 2026 aus und laut Münchner Medien sieht sich Karls Berater Michael Ballack bereits nach Alternativen um.
Um Karl einen langfristigen Verbleib in München schmackhaft zu machen, hat der Klub laut "Sport Bild" eine wichtige Entscheidung getroffen: Demnach ist Karl als Back-up für Michael Olise auf dem rechten Flügel eingeplant.
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Michael Olise

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Ob das Karls Position verbessert, ist allerdings fraglich. Olise gilt als Kompany-Liebling; der Franzose war in der Saison 2024/25 der einzige gesetzte Außenbahnspieler. Leroy Sané ist nicht mehr da und weder Kingsley Coman noch Serge Gnabry stehen bei Kompany besonders hoch im Kurs.
Kolportierte 80 Millionen Euro will der FC Bayern infolgedessen für Luiz Díaz vom FC Liverpool ausgeben - dabei stünde mit Karl ein Spieler parat, der auch auf dem linken Flügel spielen kann.

Bernal, Casadó, Cubarsí: Barcelona macht es vor

Nichtsdestotrotz legen die Bayern Wert darauf, dass sie bei den Bundesliga-Einsatzminuten von Spielern, die schon in der Jugend im Verein waren, vergangene Saison Platz drei hinter Freiburg und Mainz belegt haben. "Knapp 50 Prozent unserer Nachwuchsspieler werden Profis - damit ist die Durchlässigkeit beim FC Bayern für Talente in den Profifußball sowohl im deutschen als auch im internationalen Vergleich sehr gut", sagte Freund.
Wie man den Nachwuchs aber konsequent bei den Profis parkt, zeigt nicht der FC Bayern, sondern der FC Barcelona. Mit Marc Bernal, Marc Casadó und Pau Cubarsí baute Trainer Hansi Flick sukzessive Spieler aus der eigenen Jugend ein und verschaffte ihnen jede Menge Spielzeit. Das Risiko zahlte sich aus: Barça gewann das Double und der 18-jährige Innenverteidiger Cubarsí steigerte seinen Marktwert auf 80 Millionen Euro.
Davon ist Lennart Karl noch weit entfernt. Das Offensivjuwel regelmäßig bei den Profis einzusetzen, wäre aber ein Anfang.
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Quelle: Perform


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