FC Bayern schlägt BVB im Klassiker und enteilt - der LIGAstheniker fragt: Sind die Bayern zu gut für die Liga?
Update 20/10/2025 um 10:47 GMT+2 Uhr
Ganz Fußball-Deutschland hoffte am Wochenende im deutschen "Klassiker" auf ein Stolpern des FC Bayern München - doch Borussia Dortmund legte Prüfungsangst an den Tag. So enteilt der Rekordmeister einmal mehr der Liga und scheint bereits nach sieben Spieltagen uneinholbar. Ein Armutszeugnis für den Rest der Bundesliga, findet der LIGAstheniker. Eine Glosse von Thilo Komma-Pöllath.
Kompany will noch mehr: "Ab morgen steht alles auf null"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Es gehört offensichtlich zum guten Ton der Liga, die sich in schöner Regelmäßigkeit und damit alle paar Jahre wieder fragen lassen muss: Ist der FC Bayern zu gut für diese Bundesliga?
In dieser Spielzeit dauerte es bis Spieltag 7 (!) bis die Frage kam und für eine professionelle Sportliga, die eine der besten der Welt sein will, ist das natürlich ein Armutszeugnis. Als Dortmunds Trainer Niko Kovac nach dem verlorenen deutschen Klassiker Samstagabend im "ZDF" konkret die Frage gestellt bekam, antwortete er, Zitat: "Ja, das muss man so im Moment sagen".
Wobei das Kovac‘sche "im Moment" noch eine vornehme Verharmlosung darstellt angesichts der bayerischen Dominanz der letzten zehn, 15 Jahre. Anders formuliert: Wenn der Trainer der zweitbesten deutschen Klubmannschaft, die sich selbst als Bayern-Verfolger Nummer eins sieht, das sagt, dann ist so eine Äußerung ein Totalschaden für die Liga und seine Macher von der DFL.
Wieder einmal hat man es offensichtlich nicht geschafft, einen Wettbewerb so zu organisieren, dass es auch ein echter Wettbewerb ist. Ein Blick auf die Tabelle reicht als Beleg.
Hatte der BVB Prüfungsangst?
Aber bleiben wir erstmal beim konkreten Spiel vom Wochenende. Waren die Bayern nun so unwiderstehlich, um so viel besser oder ist der BVB wieder einmal vor allem an sich selbst gescheitert?
Die Wahrheit ist, wie so oft, auf beiden Seiten des Feldes zu finden. Dass der BVB in der ersten Halbzeit im Grunde nicht stattfand - wie ist das zu erklären?
Wenn ich weiß, ich habe, sagen wir heute am Montag, eine Mathe-Schulaufgabe und schreibe bei den Aufgaben auf der ersten Seite nichts hin, also rein gar nichts, kann man dann sagen, ich würde den Stoff beherrschen? Oder ist es ein Blackout? Oder Prüfungsangst?
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Kovac hadert mit Schiedsrichter-Leistung: "So kleinlich"
Quelle: Perform
Also: Hatte der BVB Prüfungsangst in München? (Um das böse M-Wort zu vermeiden, das hinter dem M mit entalität endet). Das würde so manchen Auftritt der Dortmunder gegen die Münchner in der Vergangenheit erklären!
Die Dortmunder sind keine Wutspieler
Es ist diese Verkettung aus Eingeschüchtertheit und Dämlichkeit, die den BVB in München lange "auszeichnete". Man kann es auch etwas netter formulieren, wie Dortmunds Kapitän Nico Schlotterbeck, der den Auftritt seiner Mannschaft als "verschreckt" bezeichnete, was es ziemlich gut trifft.
Nehmen wir das 1:0 durch Harry Kane. Wie der englische Torpedo Hand anlegt, um sich im Luftkampf von seinem Bewacher (ausgerechnet Serhou Guirassy) zu befreien und obwohl Millionen am Bildschirm rätseln, ob das nun ein korrektes Tor war oder nicht, verstummt die Borussia ausgerechnet jetzt im Protest gegen ein vermeintlich irreguläres Tor.
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Harry Kane, Joshua Kimmich und Leon Goretzka bejubeln den Bayern-Sieg gegen den BVB - Jobe Bellingham muss gratulieren
Fotocredit: Getty Images
Kein Protest nirgends, aber warum? Wir alle wissen: Wäre Vergleichbares im Strafraum der Bayern passiert, hätten die Wutspieler in Rot Rambazamba aufgeführt, um den Videoschiedsrichter ins Spiel zu bringen.
Was macht Bellingham?
Genauso verhaltensauffällig war Dortmund beim 2:0 der Bayern. Jobe Bellingham mag ja mal ein ganz Großer werden, dass er das aber noch länger nicht sein wird, zeigte er mit seiner geradezu hilflosen, gedankeneinschläfernden, ja, sagen wir es, dilettantischen Abwehraktion auf den Fuß des heranrutschenden Michael Olise.
Nicht falsch verstehen: In der dritten Liga darf ihm das natürlich passieren, aber doch nicht im größten Klassiker der Bundesliga, wenn zukünftige Meisterschaften schon mal vorgefühlt werden.
Bayerische Dominanzbilanz 25/26
Ich könnte immer so weiter machen. Harry Kane zaubert als Spielgestalter und Torjäger, spricht vom besten Bayernspiel überhaupt und sein Dortmunder Tor-Pendant Guirassy ist bis zu seiner Auswechslung nicht zu sehen, also außer in der 22. Minute, als der gute Harry ihn mal kurz zur Seite schiebt.
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Harry Kane beim 1:0
Fotocredit: SID
Spätestens seit diesem Samstagabend, glauben die Bayern zu wissen, dass sie auch 2026 Deutscher Meister werden, obwohl ja gerade erst ein Saisonfünftel gespielt ist. Die Bayern, und das ist ihre Stärke, wissen es einfach.
Aber wer sollte sie vom Gegenteil überzeugen. Ein Blick auf die jüngsten Resultate gegen die vermeintlich stärksten Verfolger genügt. Die Bilanz gegen Leipzig, Frankfurt, Dortmund: 9 Punkte und 11:1 Tore. Heißt im Umkehrschluss: Nullkommanull Punkte für die drei besten deutschen Klubs in Summe bei ihren Spielen gegen ein und denselben Klub: Bayern München.
Das ist, mit Verlaub, eine andere Welt.
Was tut die DFL gegen die drohende Langeweile?
Jetzt kann man natürlich einwenden, was kann die DFL dafür, wenn die Bayern so gut sind und die Verfolger so schwach?
Das ist richtig und falsch zugleich. Wenn das ein oder zweimal in all den Jahren passiert, touché, aber nicht, wenn es quasi zum Naturgesetz wird. Wie so etwas zu handhaben wäre, zeigen die Ligaorganisatoren in Amerika mit Ihrem Draft-System, die nichts mehr hassen als Langeweile und den immer gleichen Meisterklub.
Ich würde den Vergleich mit Amerika, der zugegeben hinkt, weil die Ligasysteme kaum vergleichbar sind, gar nicht ziehen, wenn ich nicht wüsste, dass man hierzulande neidisch über den großen Teich schielt. Solche Umsatz- und Gewinnzahlen hätte die DFL nämlich auch gerne.
Und dass man auch bei uns gerade den Fußball gerade aus betriebswirtschaftlichen Gründen zunehmend als Entertainmentprodukt begreift und nicht als Schweiß und Stollenerlebnis - wer möchte da widersprechen?
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Kompany zur Causa Boateng: "Nicht größer machen, als es ist"
Quelle: Perform
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