FC St. Pauli gewinnt erstes Hamburger Stadtderby in der Bundesliga seit 14 Jahren beim HSV - Hamburg gehört dem Kiez

Der abgezockte FC St. Pauli hat Aufsteiger HSV das Heimspiel-Comeback in der Bundesliga verhagelt und ist in einem hitzigen Derby zur Stadtmeisterschaft gestürmt. 14 Jahre nach dem letzten Erstligaduell siegte St. Pauli hochverdient mit 2:0 (1:0). Während die Gästefans nach dem Schlusspfiff "Derbysieger, Derbysieger" skandierten, feierten auch die HSV-Anhänger trotz der Niederlage ihr Team.

St. Pauli gewinnt Stadtderby gegen HSV

Fotocredit: Getty Images

"Es ist sehr bitter und enttäuschend, dass wir nicht das auf den Platz gebracht haben, was gereicht hätte, um das Spiel zu gewinnen", sagte HSV-Coach Merlin Polzin bei "Sky".
HSV-Vorstand Stefan Kuntz brachte den Frust auf den Punkt: "Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Derby zu Hause zu verlieren. Wir wollten anders in unsere Heimspiele starten. Insgesamt muss man fairerweise sagen, dass wir wussten, dass wir wahrscheinlich noch viel Geduld haben und lernen müssen."
Alexander Blessin wollte bei aler Begeisterung die Bodenhaftung nicht verlieren. "Das erste Derby war schon etwas sehr Besonderes. Das wollten wir, dass wir die Atmosphäre aufsaugen und das Publikum verstummen lassen", so der Trainer des FC St. Pauli, der das Motto ausgab: "Mund abwischen und weiter geht’s." 
Adam Dzwigala (19.) brachte vor 57.000 elektrisierten Zuschauern die Gäste vom Millerntor in Führung. Andreas Hountondji legte in einer der seltenen Drangphasen des HSV nach (60.). Die Gastgeber müssen nach der nächsten offensiven Nullnummer weiter auf ihr erstes Bundesligator seit dem Abstieg vor mehr als sieben Jahren warten. HSV-Verteidiger Giorgi Gocholeishvili sah zudem die Gelb-Rote Karte (77.).
Eine Woche nach dem wilden 3:3 gegen Dortmund darf sich St. Pauli über einen famosen Saisonstart und die Tabellenführung für eine Nacht freuen. Der HSV hingegen präsentierte sich im 112. Stadtderby trotz der erstklassigen Unterstützung von den Rängen zeitweise nicht bundesligatauglich und hat noch jede Menge Arbeit vor sich.
Zuvor hatte ein großes Polizeiaufgebot in der gesamten Hansestadt ein Aufeinandertreffen der "marschierenden" HSV-Anhänger mit den auf Fahrrädern und Rollern anreisenden St. Pauli-Fans verhindert - bis zum Anpfiff blieb es friedlich. Hitzig ging es auf den Rängen dennoch zu, beide Fanlager machten ihren Teams mit speziellen Choreografien Dampf.

St. Pauli im derby gegen HSV das reifere Team

Pünktlich um 20:30 Uhr war es dann so weit: 2666 lange Tage nach dem Abstieg war der Volkspark offiziell wieder ein Bundesligastadion. Doch ein Großteil der Zuschauer kassierte früh einen Stimmungsdämpfer. St. Pauli schockierte den Gastgeber nach einer ausgeglichenen Anfangsphase mit einer kreativen Eckenvariante - an deren Ende Verteidiger Dzwigala aus rund acht Metern sein erstes Bundesligator erzielte.
Auch im Anschluss wirkte St. Pauli wie die reifere Bundesligamannschaft. Der überforderte HSV hatte gleich zweimal großes Glück: Zunächst wurde Hountondji fälschlicherweise eine sehr aussichtsreiche Abschlussposition wegen eines vermeintlichen Fouls genommen (25.), dann vergab Mathias Pereira Lage völlig frei vor Daniel Heuer Fernandes (41.).
Die zweite Hälfte begann mit einer Gefühlsexplosion. Der vermeintliche Treffer von Ransford-Yeboah Königsdörffer nach einem langen Ball verwandelte den Volkspark kurzzeitig in ein Tollhaus, doch Schiedsrichter Christian Dingert mutierte wegen einer knappen Abseitsstellung zum Spielverderber. Der HSV blieb dran: St. Pauli-Keeper Nikola Vasilj parierte einen guten Freistoß von Miro Muheim (53.).
Doch es war wenig später wieder der abgezockte "kleine Nachbar", der den Treffer machte. Hountondji umkurvte den unentschlossenen Heuer Fernandes und traf aus spitzem Winkel. Kurz davor war der neue HSV-Kapitän Yussuf Poulsen wie schon beim 0:0 in Gladbach zum Saisonstart eingewechselt worden. In der Schlussphase hatte St. Pauli noch weitere gute Gelegenheiten zum dritten Tor.
(SID)
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Quelle: Perform


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