Jamal Musiala feiert Comeback beim FC Bayern München - Vincent Kompany, Harry Kane und Co. loben Rückkehr von "Bambi"
Update 31/01/2026 um 10:02 GMT+1 Uhr
208 Tage nach seiner schweren Verletzung bei der Klub-WM in den USA brilliert Jamal Musiala bei seinem ersten Startelfeinsatz mit einem Tor. Er hat das gewisse Extra als Spielgestalter und punktgenauer Schütze. Ein Plus im Repertoire des Rekordmeisters, der auf der Zehnerposition nun noch mehr Drive und Esprit bekommt. Wie glücklich alle bei den Münchnern sind, dass ihr "Bambi" nun zurück ist.
Kompany über Musiala-Rückkehr: "Kommt aus einem dunklen Tunnel"
Quelle: Perform
Jan-Christian Dreesen blickte sich um im Mannschafthotel des FC Bayern München. Mit dem Mikrofon in der Hand suchte der Vorstandsboss den Protagonisten des vorangegangenen Spiels, des 2:1-Erfolgs bei der PSV Eindhoven. An welchem Tisch saß der Held des Abends auf dem mitternächtlichen Bankett mit den VIPs und Sponsoren? Und dann entdeckte Dreesen ihn, Jamal Musiala.
Denn der 22-Jährige ist keiner, der sich in einem solchen Moment erhebt oder am Tisch den Rücken gerademacht, damit man ihn auf keinen Fall übersieht. "Eigentlich sollte ich keine einzelnen Spieler erwähnen. Ich werde das jetzt trotzdem machen", begann der Boss der Bayern und forderte an diesem Champions-League-Abend von den Gästen einen "besonderen Applaus" für Musiala ein.
Was Dreesen so begründete: "Für dich, Jamal, hat mich das heute wirklich gefreut. Nach deiner langen Verletzung das 1:0 heute, das erste Mal in der Startelf. Wir freuen uns alle für dich." Applaus, Applaus. Schüchtern, aber ganz im Inneren doch stolz und glücklich erwiderte der Gefeierte die Blicke seiner Bewunderer.
Alles richtig gemacht. Hatte auch Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany in Eindhoven. Beim Personal-Puzzle in diesen so fordernden Januar-Wochen für die Münchner mit sieben Partien in 21 Tagen, das Duell mit dem niederländischen Meister war Spiel Nummer sechs.
Kompany kennt keine Gnade: "Es muss eine harte Integration sein."
Die Integration des so lange verletzten Jamal Musiala ging – um im Bild eines Puzzles zu bleiben - Teilchen für Teilchen, Spiel für Spiel auf. "In dieser Phase der Saison gibt es leider keine softe Integration", meinte der Bayern-Trainer bereits am Vorabend des Spiels in der 250.000 Einwohner-Stadt in der Provinz Noord-Brabant im Süden der Niederlande. Der Umkehrschluss laut Kompany: "Es muss eine harte Integration sein, voll in der Saison."
Am Samstag, bei der überraschenden 1:2-Pleite der Bayern in der Bundesliga gegen den FC Augsburg, hatte der Spielmacher als Joker eine halbe Stunde mitgewirkt. Mehr schlecht als recht – wie die gesamte Mannschaft. Erst 1:0, dann 1:2. Und Musiala nun bei PSV Eindhoven reinschmeißen? In der Champions League? Bei einem Gegner, der ums Weiterkommen und Millionen-Einnahmen kämpft? In einem Hexenkessel wie dem lauten, engen Philips Stadion? "Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt. Er muss durch diese Phase", bekräftigte Kompany.
Musiala spielte. Musiala traf. Musiala strahlte. Ein kleines Märchen in einem für die Bayern im Grunde bedeutungslosen Spiel, da sie bereits fürs Achtelfinale qualifiziert waren. Mit dem 2:1 sicherten sie sich Rang zwei in der Abschlusstabelle der Ligaphase (sieben Siege in acht Spielen) und damit inklusive eines möglichen Halbfinals das Heimrecht im jeweiligen K.o.-Rückspiel.
208 Tage ist die schwere Verletzung, das Drama von Atlanta, nun her
Doch der eigentliche Feelgood-Faktor dieses Ausflugs in die Niederlande war das Musiala-Comeback. Auf Zuspiel von Lennart Karl, nach einem starken Doppelpass, vollendete Musiala ebenso wuchtig wie elegant zur 1:0-Führung (58.). Sein erstes Tor seit Mitte Juni letzten Jahres beim 10:0-Scheibenschießen bei der Klub-WM gegen die Amateure aus Auckland, also eigentlich seit Anfang April letzten Jahres, da traf er beim 3:1 in der Liga in Augsburg.
Viel wichtiger: Es war dieses ersehnte Erfolgserlebnis nach der schwersten Verletzung seiner Karriere. Vor 208 Tagen, Anfang Juli, erlitt er gegen Paris Saint-Germain (0:2) einen Wadenbeinbruch samt Sprunggelenksluxation. Nach langer Reha, einem "dunklen Tunnel" (Kompany), kehrte er zurück: "Das war eine bittere Geschichte in Amerika, fast ein Trauma für die ganze Mannschaft", erklärte der Trainer. Für seine Rückkehr habe "der Junge lange gekämpft", so Kompany und nun "sehr viel positive Energie mitgebracht".
Musiala findet: "Ich komme jetzt langsam wieder rein"
"Jamal ist extrem demütig und dankbar, dass er wieder auf dem Platz stehen kann", sagte Sportvorstand Max Eberl in Eindhoven und betonte: "Keiner erwartet von ihm Wunderdinge. Dass er sich mit dem Tor belohnt, ist eine sehr schöne Geschichte." Auch für Musialas Mutter. "Mama hat mir schon tausende WhatsApp-Messages geschrieben", meinte der 22-Jährige, der über seine Leistung sagte: "Ich habe gute Aktionen gehabt, komme jetzt langsam wieder rein. Ich bin richtig glücklich über mein Tor, vor allem darüber, wieder auf dem Spielfeld zu sein. Heute war ein guter Tag."
Nicht in jeder Szene. Er habe sich eigentlich "echt gut" auf dem Platz gefühlt, so Musiala selbst, "außer Anfang zweite Halbzeit, da habe ich kurz vergessen, Fußball zu spielen." Der DFB-Nationalspieler musste am "DAZN"-Mikrofon lachen und erklärte: "Da muss ich sauberer mit dem Ball sein, aber das kommt."
Was Musiala der so erfolgreichen Bayern-Mannschaft noch geben kann
Es ist ein Segen für Kompany und die Mannschaft, diesen so wendigen, dribbelstarken Spielmacher wieder an Bord zu haben. Ein Plus im Repertoire des Rekordmeisters, der auf der Zehnerposition nun noch mehr Esprit und Drive bekommt. Shootingstar Karl (17) schwang sich als Nutznießer zum Lückenfüller des Musiala-Dramas auf, Routinier Serge Gnabry (30) bildet stets eine zuverlässige Alternative. Doch Musiala hat das gewisse Extra als Spielgestalter und punktgenauer Schütze.
Die 62 Minuten in Eindhoven sollen nur der Anfang für die Nummer "10", Mister Spielwitz, gewesen sein. Torjäger Harry Kane, meist von den Flügelspielern Michael Olise und Luis Díaz bedient, wird künftig wieder mehr durch die Mitte angespielt – zum Doppelpass oder in den Lauf. Er wird profitieren, Bayern wird profitieren. Sie sind nun noch gefährlicher, weil unberechenbarer.
"Ich ziehe den Hut vor ihm" - lobt einer der Bayern-Profis
"Ich erwarte nicht, dass er Leistungsträger ist", sagte Kompany über Musiala. Aber gerne in den entscheidenden Monaten im Frühjahr. "Wir werden Jamal noch brauchen in den großen Spielen, wenn wir was erreichen wollen", sagte Mittelstürmer Kane, der diesmal als Joker das Siegtor zum 2:1-Endstand erzielt hatte (84.). Wie alle aus dem Bayern-Kosmos freute auch der Brite immens für Musiala und lobte: "Ein wunderschönes Tor aus spitzem Winkel, er hat seine Qualitäten gezeigt, war herausragend. Ich ziehe den Hut vor ihm."
Auch Julian Nagelsmann wird die Ereignisse vom Mittwoch mit großem Vergnügen verfolgt haben. Mit Musiala, der seine letzten Einsätze im Nationaltrikot im März 2025 (bei den Nations-League-Viertelfinals gegen Italien) hatte, bekommt der Bundestrainer wieder mehr Möglichkeiten in der Offensive. Musiala und sein Kumpel Florian Wirtz, seit letztem Sommer beim FC Liverpool, könnten dann gemeinsam mit Karl und Gnabry zaubern. Nun kann die WM 2026 in Nordamerika kommen – mit Musiala, dem Comeback-Kid, als Hoffnungsträger.
"Er ist unser Bambi" - sagt ein anderer der Bayern-Stars
"Wenn ich auf dem Platz bin, will ich den Fokus haben, zu liefern", betonte der Mann der Woche. Er wolle nun "fit und gesund" bleiben, um sich "bereit zu machen für die wichtigen Spiele, die jetzt kommen".
Es gibt wenige, die ihm nicht die Daumen drücken. "Er ist unser Bambi", sagte Abwehrboss Jonathan Tah neulich, "wir brauchen ihn und freuen uns, dass er wieder da ist." Bambi – das scheue Reh. Es ist Jamals Spitzname im Team.
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