FC Bayern München vor Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid: Wie viel Euphorie darf sein?

Erst das erfolgreiche Hinspiel gegen Real Madrid, dann auch noch der Tor-Rekord in der Bundesliga. Die Stimmungslage könnte beim FC Bayern München vor dem Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel am Mittwochabend kaum besser sein. Liegt darin auch eine Gefahr? Joshua Kimmich warnt deshalb vor dem Match. Wenn Real performen müsse, dann tun sie es, warnt der Nationalspieler.

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Quelle: Perform

Leon Goretzka hatte den Rekord-Ball in der Hand, als er nach Abpfiff in Richtung Kabine marschierte. Es war der Ball, mit dem er das zwischenzeitliche 2:0 erzielt hatte und einen neuen Rekord aufstellte. Mit dem 102. Treffer der Bundesliga-Saison wurde die bisherige Bestmarke aus der Spielzeit 1971/1972 gebrochen – und später weiter ausgebaut. Nach dem 5:0 beim FC St. Pauli steht der FC Bayern bei 105 Toren.
"Der Ball wurde mir auf dem Platz in die Hand gedrückt. Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm", sagte Goretzka, als er auf den Ball in seiner Hand angesprochen wurde. "Ich musste mir ehrlich gesagt erst einmal erklären lassen, was für ein Rekord das ist. Aber es ist eine schöne Sache. Es spiegelt wider, dass wir eine außergewöhnliche Saison spielen."
Der FC Bayern blickt auf viele erfolgreiche Epochen zurück. Sie wurden geprägt von Spielern wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller, später von Arjen Robben und Franck Ribery. Doch es ist die heutige Generation, die zumindest hinsichtlich der Tore alle übertroffen hat. Wie das zu erklären ist?
"Harry Kane spielt eine Rolle, aber auch unsere beiden Winger (Michael Olise und Luis Diaz, Anm. d. Red.), die von der Mentalität einfach immer Bock haben, Tore zu schießen und hungrig sind", sagte Goretzka.

Kimmich erklärt die Gründe für den Tor-Rekord

Doch nicht nur die Offensivspieler haben großen Anteil daran, wie Joshua Kimmich erklärte: "Natürlich haben die vorderen Vier die Vielzahl der Tore gemacht. Trotzdem sieht man, dass wir auch aus vielen anderen Situationen gefährlich werden können. Ob nun bei Standards, in Umschaltsituationen, im eigenen Ballbesitz – da haben wir viele Möglichkeiten", sagte der Mittelfeldspieler.
Die gesamte Mannschaft hätte in dieser Hinsicht einen "Entwicklungsschritt" gemacht. "Der Trainer wollte diese Dinge bereits in der letzten Saison von uns sehen. Aber je länger man miteinander arbeitet, desto besser versteht man, was er von uns möchte. Man sieht, dass es auf dem Feld harmonischer wird."
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Ein weiterer Grund seien laut Kimmich die Rotationen: "In der letzten Saison waren wir oft mit dem gleichen Personal auf dem Feld. Jetzt tauscht der Trainer immer wieder durch, aber die Prinzipien und Automatismen bleiben die Gleichen. Wir sind nicht mehr so abhängig von jedem Einzelnen, sondern arbeiten als kollektiv."

Bei Bayern funktionieren Rotationen, bei Real Madrid nicht

Vincent Kompany nahm gegenüber dem Champions-League-Hinspiel gegen Real Madrid (2:1) sieben Veränderungen in der Startelf vor. Ein Leistungseinbruch war gegen St. Pauli allerdings nicht festzustellen. Ganz anders die Madrilenen.
Auch diese nahmen am Freitag bei dem Liga-Heimspiel gegen FC Girona sieben Startelf-Veränderungen vor, kamen allerdings nicht über ein 1:1 hinaus. Kurzum: Der FC Bayern dürfte dem Rückspiel am Mittwochabend mit deutlich mehr Selbstvertrauen entgegenblicken.
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Überschätzen dürfe man diesen Faktor laut Kimmich allerdings nicht. "Bei Real ist es völlig egal, wie sie in Form sind. Wenn Champions League ansteht, dann performen sie. Ich glaube, es ist völlig egal, wie sie davor gespielt haben." Dennoch ist die Zuversicht beim FC Bayern groß.
"Es ist natürlich eine brutal schwierige Aufgabe", weiß Goretzka. "Wir haben uns im Hinspiel einen kleinen Vorteil verschafft. Der kann aber gegen so eine Mannschaft schnell weg sein. Trotzdem fühlen wir uns in der Allianz Arena immer pudelwohl und sind auch selbstbewusst. In der Regel fühlt sich der Gegner bei uns nicht ganz so wohl."

Eberl bleibt trotz Rummenigge-Warnung entspannt

Der langjährige Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge warnte davor, den Sieg aus dem Hinspiel überzubewerten. "Man darf jetzt nicht den Fehler machen, zu viel Euphorie aufkommen zu lassen. Ich nehme im Moment einen kleinen Hype wahr, und der gefällt mir ehrlich gesagt nicht", sagte er bei "DAZN". "Real Madrid hat uns auch hier in München schon oft genug geärgert, daran möchte ich erinnern."
Der Tor-Rekord könnte das Gefühl der Euphorie möglicherweise noch verstärken. Sportvorstand Max Eberl sieht diese Gefahr allerdings nicht, weil seine Mannschaft lediglich eine "kontrollierte Euphorie" verspüre: "Wir sollen diese Euphorie mitnehmen, denn was wir geleistet haben, kann uns keiner nehmen. Und trotzdem wartet am Mittwoch ein großer Gegner auf uns. Wir haben eine gute Ausgangslage, wissen wir aber, dass wir noch nicht durch sind."
Die Wahrheit wird sich Mittwochabend auf dem Platz zeigen.
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